Bayern und Togo rücken auf besondere Weise zusammen, seit der Westafrikaner Joseph Afatchao die Pfarreiengemeinschaft Bayerdilling leitet. Schon seine Amtseinführung im Oktober 2025 geriet in der Bayerdillinger Dorfkirche zu einem ebenso stimmungsvollen wie symbolträchtigen Aufeinandertreffen von Lederhose und afrikanischer Tracht, von zünftiger Blasmusik und mitreißendem Gospelgesang. Seither nähern sich beide Kulturen im Alltag immer wieder ein Stück weiter an – erst jüngst im Vortrag über seine Heimat „Togo – to go“.

Nun ist es der 42-jährige Pfarrer selbst, der eine hiesige Lebensart ganz neu für sich entdeckt, buchstäblich mit einem Sprung ins kalte Wasser: Während nämlich an heißen Tagen rund um die Seen der Region ganz selbstverständlich Handtücher ausgebreitet werden und Kinder jauchzend ins Wasser springen, ist Joseph Afatchao auf diesem Gebiet noch Anfänger: Er lernt gerade schwimmen. Mehrmals pro Woche trifft man den 42-Jährigen inzwischen am Bauernweiher bei Münster an – gemeinsam mit seinem Trainer. Warum ihn ausgerechnet seine neue Wahlheimat dazu gebracht hat, schwimmen zu lernen, und weshalb das in seinem Herkunftsland alles andere als üblich ist, erzählt der Pfarrer im Gespräch.

In Togo gibt es andere Sorgen, als Schwimmen zu lernen

Der idyllische Bauernweiher bei Münster ist ein beliebter Badesee. Pfarrer Josef nutzt ihn, um schwimmen zu lernen.

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Der idyllische Bauernweiher bei Münster ist ein beliebter Badesee. Pfarrer Josef nutzt ihn, um schwimmen zu lernen.
Foto: Barbara Würmseher

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Der idyllische Bauernweiher bei Münster ist ein beliebter Badesee. Pfarrer Josef nutzt ihn, um schwimmen zu lernen.
Foto: Barbara Würmseher

„Ein Großteil der Bevölkerung in Togo hat andere Sorgen, als schwimmen zu lernen“, schildert Pfarrer Joseph. „In erster Linie müssen wir Sorge tragen, dass unsere Familien genug zu essen haben und dann geht es um Bildung. Schwimmen hatte bei mir zu Hause in meiner Familie keine Priorität. Schwimmen ist Luxus – etwas für die Reichen.“ Sein Heimatdorf Bè (Baguida) gehört verwaltungstechnisch zur Hauptstadt Lomé und liegt am Atlantik. Aber im Meer schwimmen zu lernen sei schwierig – eher noch gehöre es für die Menschen dazu, die in Dörfern an einem Fluss leben. Schwimmbäder, die es schon auch gebe, stünden freilich nur den Wohlhabenden zur Verfügung.

Hier nun im Landkreis Donau-Ries ist alles anders. Als jetzt in den vergangenen Tagen die Temperaturen deutlich über die 30-Grad-Marke geklettert sind, hat es sich im Gespräch mit einem Freund so ergeben, „dass er mir angeboten hat, mir das Schwimmen beizubringen“, erzählt Pfarrer Joseph, dem die Aussicht auf Abfrischung im kühlen Nass sofort gut gefallen hat. Etwa sechsmal haben sie seither schon gemeinsam geübt. Und wenn sein „Trainer“ einmal keine Zeit dazu hat, springt ein anderer Bekannter gerne ein, um zur Sicherheit mit dabei zu sein. „Aber es funktioniert schon ganz gut“, sagt Pfarrer Joseph, der sich freut, auch ohne Schwimmweste schon etliche Züge zu schaffen.

Ohnehin ist es ihm eine sehr große Freude, sich draußen im Freien aufzuhalten. „Man spürt die Natur“, schildert er, wie sehr er das Erlebnis Wasser und Landschaft genießt. „Wenn ich schwimme dann nehme ich das als Auszeit wahr.“ Trotzdem ist er auch in diesen Momenten immer offen für Begegnungen. „Es ist für mich eine weitere Möglichkeit, im Alltag zu den Menschen dazuzugehören. Ein Pfarrer soll in der Mitte der Menschen sein.“ Joseph Afatchao sieht seine persönliche Überzeugung hier ganz im Sinne der Botschaft von Papst Franziskus, der sagt: „Die Kirche muss jetzt zu den Leuten gehen.“ Und er ergänzt schmunzelnd: „Also wenn mit mir jemand am Bauernweiher über Gott reden will, bin ich gerne dazu bereit.“

Nur einer musste nicht schwimmen lernen – er konnte über‘s Wasser laufen

Sein neues Hobby rangiert in der Bedeutung freilich immer noch hinter seinen vielen Aufgaben als Priester und Seelsorger. Pfarrer Josephs Einzugsbereich ist ziemlich groß, erstreckt sich über Bayerdilling, Holzheim, Münster, Gempfing, Wallerdorf, Etting, Oberpeiching und die kleinen Dörfer, die dort jeweils noch dazugehören. Einer der nächsten Höhepunkte, die in seiner Pfarreiengemeinschaft anstehen, ist eine Afrikanische Messe am 2. August um 10 Uhr in Holzheim. Dann sind dort auch sein afrikanischer Chor „Les Cherubins“ (Engel, die vor Gott singen) und die Trommelgruppe „N‘tifafa“ (Friede) mit dabei.

Doch wann immer Dienstplan, Wetter und Freizeit es zulassen, zieht es ihn an den Münsterer Bauernweiher, um das Schwimmen noch besser zu lernen. „Die Technik beherrsche ich jetzt soweit, jetzt muss ich einfach noch trainieren“, sagt Pfarrer Joseph. Und da hilft nur üben, üben, üben. Schließlich weiß auch er, dass es nur einen einzigen gegeben hat, der das nicht nötig hatte. Deshalb nämlich, weil er über‘s Wasser laufen konnte …