Frau Razavi, Sie waren jahrelang eine der prominentesten Befürworterinnen von Stuttgart 21. Nun liegen weitere Milliardenkosten und eine erneute Verschiebung der Inbetriebnahme um mindestens fünf Jahre auf dem Tisch. Hatten die Kritiker im Wesentlichen recht?

NICOLE RAZAVI: Das Projekt Stuttgart 21, über das wir heute reden, ist grundlegend anders als das, was damals diskutiert und beschlossen wurde. Wendlinger Kurve, Pfaffensteigtunnel, die P-Option und vor allem der Digitale Bahnknoten mit ETCS haben das Projekt deutlich leistungsfähiger gemacht. Dadurch entstehen natürlich weitere Kosten. Dazu kommt die lange Bauzeit. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass das so lange dauert. Und ich hätte mir in meinen dunkelsten Träumen nicht vorstellen können, welche Fehler die Bahn bei der Umsetzung gemacht hat. Dass zum Beispiel Kabel falsch verlegt werden oder man blauäugig mit höheren Normen und Standards umgeht – das hätte sich, glaube ich, überhaupt niemand vorstellen können.

Nicole Razavi (CDU) ist jetzt baden-württembergische Verkehrsministerin. In der vorherigen Landesregierung unter Winfried Kretschmann stand sie dem Ministerium für Wohnen und Landesentwicklung vor.

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Nicole Razavi (CDU) ist jetzt baden-württembergische Verkehrsministerin. In der vorherigen Landesregierung unter Winfried Kretschmann stand sie dem Ministerium für Wohnen und Landesentwicklung vor.
Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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Nicole Razavi (CDU) ist jetzt baden-württembergische Verkehrsministerin. In der vorherigen Landesregierung unter Winfried Kretschmann stand sie dem Ministerium für Wohnen und Landesentwicklung vor.
Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Wo haben Sie sich geirrt?

RAZAVI: Ich bin weiterhin eine Befürworterin des Projekts, weil Stuttgart 21 ein Meilenstein für den Schienenverkehr in Baden-Württemberg und darüber hinaus ist. Der größte Irrtum war sicherlich zu glauben, dass es schnell vorangeht. Aber wer kann schon in die Glaskugel gucken? Gerade weil ich eine Befürworterin der ersten Stunde bin, werde ich das weitere Projektgeschehen nun besonders kritisch begleiten. Das habe ich auch Bahnchefin Palla in unserem ersten Gespräch gesagt.