Die Ems bei Meppen mit Hochwasser.

Stand: 14.07.2026 12:26 Uhr

Hochwasser und Jahrhundertfluten werden durch den Klimawandel immer häufiger. In der Region Hannover und im Emsland könnten diese besonders verheerende Auswirkungen haben, so eine Analyse der Deutschen Umwelthilfe.

Hintergrund ist, dass dort besonders viele Menschen in Hochwasserrisikogebieten leben. Niedersachsenweit ist die Region Hannover mit einem sogenannten Hochwasser-Risikograd von 5,55 Spitzenreiter. In ihrer Auswertung stuft die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den Risikograd der Region entsprechend als „hoch“ ein. Im Emsland liegt der Hochwasser-Risikograd bei 5,26. Platz drei belegt der Landkreis Celle.

Was ist der „Hochwasser-Risikograd“?

So wird der Hochwasser-Risikograd in der Analyse der Deutschen Umwelthilfe für jeden Landkreis einzeln berechnet:

Der Hochwasser-Risikograd ist das logarithmierte Ergebnis aus der Fläche eines Hochwasserrisikogebiets in km² mal die Anzahl der aktuell durch Hochwasser gefährdeten Adressen in dieser Fläche.

Dementsprechend ist das Risiko dann besonders hoch, wenn ein Landkreis auf der einen Seite einen hohen Anteil an Hochwasserrisikoflächen hat und gleichzeitig auch viele Adressen in den möglichen Hochwassergebieten liegen, dort also besonders viele Menschen leben. Einen sehr geringen Hochwasser-Risikograd haben Landkreise und Städte mit Werten von 0,0 bis 1,5. Ab einem Wert von 4,5 bis 6,0 gilt der Risikograd als hoch. Deutschlandweit liegt nur der Ortenaukreis in Baden-Württemberg bei einem Wert von 6,0. „Extreme“ Risikograde gelten ab einem Wert von 7,5 und höher.

Hochwasserrisikogebiete sind alle Flächen, in denen bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser signifikante Schäden zu erwarten sind. Sie sind Teil von Hochwassergefahrenflächen.

Hochwassergefahrenflächen sind alle Flächen, welche bei Hochwasser aufgrund ihrer geografischen Lage überflutet werden, z.B. Flussauen.

Keine Extremwerte bei Landkreisen und Städten

Bei den kreisfreien Städten ist Braunschweig besonders gefährdet, gefolgt von Osnabrück mit einem vergleichsweise eher geringen Hochwasser-Risikograd von 1,76. „Extreme“ Risikograde errechnet die DUH für keine der 400 kreisfreien Städte und Landkreise, anders als beim Vergleich der Bundesländer im Vorjahr. Die Analyse von 2025 hatte das Hochwasserrisiko in Niedersachsen als extrem bewertet. Das ergebe sich daraus, dass auf Landes- und Bundesebene die Gefahren durch Hochwasser gebündelt werden. Auf Landkreisebene werde das Risiko aufgeteilt, wodurch sich kleinere Einzelwerte ergeben, so die DUH.

Umwelthilfe: Hochwasserschutz naturnah denken

Das bedeute jedoch nicht, dass die Gefahren durch Hochwasser geringer würden. Stattdessen fordert die DUH, Hochwasserschutz differenzierter und auf kleinerem Raum zu betrachten. Technischer Hochwasserschutz wie Deiche, gesteuerte Polder oder Rückhaltebecken seien besonders in Ballungsräumen entlang dicht besiedelter Flussläufe unverzichtbar, heißt es. Diese Maßnahmen seien aber kostenintensiv und müssten regelmäßig gewartet werden. Der Hochwasserschutz der Zukunft müsse stattdessen ökologisch und naturnah gedacht werden. Zum Beispiel indem man Flüsse und Auen renaturiere, Moore wiedervernässe und Deiche verlagere. So könne eine Schwammlandschaft entstehen, die Wasser bei Starkregen speichere, statt es schnell und ungebremst an die Flüsse abzugeben.

Anwohner betrachten aufgestapelte Autos, die von den Überschwemmungen in Valencia weggeschwemmt wurden. (Archivbild: 30.10.2024)

Klimareport

Europa entwickelt sich zu einem Hotspot des Klimawandels. 2024 verzeichnete der Kontinent das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Erstmals erreichte der Temperaturanstieg 1,5 Grad. Von Sven Kästner.

Bauverbote für Überschwemmungsgebiete gefordert

„Die immer häufiger auftretenden extremen Regenfälle können ruhige Flüsse und Bäche in reißende Ströme verwandeln“, sagt Sascha Müller-Kraenner, Gefschäftsführer der DUH. Das habe man besonders im Ahrtal 2021 sehen können. „Unsere Landschaft gegen die Folgen der Klimakrise zu wappnen, ist eine langfristige Aufgabe und kann nur gemeinsam bewältigt werden.“ Die DUH fordert deshalb eine Überarbeitung des Hochwasserschutzgesetzes, sowie die strenge Durchsetzung des Bauverbots in Überschwemmungsgebieten: „Es dürfen keine neuen Gebäude in die Aue gebaut und damit Menschenleben einem Hochwasserrisiko ausgesetzt werden.“

News aus deiner Region – jetzt auch direkt per WhatsApp

In unseren fünf neuen regionalen WhatsApp-Kanälen versorgen wir dich ab sofort wochentäglich mit den wichtigsten Nachrichten, Themen und Geschichten aus deiner Heimat.

Über diese Links kommst du direkt zu den Kanälen:

Abonniere News aus deiner Region und aktiviere die Glocke, damit du nichts verpasst.

Teile des bayerischen Reichertshofen sind überflutet (Archivbild vom 02.06.2024)

Risiko für Überschwemmungen

Beim Hochwasserschutz muss nachgebessert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Umwelthilfe. Hunderttausende Menschen könnten von Überschwemmungen betroffen sein. Wie sehr, hängt auch vom Bundesland ab.

Die Wiesen am Fluss Aller bei Verden sind überflutet.

Laut einer Studie sind rund drei Prozent der Landesfläche Hochwasser-Risikogebiet. Besonders gefährdet: der Landkreis Celle.