Gefechte vom Irak im Norden bis zum Jemen rund 2500 Kilometer im Süden: Die Waffenruhe im Nahen Osten ist zerbrochen, der Krieg zwischen den USA und dem Iran flammt wieder auf. In der neuen Runde der Auseinandersetzungen will US-Präsident Donald Trump dem iranischen Regime die Kontrolle über die Straße von Hormus entwinden, doch der Plan droht zu scheitern – mit Folgen für die ganze Welt. Schon jetzt wird der Schaden für die Weltwirtschaft jeden Tag größer. Die Ölpreise schossen schon kurz nach Trumps Ankündigung wieder nach oben.
Der US-Präsident hatte den Kongress in Washington offiziell über den Neubeginn des Krieges mit dem Iran informiert, die Seeblockade iranischer Häfen erneuert und angekündigt, seine Streitkräfte würden die Kontrolle über die Straße von Hormus übernehmen und hohe Mautzahlungen von durchfahrenden Schiffen verlangen.
Kann Trump den Krieg ohne Bodentruppen gewinnen?
Für den Iran hat die im Krieg errungene Kontrolle über die Straße von Hormus höchste Priorität. Das Regime betrachtet die Meerenge als einzigen wirksamen Hebel im Umgang mit den USA, auch, weil das iranische Atomprogramm durch den Krieg weit zurückgeworfen wurde und als Druckmittel in Verhandlungen über eine Nachkriegsordnung ausfällt. „Wir werden die Ausländer und ihre Verbündeten zwingen, sich dem Willen der iranischen Nation zu unterwerfen“, erklärte der Sprecher der iranischen Revolutionsgarde, General Hossein Mohebbi.
Militärisch wäre eine amerikanische Besetzung der Straße von Hormus nur mit einem massiven Einsatz von Bodentruppen denkbar. Die Amerikaner müssten die lange iranische Küste an der Meerenge und mehrere Inseln erobern sowie iranische Raketenstellungen im Hinterland ausschalten. Das würde auf einen langen Krieg und hohe Verluste der US-Armee hinauslaufen. Dafür fehlt Trump der innenpolitische Rückhalt in den USA.
Trump will Maut verlangen in Straße von Hormus
Der Iran ist hingegen auf einen neuen Krieg vorbereitet. Die Islamische Republik konnte im März und April einen großen Teil ihrer Raketen und Drohnen vor den amerikanisch-israelischen Luftschlägen schützen und hat inzwischen ihre Arsenale wieder gefüllt. Iranische Hardliner waren nach Beginn der Waffenruhe im April überzeugt, dass Trump nur auf eine Gelegenheit warte, um den Krieg neu zu beginnen. Sie fühlen sich jetzt bestätigt. Ihr Einfluss auf die Führung wächst.
Hinzu kommen Widersprüche in Trumps neuem Plan. Seine Regierung hatte das iranische Vorhaben, von Schiffen in der Straße von Hormus künftig Gebühren zu verlangen, noch vor kurzem als völkerrechtswidrig zurückgewiesen. Jetzt will Trump selbst Gebühren verlangen: Er will sich die Aufsicht über die Wasserstraße mit einer Abgabe von 20 Prozent des Wertes einer Schiffsladung bezahlen lassen. Mit dieser Forderung erkennt Trump indirekt die iranische Argumentation an und verärgert die arabischen Partner im Golf-Kooperationsrat (GCC) aus Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und den VAE.
Trump will „Pickaxe Mountain“ angreifen
Ein Ausweg aus der neuen Konfrontation könnte in einer Einigung zwischen dem Iran und den arabischen Anrainern der Straße von Hormus liegen. Der Iran und Oman hatten bereits während der Feuerpause über eine gemeinsame Verwaltung der Meerenge verhandelt. Ein Problem dabei war die iranische Forderung nach Transitgebühren, die vom GCC abgelehnt wurde. Die Aussicht auf einen neuen und möglicherweise langen Krieg sowie Trumps Anspruch auf eine Mautgebühr von 20 Prozent verändern die Lage. Der Iran werde als Transitgebühr in der Straße von Hormus weniger als 20 Prozent verlangen, kündigte Außenminister Araghchi bereits an.
Trump sei nicht nur eine Bedrohung für den Iran, sondern mittlerweile auch für die Araber, kommentierte Mohammad Ali Shabani, Chefredakteur der Nahost-Nachrichtenseite AmwajMedia. Schließlich müssten die 20 Prozent von den arabischen GCC-Ländern bei Exporten bezahlt werden, schrieb Shabani auf X. Wenn sich der Iran nun mit dem GCC einige und die US-Streitkräfte aus der Region abzögen, „könnten alle nach Hause gehen und in die Zukunft blicken“.
Zugleich sorgte ein Radio-Interview von Trump für Aufmerksamkeit. Darin deutete er an, dass die USA eine tief unter der Erde im Zentrum des Irans gelegene Einrichtung angreifen könnten, die auch als „Pickaxe Mountain“ bekannt ist. Über ihren Zweck wird vor allem wegen der Nähe zur Atomanlage Natans schon länger spekuliert. Eine These lautet, dass der Iran dort eine geheime Anlage zur Anreicherung von Uran errichten wolle, das für den Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte. Pickaxe sei „ein mögliches Ziel“ für einen „großen, fetten“ Angriff, sagte Trump. Wahrscheinlich werde es „relativ bald“ passieren.