Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe arbeiten Kommunen, Behörden und der Wupperverband an einer neuen Vereinbarung für das gesamte Einzugsgebiet der Wupper.
Seit einem Workshop zum Auftakt Ende Mai wird der sogenannte „Regionalpakt Hochwasserschutz Wupper“ erstellt. Ziel ist es, Hochwasserschutz nicht mehr nur kommunal, sondern für das 800 Quadratkilometer große Gebiet der Wupper zu organisieren. Wenn beispielsweise oberhalb Wuppertals zusätzliche Rückhalteräume geschaffen werden, kann das auch die Hochwassergefahr in betroffenen Stadtteilen wie Kohlfurth oder Beyenburg reduzieren.
Beteiligt sind neben dem NRW-Umweltministerium und dem Wupperverband die Bezirksregierungen, die 22 Städte und Gemeinden im Wuppergebiet (einschließlich der Nebenflüsse), die Kreise sowie Vertreter von Landwirtschaft, Wirtschaft und Umweltverbänden. Zum Auftakt kamen rund 50 Akteure zusammen.
Warum braucht es überhaupt einen neuen Pakt?
Der Wupperverband verfügt bereits über ein Zukunftsprogramm zum Hochwasserschutz. Nach Angaben des Verbandes umfasst es 200 Maßnahmen. Der Regionalpakt soll darüber hinausgehen. Hintergrund ist, dass Hochwasser nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen haltmacht. Viele Projekte scheitern oder verzögern sich jedoch durch Zuständigkeiten oder langwierige Genehmigungen. Der Pakt soll eine gemeinsame Strategie schaffen und Verfahren beschleunigen. Er ist die regionale Umsetzung des NRW-Hochwasserschutzpakts, der im Februar geschlossen wurde. Land und Wasserverbände betrachten die Hochwasservorsorge inzwischen als Daueraufgabe.
Gibt es schon konkrete Maßnahmen?
Der Pakt befindet sich in der Erarbeitungsphase und soll erst Anfang 2027 unterzeichnet werden. Allerdings ist bereits klar, in welche Richtung die Maßnahmen gehen: So sollen Rückhaltebecken gebaut oder erweitert werden, Flüsse mehr Raum erhalten, es geht aber auch um Auen und Deiche sowie generell schnellere Vorgänge.
Was hat der Wupperverband denn schon gemacht, damit das nicht nochmal passiert?
Von den 200 Maßnahmen waren Anfang des Jahres 21 abgeschlossen und 46 in Bearbeitung. Viele davon sind Studien, Messnetze, Frühwarnsysteme, Pegel oder Sanierungen bestehender Anlagen. Flussabschnitte, etwa im Bereich Laaken, wurden ausgedehnt und naturnaher gestaltet – mit mehr Rückhalteräumen bei Hochwasser. Zudem wurde die Steuerung einiger Talsperren angepasst; in den Sommermonaten werden zusätzliche Reserven freigehalten, um Starkregen besser puffern zu können.
Die wirklich sichtbaren Schutzbauwerke befinden sich noch in Planung. Für Beyenburg wird seit 2022 eine Machbarkeitsstudie für eine Hochwasserschutzanlage durchgeführt; gebaut wurden und werden auch neue Rückhaltebecken, das am Bornberg wurde 2024 fertiggestellt. Das heißt: Die Warn- und Vorhersagesysteme sind heute deutlich besser als 2021, ein erhebliches Risiko für Überflutungen besteht aber weiterhin.
Was hat Wuppertal konkret davon?
Für Wuppertal ist der Regionalpakt besonders relevant, weil die Stadt sowohl von der Wupper als auch von zahlreichen Nebengewässern geprägt wird. Zu den Risikogewässern gehören hier Morsbach, Eschbach und Mirker Bach, aber auch der Herbringhauser Bach und der Nebenkämper Siefen in Langerfeld-Beyenburg, im weiteren Verlauf die Schwelme, hinzu kommt die Dhünn.
Profitieren könnten insbesondere die Ortsteile Kohlfurth, wo die Wupper in einem engen Tal verläuft, Beyenburg mit dem Beyenburger Stausee sowie Abschnitte in der Talachse, die bei Extremereignissen von steigenden Wasserständen betroffen sind. Dies gilt zum Beispiel in Elberfeld für den Bereich Kluse, Islandufer und Ohligsmühle, für Unterbarmen im Umfeld des Opernhauses, in Barmen zwischen dem Alten Markt und Wupperfeld sowie in Oberbarmen im Umfeld des Bahnhofs.
Die Talachse ist extrem dicht bebaut, weshalb die Wupper an vielen Stellen praktisch keinen Raum hat, sich auszubreiten. Ob sich Maßnahmen daher auch auf die Verkehrsinfrastruktur ausweiten könnten, ist ungewiss. Einer der Schwerpunkte des Wupperverbands ist daher, das Wasser vor der Stadt zurückzuhalten.