Weniger Fluglärm für die einen, mehr Lärm für andere Kommunen: Anfang Juli 2025 startete die Umsetzung der neuen Abflugroute Cindy S am Frankfurter Flughafen. Die geänderte Route geht über Gebiete, die weniger besiedelt sind. Insbesondere um den Darmstädter Norden mit Darmstadt-Arheilgen und -Kranichstein machen die Flugzeuge einen Bogen. Die neue Route gehört zum „Maßnahmenprogramm Aktiver Schallschutz“ des Forums Flughafen und Region (FFR) aus dem Jahr 2018 und soll dazu beitragen, die Fluglärmbelastung im Rhein-Main-Gebiet zu verringern, informiert das Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) des Landes Hessen.
Ein Blick zurück: Warum war eine Änderung der Route überhaupt nötig? Die Flugroute Cindy S/Cindy F ist laut UNH eine der meistgenutzten Strecken am Flughafen in Frankfurt am Main. Von der Startbahn West verläuft sie in südöstliche Richtung und überflog den dicht besiedelten Raum Darmstadt-Arheilgen und Kranichstein. Wohingegen die Abflugstrecke Sulus S/Sulus F vom Parallelbahnsystem aus geht und erst später denselben Verlauf wie Cindy S/Cindy F nimmt. Um in diesen Gebieten die Lärmbelastung durch Flugzeuge zu verringern, hat das FFR drei verschiedene Routen analysiert, die südöstlich über Gebiete zwischen Darmstadt-Wixhausen und Erzhausen gehen, die weniger stark besiedelt sind, aber näher am Flughafen liegen. Auch an Messel rückt Cindy S näher heran.
Wie lautet die Kritik über die neue Flugroute? Und welche Orte sehen sich einer stärkeren Lärmbelastung ausgesetzt? Was die Messwerte nun zeigen und wie es mit der neuen Flugroute weitergeht, erfahren Sie in diesem Artikel.
Warum sorgt die neue Flugroute für Ärger bei Anwohnern?
Zu den Menschen, die inzwischen mehr Fluglärm abbekommen, gehören auch Anwohnerinnen und Anwohner in Egelsbach, das südöstlich des Flughafens liegt. So berichtet ein Einwohner gegenüber der Hessenschau, er könne zwar schlafen, aber erst nach 11 Uhr abends. Zudem herrscht Ärger über die Planung: Eine Fluglärmkommission habe sich für Beratungen unter anderem mit Darmstadt an einen Tisch gesetzt. Messel und Egelsbach seien jedoch bei der Neuplanung der Route durch die Fluglärmkommission (FLK) nicht beteiligt gewesen, lautet ein Vorwurf von Tobias Wilbrand, Bürgermeister von Egelsbach, gegenüber der Hessenschau.
Daher ist der Frust über die Flugroute bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern, die südöstlich vom Flughafen leben, groß. So groß, dass die Ortsgruppen für Erzhausen, Messel, Wixhausen, Egelbach, Langen und Groß-Zimmern sogar einen Verein mit dem Namen „Stopp Cindy S“ gegründet haben.
Rein rechnerisch sei Cindy S laut Frankfurter Rundschau (FR) aber eindeutig: Nimmt man die Verkehrswerte und Flugzeugtypen des Jahres 2023, entlaste die neue Route summiert etwa 20.000 Menschen am Tag um mindestens zwei Dezibel (dB) vom Flugzeuglärm, davon allein rund 17.000 Personen um mindestens fünf dB. Rund 9000 Bürgerinnen und Bürger würden dagegen mit mindestens zwei dB mehr belastet, berichtet die FR. Schaue man auf das Gesamtbild, überwiege die Zahl der entlasteten Bürgerinnen und Bürger durch die Route, sagt Regine Barth, Leiterin Stabsstelle Fluglärmschutz, der Hessenschau.
Übrigens: Wer mit dem Auto am Flughafen Frankfurt parken will, kann mit bestimmten Tipps Geld sparen.
Was zeigen die Messungen des Fluglärms rund um Frankfurt?
Für ein Jahr wird die Umsetzung der neuen Flugroute analysierend begleitet, um zu überprüfen, ob die Maßnahme zur Fluglärmreduzierung greift, informiert das UNH. Nun gibt es erste Daten zur neuen Abflugroute, die das Forum Flughafen und Region (FFR) am 18. Juni im Rahmen einer Konvent-Sitzung veröffentlichte. Sie bestätigen die Erwartungen, die letztlich auch zur Routenänderung führten. Für die bisherige Datenauswertung nutzten die Experten fünf Messpunkte.
Was ist das Forum Flughafen und Region?
Das Forum Flughafen und Region (FFR) versteht sich als ein Ort für den Dialog zwischen der Region Rhein-Main und der Luftverkehrswirtschaft. Es gliedert sich in mehrere Gremien: Koordinierungsrat, Konvent Flughafen und Region, Expertengremium Aktiver Schallschutz, Umwelthaus/Nachbarschaftshaus und Bürgerbüro. Dem dreiköpfigen Vorstand des FFR unterliegt die Leitung des Forums und seiner Gremien. Ebenso haben die drei Vorstände den Vorsitz im Koordinierungsrat und im Konvent. Der Vorstand wird gebildet aus einem neutralen Mitglied, einem Repräsentanten der Luftverkehrswirtschaft und einem Repräsentanten der Kommunen in der Region, informiert die Geschäftsordnung.
In Weiterstadt-Gräfenhausen, das südlich liegt, ist der Fluglärm im mittleren Maximalpegel um mehr als zwei dB gesunken. Auch in Darmstadt-Arheilgen sorgt die neue Flugroute für Entlastungen. Je nach Flugzeugtyp sank dort der mittlere Maximalpegels um bis zu sechs dB. Zudem ging der Lärmpegel tagsüber um mehr als neun dB und in der Nacht um mehr als sieben dB zurück, erklärte das FFR.
Wie erwartet, ist es dafür in anderen Orten, primär im Südosten, lauter geworden:
- In Erzhausen stieg der durchschnittliche Pegel – je nach Flugzeugtyp – um bis zu sechs dB. Gleichzeitig nahm der Lärmpegel am Tag und in der Nacht jeweils um mehr als fünf dB zu.
- In Egelsbach trifft der Fluglärm primär den Stadtteil Bayerseich. Auch dort liegen die Nachher-Pegel im erwarteten Bereich.
- Im Norden von Darmstadt-Wixhausen nahmen die mittleren Pegel durch die Nähe der Flugroute meist im Bereich um zwei dB zu.
Zudem äußerten Kommunen den Wunsch, Messungen an Orten vorzunehmen, an denen vor der Routenänderung nicht gemessen wurde. Für Messel gibt es nun eine erste Vorab-Auswertung. Seit der neuen Flugroute hat dort der Lärm zugenommen. Doch die gemessenen Pegel von 44,7 dB am Tag und 35,8 dB in der Nacht seien laut FFR in der erwarteten Größenordnung.
Lärmbelastung am Flughafen Frankfurt: Wie geht es jetzt weiter?
„Die uns aktuell vorliegende umfassende Datenbasis mit mehr als 20.000 Flugspuren sowie vorläufigen und endgültigen Messergebnissen von sechs Messstationen deutet darauf hin, dass die durch die Routenverlegung erwarteten Lärmeffekte eingetreten sind und alle relevanten Aspekte berücksichtigt wurden“, sagt Johann-Dietrich Wörner, FFR-Vorstand in den Ergebnissen der Lärmmessungen. Und weiter: „Selbstverständlich werden wir auch in den kommenden Monaten die Nutzung der neuen Route genau beobachten, um potenzielle Auffälligkeiten und Abweichungen von unseren Prognosen frühzeitig zu erkennen und zu analysieren.“
In den kommenden Monaten werden die Messungen daher weiter ausgewertet. Auch eine Analyse über Auffälligkeiten der Flugspuren der ersten zwölf Monate soll erfolgen. Die nächsten Auswertungen stellen die Experten vermutlich im September 2026 vor, informiert das FFR. Für den 2. Dezember 2026 ist auch eine Sitzung der FLK geplant, in der es auch um die Zukunft der Flugroute gehen soll, informiert die Stadt Darmstadt in einer Pressemitteilung.
Übrigens: Wer am Frankfurter Flughafen unterwegs ist, sollte die Probleme bei der neuen Skyline-Bahn berücksichtigen.