rbb|24: Nun soll im Rahmen des Krankenkassen-Sparpakets auch noch das anlasslose Hautkrebs-Screening ab 35 Jahren gestrichen werden. Was halten Sie davon?

Ulrich: Ich warne dringend davor. Wir haben während der Corona-Pandemie gesehen, was passiert, wenn Hautkrebsfrüherkennung und die Therapie der dabei erkannten, frühen Hautkrebsbefunde nicht stattfindet. Nach den Lockdowns haben wir im Hautkrebszentrum der Charité deutlich schwerere Fälle gesehen. Mehr fortgeschrittene Tumore. Mehr Menschen, die aufwendige Systemtherapien brauchten. Auch auf europäischer Ebene gibt es dazu diverse Publikationen, die ähnliche Beobachtungen beschreiben. Das ist für mich die Gegenprobe. Wir haben gesehen, was passiert, wenn Vorsorge ausfällt.

rbb|24: Was wünschen Sie sich stattdessen von der Politik?

Ulrich: Manchmal sage ich in gesundheitspolitischen Diskussionen: Bezahlt uns doch einfach wie Handwerker. Wenn Sie Ihr Elektroauto zum Service in die Werkstatt bringen, werden dort Stundensätze von 220 bis 300 Euro aufgerufen. Da denke ich manchmal: Ich wäre schon froh, wenn wir für Vorsorgeleistungen ähnlich bezahlt würden. Niemand verlangt ja, dass die Bäume in den Himmel wachsen. Aber wir müssen unsere Kosten tragen können, moderne diagnostische Geräte finanzieren und unser Personal fair bezahlen. Und das im Zweifelsfall auch ohne großartige Beauty- und Wahlleistungsangebote.

rbb|24: Wie hoch ist denn die Nachfrage nach Hautkrebsvorsorge?

Ulrich: Die ist deutlich gestiegen. Vor 20 Jahren kamen vielleicht zehn bis zwanzig Prozent der Patienten wegen Hautkrebs oder Vorsorge. Heute ist das ein viel größerer Anteil. In manchen Praxen macht das inzwischen deutlich mehr als die Hälfte aus.