Bielefeld. Sie müssen operiert werden und wissen nicht, welches Krankenhaus für den Eingriff am besten geeignet ist? So geht es vielen Menschen, denn die Kliniksuche ist für Patienten eine Herausforderung. Zwar sind alle Krankenhäuser dazu verpflichtet, Qualitätsberichte zu veröffentlichen, doch die sind für medizinische Laien nur schwer zu verstehen. Um Patienten bei der Suche zu helfen, analysieren Krankenkassen regelmäßig die Behandlungsergebnisse der Kliniken. Die AOK Nordwest bietet als größte Kasse in OWL den Klinikvergleich „Gesundheitsnavigator“ an, der ab sofort nicht nur Qualitätsunterschiede zeigt, sondern erstmals auch die Leistungsgruppen, die das NRW-Gesundheitsministerium den Krankenhäusern im Zuge der Klinikreform zugewiesen hat.

2025 hat die Reform die Krankenhauslandschaft in NRW tiefgreifend verändert, da die 330 Kliniken im Land in vielen Fällen Leistungen streichen mussten. Mit der Vergabe von insgesamt 64 sogenannter Leistungsgruppen will das NRW-Gesundheitsministerium erreichen, dass sich Kliniken spezialisieren. Kliniken dürfen bestimmte Behandlungen seitdem nur noch anbieten, wenn sie verbindliche Struktur- und Qualitätskriterien sowie Mindestfallzahlen erfüllen.

Das wissenschaftliche Institut der AOK hat die Veränderungen in NRW bereits untersucht und kommt zu dem Schluss, dass die Reform bereits zu einer Zentralisierung geführt hat. Vor allem in den Bereichen Orthopädie, Gefäßchirurgie und Krebschirurgie. Vor der Reform führten laut der Analyse in Westfalen-Lippe beispielsweise 119 Klinikstandorte Hüftimplantationen durch, nach der Reform sind es nur noch 74 Standorte. Das entspricht einem Rückgang von 38 Prozent. Die Zahl der Klinikstandorte, die Patienten mit künstlichen Kniegelenken ausstatten, sank von 105 auf 74 – ein Minus von 30 Prozent.

Vor der Klinikreform wurde an 105 Klinikstandorten der Einbau von Knieprothesen angeboten. Heute sind es noch 74. - © picture alliance / dpa Themendienst

Vor der Klinikreform wurde an 105 Klinikstandorten der Einbau von Knieprothesen angeboten. Heute sind es noch 74.
(© picture alliance / dpa Themendienst)

Deutlich weniger Standorte für orthopädische Eingriffe

Noch deutlicher sind die Veränderungen nach Angaben des Instituts in der Krebschirurgie: Die Zahl der Standorte für Operationen von Speiseröhrenkrebs sank von 37 auf 12 (minus 68 Prozent) und bei Operationen von Bauchspeicheldrüsenkrebs von 54 auf 21 (minus 61 Prozent). Zuvor seien viele Kliniken mit niedrigen Fallzahlen an der Versorgung beteiligt gewesen. „Künftig werden weniger als die Hälfte der Krankenhäuser diese Leistungen erbringen. Diese Bündelung von Leistungen an Standorten mit der nötigen Ausstattung und Routine wird zu besseren Behandlungsergebnissen führen und die Patientensicherheit fördern“, sagt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordwest. Die Klinikreform in NRW gelte deshalb als Blaupause in Deutschland.

Die Anzeige der Leistungsgruppen im Gesundheitsnavigator der AOK, der kostenlos und unabhängig von der Krankenkasse genutzt werden kann, soll Patienten und auch Ärzte, die ins Krankenhaus überweisen, bei der Wahl der passenden Klinik unterstützen. Vor planbaren Operationen erhalten Patienten häufig eine Überweisung von niedergelassenen Ärzten, mit denen sich Patienten dann im Krankenhaus ihrer Wahl melden können.

Viele Klinikstandorte, aber nur wenige mit überdurchschnittlicher Qualität

Neben den Leistungsgruppen finden die Nutzer in dem Suchportal auch Auswertungen zur Behandlungsqualität für 13 Operationen und andere Behandlungen. Sie basieren laut Ackermann auf dem Verfahren zur Qualitätssicherung mit Routinedaten des wissenschaftlichen Instituts der AOK und ermöglichen die Suche nach Kliniken, die bei den ausgewerteten Eingriffen besonders niedrige Komplikationsraten aufweisen. „Damit machen wir Unterschiede bei der Behandlungsqualität transparent“, erklärt Ackermann. „Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es für Patienten ist, durch die Wahl einer Klinik mit guten Qualitätsergebnissen das Risiko für Komplikationen deutlich zu senken.“

Drei Beispiele zeigen die Qualitätsunterschiede:

  • Blinddarmentfernung: Von 106 Klinikstandorten in Westfalen-Lippe weisen nur 18 eine überdurchschnittliche Qualität auf. In OWL sind dies das Klinikum Bielefeld mit den Standorten Mitte, Rosenhöhe und Halle, das St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn und das St. Josefs-Krankenhaus Salzkotten.
  • Mandeloperation: 4 von 17 Klinikstandorten mit überdurchschnittlicher Qualität. In OWL nur das Krankenhaus Lübbecke.
  • Operation bei gutartiger Prostatavergrößerung: 8 von 40 Klinikstandorten mit überdurchschnittlicher Qualität. In OWL nur das Klinikum Herford.