Bielefeld. Für ihr Ja-Wort wünschen sich viele Paare einen ganz besonderen Platz. Wer mehr will als den Amtsschreibtisch, soll in Bielefeld die Möglichkeit erhalten, sich von einer Standesbeamtin oder einem Standbeamten auch an einem persönlichen Lieblingsort trauen zu lassen.

Haben CDU und SPD, die Koalitionspartner im Rathaus, sonst eher den städtischen Haushalt oder ein Straßenbauvorhaben im Blick, geht es ihnen jetzt einmal um ein unvergessliches Erlebnis am Tag der Eheschließung. Im Hauptausschuss des Rates beantragen sie, dass ein Konzept für Trauungen an „individuellen Trauorten“ in der Stadt erarbeitet wird.

„Individuelle Trauorte ermöglichen jungen Paaren, ihre Ehe an einem Ort zu schließen, der für ihre gemeinsame Geschichte eine besondere Bedeutung hat“, schreiben Steve Kuhlmann (CDU) und Riza Öztürk (SPD) in ihrem Antrag. So werde Bielefeld nicht nur als Verwaltungsort, sondern noch besser auch als Heimatstadt erlebbar. „Wer hier den Start in Ehe und Familie bewusst gestaltet, verbindet persönliche Lebensplanung mit unserer Stadt.“ Das stärke die Identifikation mit Bielefeld und unterstreiche den Anspruch, eine lebenswerte, fami-
lienfreundliche Stadt zu sein.

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Würdiger Rahmen ist Pflicht

Und was wäre so ein individueller Trauort? „Vielleicht ein alter Bauernhof oder ein Ort, wo man sich kennengelernet hat“, sagt Steve Kuhlmann. Aber, klar, so ganz einfach ist das nicht. Die standesamtliche Trauung ist schließlich ein hoheitlicher Akt. Und der muss in einem würdigen Rahmen vollzogen werden.

Das Konzept, das jetzt erarbeitet werden soll, müsse für die Hochzeitspaare in spe deshalb „klare, nachvollziehbare und transparente Rahmenbedingungen für Trauungen an Trauorten mit individueller Bedeutung enthalten“, schreiben die Antragsteller.

Zum Thema: Bielefelder können sich jetzt im H1-Hochhaus am Kesselbrink trauen lassen

Auch offizielle Eheschließungen im Freien sind denkbar, doch auch dabei müssen die Vorgaben des Personenstandsrechts beachtet werden. Generell gilt: Der Ort der Trauung muss innerhalb des Standesamtsbezirks liegen. Sollte der Raum oder das Grundstück nicht der Stadt gehören, muss die Nutzung durch das Standesamt gestattet sein. Während der Eheschließung muss der Standesbeamte das Hausrecht haben, und es muss grundsätzlich allen Paaren möglich sein, an diesem Ort zu heiraten. So will es der Gleichheitsgrundsatz. Damit fielen der eigene Garten oder das heimische Wohnzimmer leider weg.

Die Amtshandlung darf außerdem nicht durch mögliche Störungen gefährdet werden. So muss am Trauort die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden, dürfen nur Verwandte und Freunde dabei sein.

Jedes Jahr 1.300 Trauungen

In Bielefeld heiraten jährlich etwa 1.300 Paare. Die Heiratswilligen sind schon lange nicht nur auf das Standesamt im Neuen Rathaus angewiesen. Insgesamt gibt es in der Stadt elf Orte, um den Bund fürs Leben zu schließen. Das geht zum Beispiel auf der Sparrenburg, in der Alten Vogtei in Heepen, im Bauernhausmuseum und seit Neuestem auch in der 18. Etage des H1-Hochhauses am Kesselbrink, 76 Meter über dem Boden.

Allerdings fallen für diese Trauorte auch Extra-Gebühren an. Wer im H1 über den Dächern der Stadt heiraten möchte, muss dafür 520 Euro zusätzlich zahlen. Die Hochzeitsgesellschaft darf aus maximal 50 Personen bestehen. Ein Caterer sorgt für den Sektempfang, was wiederum extra kostet. Heimeliger und günstiger geht es im Heimathaus Jöllenbeck zu. Wer sich dort das „Ja-Wort“ gibt, muss dafür 190 Euro zusätzlich zahlen, kann aber den Sektempfang selbst organisieren, was wiederum etwas spart. Die Hochzeitsgesellschaft sollte 30 Gäste nicht überschreiten. Im Rathaus am Niederwall fallen keine zusätzlichen Entgelte an.

Aber auch den individuellen Trauort wird es wohl nur für eine Extra-Gebühr geben. Da werden dann auch CDU und SPD in ihrem Antrag wieder ein bisschen „verwaltungstechnisch“: Sie beauftragen die Verwaltung, dem Hauptausschuss einen Vorschlag für eine entsprechende
städtische Verwaltungsgebührenordnung vorzulegen: „Die Gebühren sollen den tatsächlichen zusätzlichen Verwaltungs-, Personal- und Sachaufwand für Trauungen an individuellen Trauorten sachgerecht, nachvollziehbar und transparent abbilden.“

Wer mit der Hochzeit und dem Tag der Tage nicht länger warten will, der findet schon jetzt im Netz alle Infos rund ums standesamtliche Heiraten in Bielefeld.