Die Feier von 125 Jahren Vergangenheit war bei der Freiwilligen Feuerwehr Gruiten mit einem Blick in die Zukunft verbunden. Denn Wehrleiter Stefan Longerich überreichte dem neuen Zugführer Guido Brandenstein eine Metallhülse, die später in den Grundstein der neuen Feuerwache an der Düsselberger Straße eingemauert werden soll. Noch war dieses etwa 50 Zentimeter lange und zehn Zentimeter dicke Stück Edelstahlrohr leer. Es wird Aufgabe des Löschzuges Gruiten sein, für dieses Erinnerungen an das Jubiläumsjahr zu sammeln.

Von einem anderen Stück Zukunft profitierten die jüngsten Besucher: Die neue, rund eine Million Euro teure Drehleiter war aufgebaut. Im Korb, der bis zu 30 Meter Höhe gefahren werden könnte, ließen sich Kinder und Eltern um gut 20 Meter nach vorn fahren und „löschten“ von dort mit dem scharfen Wasserstrahl hölzerne „Flammen“ auf einem Klappbock. Die Spritzer waren bei der Sommerhitze auf der gesperrten Bahnstraße bei Zuschauern willkommen. Kinder ließen sich zudem im Gerätewagen durch den Ort kutschieren, „löschten“ und tobten auf der Farm-Hüpfburg. Die Erwachsenen genossen Kuchen, Kaffee, Gegrilltes und kühle Getränke.

Auf der Internetseite mit „Gruitener Geschichte(n)“ findet sich ein Foto des Gerätehauses an der Bahnstraße aus dem Mai 1980. In der Bildunterschrift wird jener Bau als Start in die moderne Zeit umschrieben. Gut vier Jahrzehnte hat das Gebäude aus Beton und ohne Dämmung jetzt schon hinter sich. „Es wird schon über einen Neubau diskutiert, seit ich in der Feuerwehr bin“, sagte Joachim Schultes, stellvertretender Wehrleiter und zuständig für die Pressearbeit. Und fügte hinzu: „Und das sind jetzt schon 25 Jahre.“

Das Gerätehaus ist eigentlich für zwei Fahrzeuge konzipiert worden. Seit vielen Jahren stehen aber drei Einsatzwagen (zwei hintereinander) drin. 26 Spinde für die Aktiven stehen links (20) und rechts (sechs) an der Wand – gleich neben den Einsatzwagen. Eigentlich müsste es eine separate Umkleide geben. Und auch einen Schwarz-Weiß-Bereich, der verhindert, dass kontaminierte Einsatzkleidung mit der zivilen Kleidung in Berührung kommt.

Verständlich, dass nicht nur die 26 Aktiven, sondern auch die vielen Helfer bei der Veranstaltung und auch der jugendliche Nachwuchs voller Vorfreude auf den Neubau warten. Dessen Ausschreibung musste erneuert werden. Inzwischen aber liegen wohl einige Angebote von interessierten Generalunternehmern im Rathaus vor. Anfang 2027 werden wohl Entwürfe für den Neubau an der Düsselberger Straße (gegenüber dem alten Bürgerhaus-Parkplatz, zwischen der Flüchtlings-Unterkunft und dem baldigen BRW-Zenterallabor) vorliegen. Vielleicht gelingen Fertigstellung und Umzug in 2029.

Fest steht schon jetzt, dass die vorgesehenen fünf Fahrzeugplätze in der Halle schon belegt sein werden. Denn neben den Gerätewagen aus Gruiten gibt es schon jetzt ein geländegängiges Fahrzeug mit Waldbrand-Bekämpfungs-Technik. Auch soll wohl ein Fahrzeug vom Land in Gruiten stationiert werden. Hinzu kommen Mannschaftswagen. Über ein Zuviel an ungenutztem Platz wird es also bestimmt keine Klagen geben. Denn Fahrten zu Aus- und Fortbildungen werden in großer Zahl zu bewältigen sein. Allein die Maschinisten-Qualifikation für die neue Drehleiter verlangt rund 40 Stunden pro Bediener; bei etwa 50 auszubildenden Feuerwehrleuten kommt da schon einiges an Aufwand zusammen.

Im Vorfeld der Feuerwehrgründung in Gruiten gab es vor 125 Jahren eine große Zahl gewaltiger Feuer. Da brannten Scheune und Stall auf einem Bauernhof an der Haan-Vohwinkeler Straße ab, auch der Hof Birschels brannte nieder – Wasser musste über die Gleise herbeigeholt werden, was zum Entgleisen eines Schnellzug-Waggons führte. Ebenfalls Mitte Juli 1901 brach ein Feuer im Rittergut Schöller aus. Tage später stand ein Anwesen im Bereich Groß Bracken in Flammen und forderte die Brandwehr heraus.

Am 3. Oktober 1901 machte Ehrenbürgermeister Kratz die Bildung der Freiwilligen Feuerwehr bekannt, damals mit 30 Mitgliedern. Ein Foto, das künftig im Eingangsbereich der neuen Wache hängen wird, bildet die historische Klammer: Es zeigt die Feuerwehrgruppe von 1901 vor der Heinhauser Mühle, dem ersten Sitz der Feuerwehr. An gleicher Stelle postierten sich auch die Aktiven von 2026 für die Kamera.