Mit „Die Werkstatt der Schmetterlinge“ hat die nicaraguanische Schriftstellerin und Lyrikerin Gioconda Belli ein Buch geschaffen, das nichts von einer Faszination verloren hat. Die im Jahr 2000 im Peter Hammer Verlag erschienene Ausgabe mit den unverwechselbaren Zeichnungen von Wolf Erlbruch begeistert nach wie vor nicht nur die Jüngsten.
Eine besondere Neuauflage 20 Jahre nach der Erstaufführung
In der Alten Feuerwache lag die Parabel einer kombinierten musikalischen Erzählung zugrunde und erlebte eine besondere Neuauflage. Vor zehn Jahren verstarb der Komponist Thomas Beimel, so dass sich das Projekt als Würdigung eines Künstlers, der neben seinem kammermusikalischen Schaffen stets großen Wert auf musikpädagogische Arbeit legte und sich intensiv für die Förderung junger Musiker engagierte, versteht. Vor 20 Jahren wurde das Werk erstmals von Schülern, Lehrkräften und Musikern aus Wuppertal und Bochum aufgeführt.
Beimel übersetzte Bellis Erzählung in eine vielschichtige musikalische Sprache. Seine Komposition für Akkordeonorchester, Solisten und Sprecher gab den Inhalt des Buches gekonnt wieder. Das Akkordeonorchester „cisis“ der Musikschule Bochum und das Akkordeon Orchester Ruhr aus Bochum-Wattenscheid wurde musikalisch ergänzt von Gunda Gottschalk an der Geige und Carl Ludwig Hübsch an der Tuba. Erzähler Olaf Reitz, zugleich verantwortlich für die Textfassung, führt durch die Handlung. Gekonnt schlüpfte er sprachlich in die unterschiedlichen Charaktere, ließ den Wind wehen und die Vulkane spucken. Es wurde die Geschichte der „Gestalter aller Dinge“, die Pflanzen und Tiere schaffen, erzählt.
Der junge Rodolfo träumt davon, ein Wesen zu schaffen, das fliegen kann wie ein Vogel und dabei so schön ist wie eine Blume. Doch es ist verboten, Pflanzen und Tiere zu mischen. Belli entwarf in ihrer poetischen Schöpfungsgeschichte eine Vision von Schönheit, Fantasie und Mut. „Schönes lässt sich nicht erklären, aber man spürt, wenn etwas schön ist“, heißt es. Gottschalk gab dem jungen Rodolfo eine bezaubernde musikalische Stimme, Hübsch verkörperte eindrucksvoll die Stimme der „Weisen Alten“.
Das Akkordeonorchester wurde gekonnt geführt von Ute Völkel und zusammen mit Reitz wurde ein rundes Gesamtwerk daraus. Im Hintergrund erschienen auf großer Leinwand die von Grundschulkindern, unter der Leitung der Künstlerin Andrea Raak, gemalten Bilder passend zum literarischen Geschehen. Mit Anmut und Witz führte Belli durch ihre Geschichte, erzählte von der Kraft des Glaubens an die eigene Stärke und Ideen, an Solidarität und der Kraft der Fantasie. Die Kombination von Lesung, Bildern und einer Musik, die die Szenen nachzeichnete, Stimmungen widerspiegelte und die Figuren so klanglich lebendig werden ließ, war stimmig.
Um Rodolfo von seinen eigensinnigen Ideen abzubringen, wird er von der „Weisen Alten“ in die unbeliebte Insektenwerkstatt versetzt. Doch er lässt nicht von seinen Träumen ab. Zum Glück, sonst wären die wunderschönen Schmetterlinge vielleicht nie in die Welt gekommen. Zusammen mit seinen Freunden überzeugt er die anderen Erschaffer mit seinen anmutigen Wesen und sie erkennen, dass man sich „ nie über die Träume anderer lustig machen soll“. Die Parabel, die ermutigt, an seine Träume zu glauben, bis sie wahr werden, hat auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren, ist zu einem Klassiker geworden. Musiker und Sprecher schufen, zusammen mit den Bildern der Kinder, eine poetische Aufführung für Groß und Klein.