Nach einem stundenlangen Nervenkrieg ist die Geiselnahme in einem Supermarkt im Süden Berlins beendet worden. „Der Täter ist überwältigt und die Geisel befreit“, sagte Polizeisprecher Florian Nath der Deutschen Presse-Agentur. Laut Polizeiangaben erfolgte der Zugriff am Sonnabend gegen 9.20 Uhr – ohne den Einsatz von Schusswaffen.
Der Kassiererin, die stundenlang in Geiselhaft ausharren musste, gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Tagesspiegel am Abend. Der 29 Jahre alte Täter solle noch am Sonnabend verhört und am Sonntag einem Haftrichter vorgeführt werden. Er sei polizeibekannt – aufgrund welcher Vergehen, konnte der Sprecher nicht sagen.
Polizei und Feuerwehr waren in der Nähe des Supermarkts an der Hildburghauser Straße in Berlin-Marienfelde im Einsatz.
© dpa/Carsten Koall
Der Täter hatte die Frau am Freitagabend kurz nach 22 Uhr in dem Rewe-Markt im Stadtteil Marienfelde in seine Gewalt gebracht und bedroht. Das hatte Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann bereits am Morgen erklärt.
„Wir sind in Kontakt mit dem Mann“, hatte er am Samstagmorgen gegen 08.30 Uhr geschildert. Mit Kräften des Spezialeinsatzkommandos (SEK) sowie Beamten, die für solche Vorfälle entsprechend geschult seien, war die Polizei vor Ort. Der Supermarkt liegt in der Hildburghauser Straße, an der Ecke zum Tirschenreuther Ring.
Geiselnehmer mit Taser überwältigt
„Spezialeinsatzkräfte haben den Täter überwältigen und die festgehaltene Frau befreien können“, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Dabei sei ein Taser eingesetzt worden. Solche Geräte sollen Menschen durch elektrische Impulse kurzzeitig bewegungsunfähig machen.
Bei dem Zugriff wurde der mutmaßliche Geiselnehmer leicht verletzt. Er wurde nach Polizeiangaben in ein Krankenhaus gebracht. Auch die befreite Frau, die mehr als elf Stunden gefangen gehalten worden war, kam in ein Krankenhaus. Demnach stand sie unter Schock.
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Nach ersten Erkenntnissen standen der Mann und die Geisel vor der Tat in keiner Beziehung zueinander. Der Mann habe verschiedene Forderungen gestellt, sagte der Polizeisprecher. Diese seien impulsiv und schwer nachvollziehbar gewesen und hätten „nicht auf einen akribisch geplanten Tatplan“ hingedeutet. Bei dem Verhör am Sonnabend gehe es auch darum, mehr Klarheit hinsichtlich der Forderungen zu schaffen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Mitarbeiter: „Sie war am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt“
„Ich bin geschockt“, sagte ein 22-jähriger Mitarbeiter vor Journalisten nach der fast zwölf Stunden andauernden Geiselnahme. Seinen Angaben zufolge stand der Supermarkt am Freitagabend kurz vor der Schließung. Er habe die übrigen Kunden hinausschicken wollen, als ein Mann ein Messer gezogen habe. „Das Messer war schon sehr groß“, berichtete er.
Er arbeite als Minijobber in der Filiale. „Ich habe nicht viel gesehen, es ist alles sehr schnell passiert. Man konnte auch nicht viel erkennen.“ Das „funkelnde Messer“ habe er aber gesehen. Er sei dann mit einer anderen Mitarbeiterin hinausgelaufen und habe die Polizei gerufen.
Bei der Frau, die sich ab etwa 22 Uhr in der Gewalt des Mannes befand, handelt es sich nach Angaben des 22-Jährigen um eine Mitarbeiterin. „Sie war einfach am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt“, sagte er.
Der Supermarkt blieb auch nach dem Ende des Einsatzes zunächst großräumig abgesperrt. Zahlreiche Polizeifahrzeuge, Rettungswagen und die Feuerwehr waren vor Ort. Am frühen Samstagmorgen hatten die Beamten eine Leiter an das Gebäude gestellt und sich so einen Blick in den Markt verschafft, wie ein dpa-Reporter beobachtete.
Hinter der Absperrung, mit Blick auf den Markt, hatten einige Angestellte des Supermarkts ausgeharrt. Sie hatten dünne Stoffdecken umgelegt, die ihnen der Rettungsdienst bereitgestellt hatte.
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Neben dem Supermarkt befindet sich eine Tankstelle. Die Hildburghauser Straße war während des Einsatzes in unmittelbarer Nähe des Supermarkts in beide Richtungen gesperrt.
Marienfelde liegt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg am südlichen Rand der Hauptstadt. Es ist eine ruhige Wohngegend, geprägt von Einfamilienhäusern und mehrstöckigen Wohnbauten. In der Gegend befinden sich mehrere Schulen und Kindertagesstätten. (mit dpa)