Krieg in der Ukraine

Das will nicht einmal China hinnehmen

Aktualisiert am 15.07.2026 – 03:49 UhrLesedauer: 4 Min.

Brennende Raffinerie in Omsk: Die Anlage in Sibirien liegt mehr als 2.400 Kilometer Luftlinie von ukrainischem Territorium entfernt und galt bis vorige Woche noch als sicher.Vergrößern des Bildes

Brennende Raffinerie in Omsk: Die Anlage in Sibirien liegt mehr als 2.400 Kilometer Luftlinie von ukrainischem Territorium entfernt und galt bis vorige Woche noch als sicher. (Quelle: Screenshot/Bleusky@maks23)

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Die Ukraine hat den Schwerpunkt ihrer Angriffe von der Front ins russische Hinterland verlagert. Bislang findet der Kreml kein Mittel gegen Kiews Drohnen.

Allmählich scheint die Ukraine im Krieg gegen Russland die Oberhand zu gewinnen. Größere Erfolge an der Front konnte Kiew seit der Befreiung von Cherson im Herbst 2022 zwar nicht mehr vermelden, doch inzwischen beeinträchtigen die ukrainischen Drohnenschläge gegen Russlands Ölindustrie und Kriegslogistik offenbar auch die Fähigkeiten der russischen Truppen an der Front.

Seit Anfang 2024 greift die Ukraine immer wieder russische Raffinerien und Öldepots an, doch erst in diesem Jahr hat die Kampagne deutlich an Intensität gewonnen. Mit ihrem wachsenden Arsenal an Langstreckendrohnen haben Kiews Truppen inzwischen sämtliche großen Raffinerien in Russland getroffen, selbst die Anlage im mehr als 2.400 Kilometer entfernten Omsk, die bislang verschont geblieben war. Nun mehren sich die Hinweise, dass auch Putins Truppen in der Ukraine zunehmend der Treibstoff ausgeht.

Treibstoffkrise erfasst auch Russlands Truppen an der Front

Denn mit ihren Drohnenangriffen zielen die Ukrainer nicht nur auf die Produktionsanlagen, sondern auch auf die Treibstofflogistik der russischen Armee. So gelten die Fernstraßen im besetzten Süden der Ukraine schon seit Wochen als Todeszone für russische Militär- und Tanklaster.

Jetzt nehmen Kiews Truppen auch Transportschiffe im Asowschen Meer ins Visier. Diese sollten Treibstoff und andere Güter auf die besetzte Halbinsel Krim schaffen. Aber die Ukraine beschädigte bislang mindestens 116 der Binnenschiffe und verschärft damit die Lage der russischen Frontsoldaten.

Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj (rechts) erklärt Präsident Selenskyj die Gefechtslage.Vergrößern des BildesOleksandr Syrsky (r.) bei einer Besprechung mit Präsident Selenskyj: Dem ukrainischen Armeechef zufolge attackiert Russland zurzeit an weniger Frontabschnitten. (Quelle: Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa)

So berichtete der ukrainische Armeechef Oleksandr Syrsky kürzlich, dass die russischen Truppen zurzeit „nur noch an höchstens sechs oder sieben Frontabschnitten“ Offensiven ausführten – statt zuvor 13 Frontabschnitten.

Auch das in Washington ansässige Institute for the Study of War (ISW) berichtet von Problemen der russischen Truppen: So sei infolge der ukrainischen Angriffe auf die Nachschubrouten die Versorgung der Russen mit Diesel und Drohnen an mehreren Frontabschnitten gestört, heißt es. Gefährlich bleibt die Lage für die ukrainischen Verteidiger aber in der Frontstadt Kostjantyniwka, die zum sogenannten Festungsgürtel im Donbass gehört.

Ukrainischer Armeechef warnt vor zu viel Zuversicht

Ob, wann und wie die ukrainischen Truppen die Lage für sich ausnutzen können, ist aber fraglich. Erhöhte Ausfallerscheinungen der russischen Besatzungstruppen gibt es bislang nicht. Größere mechanisierte Angriffe wie noch im Herbst 2022 gelten inzwischen ohnehin als wenig ratsam: Russische Überwachungsdrohnen würden jede ukrainische Truppenkonzentration schnell erkennen. Und auf offenem Feld haben Panzerfahrzeuge nur geringe Überlebenschancen gegen die allgegenwärtigen Kamikazedrohnen, mit denen sich beide Seiten bekämpfen.