Bielefeld. Seit mehr als vier Jahren sucht die Landschlachterei Beier ein Grundstück für den Jöllenbecker Familienbetrieb. Dort sollen Produktion, Schlachtung, Weiterverarbeitung und Handel gebündelt werden. 2022 kam ein Areal zwischen Deliusstraße und Wörheider Weg ins Gespräch.

Das Vorhaben scheiterte. Anwohner fühlten sich überrumpelt und lehnten die Pläne ab. Nun ist erneut eine Fläche in der Diskussion – im Osten der Heidsieker Heide. Um das bestehende Gewerbegebiet weiter zu entwickeln, läuft zurzeit ein Bebauungsplanverfahren. Dem Entwurfsbeschluss stimmten die Bezirkspolitiker im September 2025 zu.

Ob die Landschlachterei hier zum Zuge kommt oder nicht, ist jetzt noch nicht absehbar. Es gibt jedoch einen ersten Entwurf für die knapp neun Hektar große Fläche. Demnach würde mit Betriebsgebäude, Stellplätzen und Zufahrt maximal ein Hektar versiegelt. Der Rest bleibt als Grünland bestehen und dient dem Auslauf der Tiere nach dem Transport.

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Gewerbegebiet seit den 1970er Jahren geplant

Bezirksbürgermeisterin Yvonne Kiel (CDU) erklärte in der vergangenen Bezirkssitzung: „Wir wissen noch gar nicht, was da hinkommt.“ Anwohner im rund 550 Meter entfernten Wohnpark am Schnatsweg glauben das nicht. Sie haben eine Initiative gegründet und Flugblätter verteilt: „Wir wünschen uns mehr Transparenz. Es herrscht viel Unsicherheit.“

Befürchtet werden Lärm, Gestank und der Wertverlust der Grundstücke, die sich in Nähe einer Kita befinden. Ebenfalls glauben die Nachbarn, dass es zu einem Verkehrschaos kommen könnte und sich das Vorhaben negativ auf die Umwelt auswirkt. Neben der Fläche, die bebaut werden soll, befindet sich ein Pattweg zur Heidsieker Heide. Vor dem Areal steht eine Baumreihe.

Gregor Moss, ehemaliger Baudezernent und bis Ende des Jahres Geschäftsführer der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft WEGE, berichtet, dass die WEGE das Unternehmen Beier seit einigen Jahren bei der Grundstückssuche unterstützt. Das sei nicht einfach: „Viele Menschen verzehren Fleisch, wollen aber mit der Produktion nichts zu tun haben.“

Moss betont, dass es sich bei dem Bebauungsplan um einen öffentlich-rechtlichen Angebotsplan handele. Niemand wisse zum jetzigen Zeitpunkt, was dort zugelassen werde. Gerüchte und Behauptungen über die Ansiedlung eines Schlachtbetriebes würden „jeder Grundlage entbehren.“ Seit den 1970er Jahren sei jedoch klar, dass an der Heidsieker Heide ein Gewerbegebiet entwickelt werden soll.


Ralf Beier (l.) und Mike Bartels stehen im vorderen Bereich des Baugebietes in Nähe der Jöllenbecker Straße. Hier könnte der fleischverarbeitende Betrieb entstehen. - © systemarchiver

Ralf Beier (l.) und Mike Bartels stehen im vorderen Bereich des Baugebietes in Nähe der Jöllenbecker Straße. Hier könnte der fleischverarbeitende Betrieb entstehen.
| © systemarchiver

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Interessenten könnten sich bewerben. Den Zuschlag erteile am Ende die städtische Beteiligungsgesellschaft BBVG. „Ob der Familienbetrieb Beier sein Vorhaben realisieren kann, steht noch nicht fest“, sagt der WEGE-Geschäftsführer. Letztlich gehe es auch um hohe Investitionskosten. Deshalb werde über ein Genossenschaftsmodell nachgedacht, an dem sich Geschäftspartner wie beispielsweise Landwirte beteiligen könnten.

Ausbildungsbetrieb mit 30 Mitarbeitern

„Wir arbeiten mit rund 30 Betrieben zusammen“, sagt Seniorchef Ralf Beier. Damit leiste das Unternehmen einen wichtigen Beitrag für die regionale Versorgung der Stadt. Zum Ausbildungsbetrieb würden rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören. Verarbeitet würden nur kleine Fleischmengen. Große Lastwagen, in denen die Schweine und Rinder transportiert werden, würden nicht verwendet. „Das sind Bullis mit Anhänger“, sagt Mike Bartels. Der frühere Bezirksbürgermeister (SPD) unterstützt das Projekt von Beginn an:

„Hier will sich eine Landschlachterei neu erfinden.“ Bereits im Januar 2024 hat es in Jöllenbeck einen gemeinsamen Antrag von CDU. SPD, Grünen, FDP und Linke gegeben. Darin fordern die Bezirkspolitiker den Stadtentwicklungsausschuss (StEA) des Rates auf, sich für den Fortbestand der Fleischerei Beier einzusetzen. In den vergangenen Jahren hätten in Bielefeld zahlreiche Betriebe im Fleischerhandwerk ihre Tätigkeit eingestellt. Dieser Trend durchkreuze das Bemühen, bei der Produktion von Lebensmitteln wieder vermehrt eine regionale Wertschöpfungskette zu etablieren.


Der Entwurf zeigt, wo ein Gebäude für die Landschlachterei gebaut werden könnte. - © Jürgen Schultheiß

Der Entwurf zeigt, wo ein Gebäude für die Landschlachterei gebaut werden könnte.
| © Jürgen Schultheiß

Dies biete die Gewähr für eine unmittelbare Rückkopplung zwischen Erzeuger und Konsument. Die deutlich kürzeren Transportwege würden der Umwelt und dem Tierwohl dienen. Im Juni 2025 gab es einen weiteren gemeinsamen Antrag aus der Bezirksvertretung. Darin setzen sich die Politiker erneut dafür ein, bis zu acht Hektar des neu zu planenden Gewerbegebietes an den Handwerksbetrieb Beier zu verkaufen.


Anwohner am Schnatsweg wollen keinen Schlachbetrieb in ihrer Nähe haben. Ob das Vorhaben umgesetzt wird, ist jedoch unklar. - © Sylvia Tetmeyer

Anwohner am Schnatsweg wollen keinen Schlachbetrieb in ihrer Nähe haben. Ob das Vorhaben umgesetzt wird, ist jedoch unklar.
| © Sylvia Tetmeyer

Ladengeschäft bleibt erhalten

Bei einer Umsetzung des Konzeptes eines modernen fleischverarbeitenden Betriebes werde lediglich ein kleiner Teil der gesamten Fläche bebaut. Der überwiegende Teil werde als Grünland erhalten. Gregor Moss erklärt, dass nun erst einmal die zuständigen Ämter am Verfahren beteiligt werden, auch die Naturschutzverbände. Anwohner würden ebenfalls noch Gelegenheit erhalten, sich zum Bebauungsplan zu äußern. Konkrete Planungen könnten erst beginnen, wenn es einen Satzungsbeschluss gebe.

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Darin werde genau geregelt, welches Gewerbe an welcher Stelle des Grundstückes realisiert werden könne. „Beier geht dabei auch in ein wirtschaftliches Risiko“, sagt Mike Bartels. Ob und welche Art von Fördermitteln fließen könnten, kann der WEGE-Geschäftsführer nicht sagen. Was die Kunden freuen dürfte: Das Ladengeschäft der Landschlachterei an der Vilsendorfer Straße ist nicht gefährdet. Der Pachtvertrag mit Hausbesitzer Jürgen Brünger (83) läuft unbefristet. Das bestätigt auf NW-Nachfrage Ehefrau Inge Brünger (81).

Auch Gerüchten, dass das Haus abgerissen werden könnte, erteilt sie eine Absage: „Solange wir leben, bleibt das Haus stehen.“ Zwei Mieter der rund 70 Quadratmeter großen Wohnung seien verstorben. Um neu zu vermieten, müssten am Haus, das 1970 aufgestockt worden sei, einige Umbauarbeiten gemacht werden. „Das machen wir nicht mehr“, betont Inge Brünger.