Psychotherapeuten in Karlsruhe demonstrierten heute mit ihrem Aktionsbündnis für bessere Arbeitsbedingungen in der ambulanten Psychotherapie. „Wir stehen heute hier, weil am Freitag das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz im Bundestag beschlossen wurde“, sagt Sandra Nickel vom Aktionsbündnis Psychotherapie gegenüber ka-news. Ambulante, psychotherapeutische Leistungen sollen demnach künftig auf ein Budget beschränkt sein. Ab einer bestimmten Anzahl an Terminen und Patienten, werden die Krankenkassen die Kassenärztliche Vereinigung, welche das Geld an die Psychotherapiepraxen übermittelt, nicht mehr bezahlen.
Nach dem Sparpaket soll die Angemessenheitsprüfung für psychotherapeutische Leistungen (§ 87 Abs. 2c S. 8) gestrichen werden. Das bedeutet, Menschen in psychischen Notsituationen würden nicht mehr bevorzugt Termine bekommen. Die Konsequenz ist absehbar: Mehr Tote durch Selbstmord. Die Expertin weiß, was das für die Zukunft bedeuten wird: „Das wird zu deutlich weniger Plätzen in der ambulanten Psychotherapie führen.“
Schwarze Ballons erinnern in Karlsruhe an Suizidopfer
Dabei sagt die Statistik bereits jetzt, dass in Deutschland immer mehr Menschen Suizid begehen. Es beendeten im Jahr 2024 insgesamt 10.372 Menschen ihr Leben durch Suizid, was einem Anstieg von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts.

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Schwarze Ballons
Foto: Thomas Riedel
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Schwarze Ballons
Foto: Thomas Riedel
Besonders eindringlich beschreibt Psychotherapeutin Maria Strasser, was die Novelle für die Zukunft bedeute könnte. Sie ergänzt: „In einem Jahr konnten über 4.000 Suizide durch ambulante Psychotherapie verhindert werden.“ Diese Menschenleben sind durch die Gesetzesnovelle in Gefahr.
17 Städte setzen mit 600 Ballons ein Zeichen gegen das Sparpaket
Deswegen stand stand Samstag, der 11. Juli, deutschlandweit im Zeichen der schwarzen Ballons. In 17 Städten sollten insgesamt 600 schwarze Ballons aufgehängt werden. Medien aus allen Enden der Republik berichten von der Umsetzung. Nicht nur in Karlsruhe, auch in vielen anderen Städten wiesen die Ballons auf die Trauer der Angehörigen und die Ausweglosigkeit der Patienten hin.