
In der Nacht hat Russland die Ukraine erneut mit Raketen angegriffen. Es gab mindestens acht Tote. Trotz der aktuellen Eskalation sieht Bundesaußenminister Wadephul jetzt einen guten Zeitpunkt für Verhandlungen.
Bundesaußenminister Johann Wadephul ist trotz der anhaltenden russischen Angriffe auf die Ukraine überzeugt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für Verhandlungen in dem Konflikt sei. „Wir sollten jetzt einen sehr ernsthaften Versuch unternehmen“, sagte er dem Tagesspiegel.
Die jüngsten Angriffe Russlands und des Iran zeitlich rund um den NATO-Gipfel seien sicher kein Zufall gewesen, sondern hätten eine vermeintliche Stärke demonstrieren sollen, sagt Wadephul.
Die auf dem auf dem Gipfel beschlossenen Finanzzusagen seien jedoch eine klare Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass die Ukraine den längeren Atem habe und Russland nun verhandeln müsse.
Kiew erneut unter Beschuss
Erst in der Nacht war die Ukraine erneut an mehreren Orten unter russischen Raketenbeschuss geraten. Dabei gab es mindestens acht Tote und zahlreiche Verletzte.
Bei Angriffen auf die Hauptstadt Kiew wurden nach offiziellen Angaben mindestens elf Menschen verletzt. Unter den Verletzten sei ein Kind, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Onlinedienst X mit. Noch vor dem ersten Sirenenalarm sei „zivile Infrastruktur“ getroffen worden, darunter Wohnhäuser und Bürogebäude.
Russland habe in der Nacht zwölf Raketen, darunter sechs ballistische Raketen, sowie 121 Drohnen gegen die Ukraine eingesetzt, so Selenskyj. Die meisten Drohnen und einige der Raketen seien abgeschossen worden, doch die ballistischen Raketen hätten ihre Ziele erreicht.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Mindestens fünf Tote in Sumy
Das russische Militär hat durch den Abwurf von Gleitbomben auf die nordostukrainische Stadt Sumy mindestens fünf Menschen getötet. Eine Bushaltestelle sei getroffen worden, teilte der Chef der Militärverwaltung von Sumy, Oleh Hryhorow, mit.
Die Zahl der Verletzten stieg seinen Angaben nach auf 30, darunter seien auch fünf Schwerverletzte, schrieb er bei Telegram. Nach Angaben des Bürgermeisters von Sumy, Artem Kobsar, ist unter den Toten ein 13-jähriges Mädchen. Die örtlichen Behörden warnten vor weiteren Angriffen.
In Odessa im Süden des Landes sind nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Menschen bei Angriffen getötet und 12 weitere verletzt worden. Dort sei eine russische Rakete in einem Gebäude eingeschlagen, teilte der Chef der Regionalverwaltung, Oleh Kiper, mit. In der östlichen Stadt Slowjansk wurde Behördenangaben zufolge ebenfalls ein Mensch bei einem russischen Angriff getötet.
Ukraine greift Schiffe im Asowschen Meer an
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel der russischen Angriffe seien Drohnenproduktionsstätten in Kiew sowie die Häfen von Ismajil und Tschornomorsk in der Region Odessa gewesen.
Die Ukraine wiederum griff nach eigenen Angaben im Asowschen Meer mehr als zwei Dutzend russische Tanker und andere Schiffe an. 21 Tanker, die zum Transport von Öl und Erdölprodukten eingesetzt wurden, seien beschädigt worden, dazu vier Schlepper, zwei Frachtschiffe und ein Baggerschiff, teilte der ukrainische Generalstab mit. Russland meldete Angriffe auf vier Schiffe, bei denen eine Person getötet worden sei.
Angriffe rund um NATO-Gipfel „kein Zufall“
Außenminister Wadephul zufolge hat die Gewalt sowohl im Krieg gegen die Ukraine als auch im Iran-Krieg zuletzt sichtbar zugenommen. Doch das muss Verhandlungen nach seiner Einschätzung nicht ausschließen.
Im Gegenteil: Der Außenminister vermutet ein „militärisches Phänomen“ – nämlich das „letzte Aufbäumen, bevor man in Verhandlungen geht.“ Weder der Ukraine-Krieg noch der Iran-Krieg würden „auf dem Schlachtfeld entschieden“, erklärte der Minister.