Das Donaufest lockte einen der bekanntesten Autoren Österreichs nach Ulm: Robert Menasse spart nicht mit drastischen Bildern, wenn er über die Europäische Union spricht. Seine Kritik ist scharf, bisweilen vernichtend – und leidenschaftlich. Sie entspringt einer glühenden Überzeugung, dass das europäische Projekt „das Beste ist, was man nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs ins Leben rufen konnte“. Doch er verzweifelt am derzeitigen politischen Personal. Dem entspringt vielleicht der Ansporn zu seiner Novelle „Die Lebensentscheidung“, die er im Ulmer Stadthaus vorstellte. Denis Scheck führte durch den Abend und gab seinem Gesprächspartner den Raum, über Literatur und Europa gleichermaßen zu sprechen. Menasse antwortete mit Witz, Wiener Schmäh und jener Unverblümtheit, die seine öffentlichen Auftritte ebenso prägt wie seine Prosa.