Standdatum: 12. Juli 2026.
Audio
Nicht jede Badestelle ist auf Rollstuhlfahrer ausgelegt. (Symbolbild)
Bild: Imago | Tetra Images
Audio-Ende
Menschen mit Behinderungen werden im Alltag oft eingeschränkt – das hört auch im Urlaub nicht auf. Was betroffenen Familien hilft.
buten un binnen bei Google bevorzugen
In den Sommerferien spontan verreisen: Was für viele Familien normal ist, stellt Menschen und Familien, die auf barrierefreie Einrichtungen angewiesen sind, oftmals vor Probleme. So auch Familie Kuhlemann aus Bremen. Ihre Tochter Emma hat einen seltenen Gendefekt. Die 13-Jährige kann sich daher nicht selbstständig bewegen, nicht sprechen, ist blind sowie geistig eingeschränkt.
Ihre Krankheit ist lebensbegrenzend, dennoch will ihre Mutter Katharina Kuhlemann, dass sie so normal wie möglich aufwächst. „
Sie ist ein lebensfrohes Mädchen und liebt Action.
Katharina Kuhlemann über ihre behinderte Tochter Emma
Deswegen will die Familie Emma auch Urlaube ermöglichen. Auch für Sophie gibt es in puncto Familienurlaub keine zwei Meinungen. „Am schönsten ist es, wenn wir alle zusammen Urlaub machen“, sagt Sophie mit Nachdruck und entschlossenem Gesichtsausdruck. Sanft tätschelt sie Emmas Hand, die neben ihr im Rollstuhl sitzt und breit grinst.
„Ich spiele mit ihr im Garten immer Handball“, ruft die sportbegeisterte Sophie und legt Emma ihren Handball auf den Schoß. Emma gluckst vor Freude.
Barrierefreie Hotels und Unterkünfte sind rar
Die Familie nimmt Emma mit ins Fußballstadion, in Restaurants, ins Kino – und eben in den Urlaub. „Emma soll die Welt entdecken“, sagt Mutter Katharina. Allerdings ist es für die Kuhlemanns ein Riesenproblem, überhaupt passende Ferienangebote zu finden. „Selbst wenn wir einen Urlaub in einem barrierefreien Ferienhaus buchen wollten, bräuchten wir einen Autoanhänger“, sagt Katharina Kuhlemann.
Denn die Familie benötigt für Emma unter anderem ein Pflegebett, einen Duschstuhl, Vorlagen, Sondennahrung und den Spezial-Fahrradanhänger. Urlaube seien für die meisten Menschen mit Beeinträchtigung eine große Herausforderung, erklärt auch Finn Riethmöller von der Lebenshilfe Bremen. „Viele Hotels sind einfach nicht barrierefrei. Oftmals ist es auch schwierig, da überhaupt erst richtige Informationen drüber zu finden“, erklärt Riethmöller.
Welche Art der Barrierefreiheit vorhanden ist, ist auch immer eine Frage. Ein Mensch, der blind ist, hat ganz andere Bedürfnisse als jemand, der im Rollstuhl sitzt.
Finn Riethmöller von der Lebenshilfe Bremen
Die Bundesvereinigung der Lebenshilfe stellt zudem klar, dass es für Hotels und Anbieter keine Verpflichtung zur Barrierefreiheit gebe. Daher gebe es oftmals auch nur sehr wenige barrierefreie Angebote – obwohl knapp acht Millionen Menschen in Deutschland eine Schwerbehinderung haben, führt Riethmöller aus. Auch Katharina Kuhlemann wird im Urlaub regelmäßig vor Probleme gestellt: „Wenn wir einen Strandkorb mieten wollen, müssen wir klären, wie wir mit dem Rollstuhl durch den Sand kommen.“
Wie es dennoch mit der Reise klappen kann
Riethmöller, der selbst sechs Jahre lang Reisen von Menschen mit Behinderungen ehrenamtlich begleitet hat, empfiehlt Betroffenen: „Einfach mal anrufen, das hilft einfach.“ Dort gäbe es oft bessere Informationen. Auch Internet-Portale wie Reisen für Alle böten mit vielen Filtern eine gute Hilfe.
Die Familie Kuhlemann hat Glück. Sie verbringt seit einigen Jahren stets eine Woche Familienurlaub in einem für ihre Bedarfe bestens ausgestatteten Ferienhaus des Kinderhospizes Löwenherz in Bad Zwischenahn. „Da haben wir sogar einen mobilen Lifter zur Verfügung, mit dem wir Emma vom Bett in den Rollstuhl hieven.“
„Löwenherz“ ist eines der wenigen Kinderhospize, das ein solches Ferienhaus vorhält. Die Kuhlemanns können es nur in Anspruch nehmen, weil Emma eine lebensbegrenzende Erkrankung hat und die Familie schon mehrfach im Kinderhospiz in Syke zu Gast war.
Familie teilt sich auf
Familien wie sie haben die Möglichkeit, sich bis zu 28 Tage im Jahr in einem der 22 stationären Kinderhospize in Deutschland von der anstrengenden Pflege ihrer Kinder zu erholen. Die kranken Kinder werden dort von Pflegekräften betreut, für Eltern und Geschwisterkinder gibt es eigene Freizeitangebote.
Die Kuhlemanns werden sich in diesen Sommerferien – wie schon in den Jahren zuvor – auch eine Zeit lang aufteilen: Emma macht dann allein Urlaub im Kinderhospiz, während die Eltern mit Sophie nach Fehmarn fahren. „Im Alltag steht oft Emma im Mittelpunkt“, erklärt Katharina Kuhlemann: „Da wollen wir einmal im Jahr Zeit exklusiv für Sophie haben.“ Alle wissen, dass Emma dann bei den „Löwenherzen“ bestens aufgehoben ist. „Aber nach ein paar Tagen werden wir unruhig und sind froh, wenn wir wieder alle zusammen sind.“
Video
Bild: Radio Bremen
Video-Ende
Quellen:
buten un binnen und epd.
Dieses Thema im Programm:
Bremen Eins, Der Morgen, 7. Juli 2026, 9:10 Uhr
