Das Fernsehpublikum liebt ihn als Entertainer, Moderator und natürlich Quizmaster von „Wer wird Millionär?“. Seiner Wahlheimat Potsdam ist er seit drei Jahrzehnten nicht nur treu, sondern auch tatkräftig verbunden: Ohne ihn, das darf man wohl sagen, würde die Landeshauptstadt heute anders aussehen. Am 13. Juli wird Günther Jauch 70 Jahre alt.
Wie und wo er seinen Geburtstag verbringt, bleibt sein Geheimnis. Jauch will am liebsten nicht gefunden werden. „Also, es ist zu empfehlen, dass man an dem Tag nicht ans Telefon geht. Da werde ich versuchen, mich dran zu halten. Ich denke, es wird gelingen“, sagte er wenige Wochen vor seinem Geburtstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Für mich sind genau solche Daten nicht so wichtig und ich neige dann auch nicht dazu, da ein großes Aufhebens zu machen.“
Günther Jauch gemeinsam mit Kollege Thomas Gottschalk während der RTL-Show „Denn sie wissen nicht, was passiert“ im vergangenen Jahr.
© dpa/Julia Feldhagen
Publikumsliebling im TV: Günther Jauch bei einer Aufzeichnung von „Wer wird Millionär?“ im Mai 2010.
© dpa/Rolf Vennenbernd
Kein großes Aufhebens: Das könnte auch als Motto über dem vielseitigen Wirken von Jauch in Potsdam stehen. Wo überall er sich engagierte und mitwirkte, ist vielen vielleicht gar nicht bewusst: Das von ihm finanzierte Fortunaportal am Alten Markt wurde einst zur Initialzündung für den Wiederaufbau des Stadtschlosses.
Das seinerzeit gerade fertiggestellte Fortunaportal mit Günther Jauch.
© MANFRED THOMAS TSP
Verliebt in Potsdam
Der TV-Journalist und Unternehmer unterstützte nicht nur die Sanierung des Belvedere auf dem Pfingstberg, wo er 2006 seine langjährige Lebensgefährtin heiratete. Er spendierte der Schlösserstiftung auch die Restaurierung der Neptungrotte im Park Sanssouci, gab Geld für Sanierungsvorhaben im Marmorpalais und bei der Friedenskirche von Sanssouci. Auch vor umstrittenen Vorhaben schreckte er nicht zurück: Jauch war einer der Geldgeber für den Wiederaufbau des Garnisonkirchturms.
Günther Jauch im Jahr 2023 vor dem Campanile der Friedenskirche, dessen Sanierung er unterstützt hat.
© Andreas Klaer
Jauch vor der Neptungrotte im Park Sanssouci, deren Wiederherstellung er finanzierte.
© Andreas Klaer
Sein Verhältnis zu Potsdam darf man sich als Liebe auf den ersten Blick vorstellen: Geboren in Münster und aufgewachsen in Berlin, erkundete Jauch die Havelstadt auf der anderen Seite der deutsch-deutschen Grenze am Heiligabend des Umbruchsjahres 1989 bei einem Ausflug mit seiner späteren Frau – und war hin und weg, wie er selbst schildert. „Wir wollten uns Sanssouci anschauen und waren dann auch im Holländischen Viertel, das damals noch wüst aussah“, erzählte er einmal im Gespräch mit den Potsdamer Neuesten Nachrichten: „Trotzdem hat die Stadt schon damals einen ungeheuren Zauber auf uns ausgestrahlt, und wir haben uns gesagt: Hier wollen wir einmal leben.“ So sollte es einige Jahre später kommen.
Wobei die Zuneigung auch auf die Probe gestellt wird. Als bekennender Fan des Livestreams der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung ist Jauch mit den mitunter so länglichen wie erbittert geführten Debatten bestens vertraut. Seiner Ungeduld oder dem Unmut über manche Entwicklung macht er aber nur äußerst wohldosiert Luft.
Brandrede gegen Willkür in der Denkmalbehörde hatte Folgen
Wenn er sich öffentlich zu Wort meldet, sorgt das mitunter für Wirbel im Rathaus: So etwa 2007, als seine Brandrede gegen eine willkürliche Genehmigungspraxis in der Potsdamer Denkmalbehörde Wellen schlug – und schließlich eine Umstrukturierung bewirkte. Mit der Behörde hatte er als Bauherr mehrerer Sanierungsvorhaben intensiv zu tun.
Mehr über Günther Jauch lesen Sie hierGünther Jauch geehrt Woidke verleiht Potsdam-Mäzen den Landesverdienstorden Lange Wartelisten für seelisch kranke Kinder Potsdamer Moderator Günther Jauch prangert Missstände an Interview | Günther Jauch „Potsdam hat schon 1989 einen Zauber ausgestrahlt“
Für seinen Beitrag zum Erhalt der historischen Bausubstanz wurde er erst im Juni von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) mit dem Landesverdienstorden geehrt. Woidke lobt ihn nun auch in einer Glückwunschadresse zum 70. Geburtstag: „Sie tragen dazu bei, das Stadtbild Potsdams wieder zum Strahlen zu bringen“, so der Ministerpräsident: „Dieses Engagement ist Ausdruck von Verantwortung für unsere Gesellschaft und für kommende Generationen.“
Der Mäzen Jauch bei einem Jubiläumsfest des Potsdamer Kinderprojekthauses „Arche“ im Jahr 2020.
© Andreas Klaer
Jauch investiert nicht nur in Denkmäler, auch die Förderung benachteiligter Kinder ist ihm ein Anliegen: Er finanziert seit Jahren den Betrieb des christlichen Jugendwerks Die Arche im Plattenbaukiez Drewitz, dessen Gründung er angeregt hatte. Dort werden täglich bis zu 80 Kinder und Jugendliche aus dem Wohngebiet mit Fürsorge, Mahlzeiten und Betreuung versorgt.
Fernsehmoderator und Weingutbesitzer Günther Jauch steht in einem seiner Weinberge.
© dpa/Harald Tittel
2010 ist er auch unter die Winzer gegangen: Als Nachfahre der Gründer übernahm er das renommierte Weingut von Othegraven im rheinland-pfälzischen Kanzem an der Saar. Als Winzer sehe er sich aber nach all den Jahren nicht, sagte er der dpa: „Im Grunde bin ich ein ewiger Winzer-Azubi.“ Und auch wenn Jauch die Region als idyllisch und romantisch beschreibt und auch wenn er der Arbeit wegen oft in Köln ist: Sein erstes Zuhause bleibt weiterhin Potsdam.
Die Villa Kellermann am Heiligen See in Potsdam.
© Andreas Klaer
Jauch bei einem Pressedinner in der Villa Kellermann im Jahr 2020. Damals begann Sternekoch Tim Raue als Betreiber.
© Andreas Klaer
Hier kann Jauchs Wein auch im Restaurant getrunken werden: Er hat vor einigen Jahren die Villa Kellermann erworben. Das Haus mit bewegter Geschichte liegt direkt am Heiligen See und ist somit der einzige öffentlich zugängliche Ort an diesem Seeufer, an dem Potsdams Prominenz lebt. Die Villa hat Jauch als Restaurant verpachtet und es können dort Apartments gemietet werden. (mit dpa)