Was bewegt die Start-ups in Wuppertal? Auf Einladung der Wirtschaftsförderung Wuppertal haben sich 16 Start-ups mit Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff zum Frühstück getroffen, um mit dem Stadtoberhaupt Eindrücke und individuelle Wünsche zu besprechen und eventuell Lösungen für Probleme aufzuzeigen. Die Oberbürgermeisterin zeigte sich im Gespräch mit den Jungunternehmern nahbar und als Freundin kurzfristiger, pragmatischer Lösungsvorschläge – also eher unpolitisch – was bei den Start-ups gut ankam.
Ort des Geschehens waren die Räume der Talention GmbH an der Ohligsmühle. Die Locationwahl kam nicht von ungefähr, denn Talention hat selber den Weg von der Gründung im W-Tec hin zu einem führenden Software-Anbieter für Personalmarketing mit inzwischen 50 Mitarbeitenden gemeistert. „Talention ist ein wunderbares Beispiel dafür, was am Standort Wuppertal möglich ist. Die Gründerszene in Wuppertal ist nicht so laut und schrill wie in anderen Städten. Sie ist vielleicht leiser, aber dafür zeichnet sie sich durch eine hohe Qualität aus“, sagte Eva Platz, Vorständin der Wirtschaftsförderung, die die Gelegenheit nutzte, die Start-ups zu ermutigen, mit Problemen den Weg zur Wirtschaftsförderung zu suchen – mit Unterstützung der OB: „Wenn Sie ihre Schwierigkeiten der Wirtschaftsförderung mitteilen, dann wird nach Lösungen gesucht. Und dann landen die Themen auch schnell auf meinem Schreibtisch“, sagte Miriam Scherff, die von ihrem Gefühl berichtet, dass viele Jungunternehmer das breit gefächerte Hilfsangebot in Wuppertal nicht bekannt sei und sie deswegen versuchen, vieles alleine zu regeln. „Wir müssen noch einmal überlegen, wie wir die Angebote besser nach außen tragen.“
Wenig Unterstützung für soziale Start-ups
Jana Kortwig ist Gründerin von Soulspace, dem ersten Jugendzentrum für mentale Gesundheit im Wiesenwerk in Elberfeld. 50 000 Euro vom Bürgerbudget gab es dafür. Jeder vierte Jugendliche kämpft mit Ängsten und Depressionen, sie warten meist länger als ein halbes Jahr auf eine Therapie – was die Probleme oft verschlimmert. Dennoch fühlt sie sich zu wenig gesehen: „Ich habe das Gefühl, dass Start-ups aus dem sozialen Bereich immer unter dem Radar laufen und würde mir mehr Förderung und Unterstützung wünschen“, berichtet sie. Auch Eva Platz hat schon gemerkt, dass solche Start-ups häufig als Investition ins gute Image gesehen werden. „Das ist aber falsch. Eigentlich liefern sie eine doppelte Rendite“, so die Vorständin.
Kritik gab es in Richtung Verwaltung an den Vergabeverfahren. Gleich mehrere Jungunternehmer berichten, dass sich Start-ups aus der Region bei den Vorgaben kaum durchsetzen könnten, obwohl sie häufig die deutlich besseren Angebote machen würden. Die Bürokratie lasse aber keine Chance, diese verständlich zu platzieren. Miriam Scherff will nun einen Workshop planen mit Start-ups, der Industrie- und Handelskammer und den Nachbarstädten Solingen und Remscheid, um zu klären, welche Möglichkeiten es gibt, die Verfahren so zu gestalten, dass sich mehr Start-ups und Unternehmen aus der Region bewerben.
Ebenfalls bemängelt wurde die Zusammensetzung zahlreicher Start-up-Treffen. Bei Talention waren zwar diverse Unterstützer von der Bergischen IHK, dem W-Tec, aus dem Circular Valley, vom Start-up-Center der Bergischen Uni, der Investoren-GmbH Mello und der Sparkasse Wuppertal, die häufig vertreten sind. Was den Jungunternehmern aber fehlt, sei der intensive Austausch mit dem Mittelstand, für die die Start-ups Lösungen haben.
Dieses Matching sei entscheidend, betonte Torben Luckow vom Unternehmen für bessere Arbeit. Das Start-up will helfen, dass gut ausgebildete Fachkräfte und Unternehmen einfacher zueinanderfinden und hat dazu eine KI-Lösung entwickelt. „Jedes Start-up löst ein Problem und kann damit Geld sparen. Wenn sie wüssten, welche Probleme die Unternehmen haben, können entsprechende Lösungen entwickelt werden“, sagt Luckow. Scherff will sich nun mit der Wirtschaftsförderung Gedanken über eine Start-up-Veranstaltung machen, die sowohl das Unterstützernetzwerk, die Start-ups aber auch etablierte Unternehmen anspricht. Einig waren sich die Start-ups darin, dass wenn Unternehmen zu solchen Veranstaltungen kommen, sie auch Entscheider schicken sollten.