Wenn Ton und Umgang unversöhnlich wurden in den vergangenen Jahren, und das wurden sie in diesen krisenhaften Zeiten sehr oft, war Marian Offman verlässlich einer in der Stadt, der öffentlich zur Versöhnung mahnte und gleichermaßen zur verbalen Abrüstung. Der Dialog – und sei er auch schmerzhaft – gilt ihm als Königsdisziplin für die Verständigung in einer sich spaltenden Gesellschaft. Nach dem Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023 und dem Krieg in Gaza sind auch in München massive Spannungen zwischen proisraelischer und propalästinensischer Seite entstanden. Offman, Münchens wohl bekanntester jüdischer Politiker, verschrieb sich seither mit hohem Engagement der auch persönlichen Vermittlung zwischen Juden und Muslimen. Am Montagabend wurde der 78-Jährige im Alten Rathaus mit dem Förderpreis „Münchner Lichtblicke“ ausgezeichnet.
„Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung ist sein Engagement für Frieden und Demokratie von unschätzbarem Wert“, urteilte am Abend die Jury, in der neben Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) unter anderem auch die Vorsitzende des Migrationsbeirats Dimitrina Lang sitzt. „Marian Offman ist seit über zwei Jahrzehnten eine prägende Stimme für Dialog, Zusammenhalt und Respekt in München“, heißt es bei der Feierstunde. Als erster Beauftragter für den interreligiösen Dialog der Landeshauptstadt habe er Brücken zwischen Religionen und Weltanschauungen gebaut und die gemeinsame Charta des interreligiösen Dialogs mit 22 Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften initiiert.
Bis zur Kommunalwahl in diesem März saß Offman über zwei Jahrzehnte im Münchner Stadtrat – zunächst für die CSU, die letzten fünf Jahre für die SPD. Der 78-jährige Unternehmer ist ehemaliger Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde und war bis zur Vorstandswahl der Gemeinde vergangene Woche auch Mitglied in diesem Gremium. „Sein unermüdlicher Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Muslimfeindlichkeit sowie seine praktische Solidarität machen ihn zu einem Vorbild für gelebte Mitmenschlichkeit“, heißt es in der Laudatio.
Die Landeshauptstadt, der Verein Lichterkette und der Migrationsbeirat ehren mit dem Preis Personen, Initiativen, Projekte und Schulen, die sich „Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entgegenstellen und sich in vorbildlicher Weise für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft in München einsetzen“. Abgesehen von Offman stehen auch in diesem Jahr Engagierte im Fokus, die öffentlich wenig bekannt sind und durch die Auszeichnung ins Licht gestellt werden sollen. Für den Förderpreis in drei Kategorien werden 9000 Euro ausgelobt.
Zu den Ausgezeichneten gehört auch das Kollektiv „AfroDiaspora 2.0“. „Wir sind ein Verein von und für Frauen der afrikanischen Diaspora in München“, sagen die Engagierten selbst. „Wir möchten ihnen zeigen: Du bist hier willkommen. Du bist nicht allein. Und gemeinsam können wir in München etwas bewirken.“ Weil Erfahrungen und Herausforderungen von Menschen außerhalb ihrer Lebensrealität nicht immer nachvollzogen werden könnten, sei es wichtig, einen Ort zu haben, an dem man sich verstanden, akzeptiert und zugehörig fühle.
„Der Verein schafft sichere Räume, fördert kulturelle Sichtbarkeit und engagiert sich aktiv für die Belange der schwarzen und queeren Community“, lobt die Jury. „Mit diesem intersektionalen Ansatz stärkt AfroDiaspora 2.0 Selbstbestimmung, Solidarität und gesellschaftliche Teilhabe.“ Der Fokus des Kollektivs liege dabei auf der Arbeit mit Frauen, Kindern, Jugendlichen und Künstlerinnen. Mit dem Preisgeld will die Gruppe insbesondere weitere Angebote für Kinder und Jugendliche schaffen.
„Afro Diaspora 2.0.“ heißt das Kollektiv schwarzer Münchnerinnen, das einen der Lichtblicke-Preise bekommt. alles © Afro Diaspora 2.0 e.V.
Ausgezeichnet wird in diesem Jahr auch das Projekt „Kartentausch“. In Bayern bekommen geflüchtete Menschen ihr Geld auf eine Bezahlkarte, von der sie im Monat 50 Euro Bargeld abheben können. An Orten und in Läden, wo keine Kreditkartenzahlung möglich ist, können sie folglich nicht einkaufen. Bei der ausgezeichneten Initiative erwerben Geflüchtete mit ihrer Bezahlkarte im Supermarkt Gutscheine, die von Ehrenamtlichen später wieder in Bargeld umgetauscht werden. Die Lichtblicke-Jury lobt diese Initiative: Sie setze ein „starkes Zeichen gegen eine Politik der Ausgrenzung und für die Wahrung der Grundrechte von Geflüchteten“. Zudem schaffe sie persönlichen Austausch zwischen Ehrenamtlichen und Geflüchteten.
Ein Blick auf Jungs, die zu viel Zeit haben. Die Jury zeichnet das Filmprojekt „Heute wird anders“ und ihre Macherinnen von Stabil e.V. aus. stabil e.v. und Zeugnerhof
Lobend erwähnt werden in diesem Jahr „Queer Bipocs Munich“, eine selbst organisierte Gruppe, die Räume für „queere Menschen of Colour“ in München schaffe und damit Personen, die von mehrfacher Diskriminierung betroffen sind, stärke. Preiswürdig galt der Jury darüber hinaus das Filmprojekt „Heute wird anders“ des Vereins Stabil e.V. Es zeige, dass Kunst Brücken bauen könne. Der Verein vermittelt und begleitet strukturell benachteiligte junge Menschen in die Film- und Medienbranche. Beim ausgezeichneten Streifen wirken über 40 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vor und hinter der Kamera mit und erzählen von eigenen Perspektiven auf fünf Jungs, die zu viel Zeit haben.