Es ist heiß in Düsseldorf – schon seit Tagen liegen die Temperaturen bei 30 Grad, Ende Juni kletterte das Thermometer sogar auf 38,7 Grad Celsius. Darum hat die Stadt Düsseldorf ein neues Angebot geschaffen: In einem Wohnungslosenheim und in mehreren Kirchen sind erstmals Hitzeschutzräume zum Abkühlen geöffnet.
In der Obdachlosenunterkunft an der Dorotheenstraße 85-87 in Flingern steht derzeit täglich ein kühler Raum offen. Dieses Angebot richtet sich ausschließlich an wohnungslose Menschen, die auf der Straße kaum Schutz vor Sonne und Hitze finden. Sowohl tagsüber als auch nachts können Betroffene sich dort aufhalten und abkühlen.
Zudem bleiben vier Kirchen geöffnet und stehen als Rückzugsorte für alle Menschen zur Verfügung: St. Lambertus am Stiftsplatz, St. Maximilian an der Schulstraße und St. Andreas – allesamt in der Altstadt – sowie die Kreuzkirche an der Collenbachstraße in Pempelfort.
Hinter diesem Angebot steckt der runde Tisch „Hitzeaktionsplan“, der neu eingerichtet wurde und während der Sommermonate wöchentlich tagt. Er betrachte und bewerte die Auswirkungen von Hitze und leite auch kurzfristig nötige Schutzmaßnahmen ein, heißt es von der Stadt.
Dass Kälte für Menschen auf der Straße lebensgefährlich sein kann, ist bekannt. Doch auch extreme und andauernde Hitze kann für Obdachlose zur Gefahr werden. „Wohnungslose Menschen haben bei großer Hitze weniger Möglichkeiten, sich abzukühlen“, sagt Gregor Kozlowski, Streetworker beim Caritasverband Düsseldorf. Zudem seien viele durch körperliche Erkrankungen ohnehin schon geschwächt. Besonders gefährdet sind auch Obdachlose mit psychischen Erkrankungen, etwa Depressionen. Ihnen fehle es an Motivation, auf ihre Gesundheit zu achten, sie gehen nicht in den Schatten und trinken nicht genug Wasser.
Die Streetworker in Düsseldorf verteilen im Sommer darum vor allem Wasserflaschen und andere Hilfsmittel gegen die Hitze, zum Beispiel Sonnenmilch, Kappen und Feuchttücher. „Außerdem erinnern wir die Menschen auf der Straße daran, sich vor der Hitze zu schützen“, so Kozlowski.
Das Gesundheitsamt hat die Streetworker zudem mit Infrarotthermometern ausgestattet. Sie sollen dabei helfen, Hitzebelastungen besser einzuschätzen und die Betroffenen auf die Risiken hinzuweisen. Sie weisen dabei auch auf die Hitzeschutzräume in der Stadt hin. Zeit für die klassische Begleitung und Beratung der Obdachlosen bleibe dadurch weniger, sagt Kozlowski.
Die Hitze könne zudem zu mehr Problemen auf der Straße führen, so der Streetworker. Viele der Wohnungslosen reagierten – wie alle anderen Menschen auch – durch die andauernde Hitze allmählich aggressiver, weil der Körper unter extremen physischen Stress steht. Und eine beruhigende Abkühlung ist für viele in weiter Ferne.
Die Stadt appelliert an die Düsseldorferinnen und Düsseldorfer, während der heißen Tage besonders auf ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen und auf Wohnungslose zu achten. Wenn jemand akut Hilfe braucht, sollte man die Person ansprechen und im Notfall den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 alarmieren.
„Handeln Sie so, wie Sie es bei allen anderen Menschen auch tun würden“, sagt Streetworker Kozlowski zum Umgang mit Obdachlosen. Ansprechen und Zuhören sei dafür der erste Schritt. „Unterstützung bei der Grundversorgung – also mit Wasser und fester Nahrung – ist ebenfalls sehr wertvoll.“
Wenn es darum geht, obdachlose Menschen an einen kühlen Ort zu begleiten, sollte man ausgebildete Profis – zum Beispiel die Streetworker – hinzuziehen. Dazu kann man sich an eine soziale Einrichtung in der Nähe wenden oder die Streetwork-Notfallhilfe anrufen, Telefon: 0159 04191819.