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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Wenn nach einer Katastrophe Arztpraxen und Krankenhäuser nicht mehr erreichbar sind, könnte eine handelsübliche Toilettenkabine als telemedizinische Behandlungsstation aushelfen. Mit diesem ungewöhnlichen Konzept wollte ein Forschungskonsortium unter Beteiligung der Uniklinik RWTH Aachen die medizinische Versorgung im Katastrophenfall verbessern. Die mobile Einheit soll laut Uniklinik dort zum Einsatz kommen, wo „Arztpraxen, Krankenhäuser oder Verkehrswege vorübergehend nicht erreichbar oder überlastet sind“ oder die Infrastruktur ausgefallen ist. Nach ersten Erprobungen, unter anderem auf dem Musikfestival Parookaville, wurde der Prototyp weiterentwickelt. Im Juli wurde das Forschungsprojekt mit einer öffentlichen Abschlussdemonstration auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks in Aachen offiziell beendet.

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Andreas Follmann

Dr. Andreas Follmann ist Katastrophenmediziner und Leiter des Projekts „KABINE“.

(Bild: RWTH Uniklinik Aachen)

Im Gespräch erklärt Dr. Andreas Follmann von der Uniklinik RWTH Aachen, Mitglied des Projektkonsortiums, welche Erkenntnisse die Praxistests gebracht haben und warum die Kabine inzwischen rot statt grau ist.

Die Kabine sieht nicht mehr aus wie ein Dixi-Klo, sondern ist jetzt rot. Warum?

Andreas Follmann: Rot ist tatsächlich eine Signalfarbe, wenn es darum geht, gut aufzufallen. Gerade im Katastrophenfall ist das wichtig, weil dort häufig mehrere dieser Toiletten- oder Duschkabinen stehen. Das Ziel ist, dass man diejenige Kabine, die man für medizinische Zwecke aufsuchen muss, direkt findet. Außerdem gibt es Studien, die belegen, dass bei Rot und Orange am wenigsten Vandalismus zu befürchten ist. Das ist ein zusätzlicher psychologischer Effekt.

Hat sich außer der Farbe technisch etwas verändert?

Technisch hat sich kaum was geändert. Wir haben die alte Kabine in mehreren Studien getestet – unter anderem in einer Simulationsstudie, die man sich wie ein Krimi-Dinner vorstellen kann – und beim Musikfestival Parookaville. Das war für uns natürlich extrem spannend, weil es sich um echte Patienten mit echten Problemen handelte. Dort haben wir gemerkt, dass die von uns zuvor ausgewählte Technik dafür sehr gut geeignet war.

Am Anfang dachten wir, das sogenannte Dermatoskop würden wir am wenigsten brauchen. Tatsächlich gab es bei Parookaville aber extrem viele Hautveränderungen. Es war heiß und schwül, entsprechend gab es viele Insektenstiche und Allergien. Viele hatten Probleme mit Grasmilben, bei denen man sich die Hautveränderungen sehr genau ansehen musste, um dann gezielt zum Beispiel eine Salbe zu verschreiben.

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Zur Ausstattung gehören neben einem EKG und einer Untersuchungskamera, die mit verschiedenen Aufsätzen etwa als Otoskop fürs Ohr oder als Dermatoskop für die Haut genutzt werden kann, auch weiterhin laientaugliche, über Bluetooth angebundene Medizingeräte.

Gab es trotzdem Anpassungen?

Ja, an der Usability hat sich einiges verändert. Das EKG war vorher eine kleine, scheckkartengroße Box, auf die man zwei Finger legen musste. Mittlerweile gibt es Haltegriffe, an denen man sich einfach festhalten kann.

Außerdem ist der Toilettensitz jetzt Gott sei Dank nicht mehr drin. Wir hatten vorher den Tank genutzt, um Technik reinzubauen. Mittlerweile ist alles etwas kleiner geworden, und es gibt einen richtigen Stuhl darin, den man auch herausstellen kann – so haben auch Menschen mit einem kleinen Rollstuhl die Möglichkeit, sich dort reinzusetzen.

Wir haben zudem Erwachsene mit Kindern hineingesetzt, um zu prüfen, ob die Kameraposition auch für Kinder passt und ob die Begleitperson zumindest teilweise mit hineinkommt. Deshalb haben wir auch einen Stuhl genommen, der höhenverstellbar ist.

Welche Grenzen sind bei der Evaluierung deutlich geworden?

Generell ist der Betrieb noch nicht ganz klar. Wer bevorratet das System? Ist das die Hilfsorganisation oder ein Land oder eine Kommune? Zwischendurch muss vielleicht auch mal gereinigt oder desinfiziert werden. Deshalb ist unsere klare Empfehlung, die Kabinen an sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürmen aufzustellen. Das sind vorab festgelegte Standorte, meist bei der Freiwilligen Feuerwehr oder der Verwaltung, an denen Internet und Strom auch über Notstromaggregate zur Verfügung stehen sollen. Zwar ist die Kabine dank der Solarpaneele und der Satellitenkommunikation für eine gewisse Zeit autark. Trotzdem wünschen wir uns natürlich, dass auch Personal bereitsteht, um Betreuung zur Verfügung zu stellen und vielleicht auch mal Verbrauchsmaterial nachzufüllen.

Ein weiterer Punkt ist die Logistik. Die Toilettenkabinen lassen sich laut Hersteller innerhalb von 30 Minuten aufbauen. Deshalb ist die Frage, ob künftig vielleicht nur noch die Technik eingelagert werden muss, weil die Kabinen ohnehin schnell lieferbar wären. Baut man die Technik zum Beispiel in eine Box, braucht man natürlich viel weniger Lagerkapazität und Wartungsaufwand. Das wäre dann ein modulares Konzept: Die Kabinen kommen separat, und die Box wird einfach an die Wand gehängt.

Die neue Kabine sieht nach der Überarbeitung recht massiv aus. Kann sie noch einfach transportiert werden?

Ja. Es ist eine ganz normale Toilettenkabine aus Kunststoff, die von uns lediglich innen ausgestattet wurde. Nur der Tank wurde entfernt, und es ist ein gerader Boden eingebaut. Die kann man mit zwei Personen problemlos versetzen. Zusätzlich hat sie oben auch eine Kranhalterung. Wir haben sie inzwischen auch schon an einen Kran gehängt, zum Beispiel vom THW. Damit kann man sie sehr schnell positionieren.

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Es gibt bereits viele fertige Logistikkonzepte für diese Toilettenkabinen. Toilettenkabinen werden oft auch mit Spülflüssigkeit angeliefert und haben dann ein ähnliches Gewicht. Sie können zum Beispiel über einen Tieflader mit Kran angeliefert und leicht versetzt werden.

Haben Sie versucht, die Kabine günstig zu entwickeln?

Ja. Unser Ziel war immer, sie so günstig wie möglich zu machen. Wir wollten, dass sie unter 5000 Euro kostet.

Die enthaltenen Geräte sollen möglichst einfach funktionieren. Außerdem sollen Teile, auch wenn die Kabine Schaden nimmt, wiederverwendet werden können. Es kann auch sein, dass die gesamte Kabine, ohne Inhalt, entsorgt werden oder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden muss. Denkbar wäre auch, dass sich das System ganz ohne die Kabine nutzen lässt – also nur die Technik allein.

Das Konzept ließe sich doch auch außerhalb des Katastrophenschutzes einsetzen?

Ja, deshalb glaube ich auch an diesen modularen Ansatz mit einer Box. Die kann ich natürlich genauso in eine Apotheke hängen. Es kann ja auch mal sein, dass zum Beispiel in einem Gemeindehaus noch ein Raum zur Verfügung steht. Dann brauche ich vielleicht die Kabine gar nicht. Dann würde ich diese Box einfach in einen Raum hängen.

Die Toilettenkabine ist für uns insofern praktisch, da sie kostengünstig ist und weit unter 1000 Euro kostet. Sie kann sogar per Boot transportiert werden, weil sie schwimmfähig ist, oder alternativ auf einem Tieflader. Mit diesem Kranhaken kann man sie theoretisch sogar an einen Helikopter hängen, um sie in ein Dorf zu fliegen, das etwa durch einen Brückeneinsturz von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Wie geht es nach dem Forschungsprojekt weiter?

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist als assoziierter Partner beteiligt, ebenso das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin. Das Forschungsprojekt wurde inzwischen erfolgreich abgeschlossen und live demonstriert.

Das DRK ist tatsächlich sehr daran interessiert, mit uns weiterzudenken, welche Ebene für die Bevorratung zuständig sein sollte. Sollte jedes Bundesland zehn Kabinen haben oder jede Kommune, jeder Katastrophenschutz-Leuchtturm eine? Das betrifft auch das Thema Wartung. Die Medizingeräte sind mit Sicherheit in fünf Jahren überholt und müssen erneuert werden.

Es bringt nichts, wenn das Ergebnis, wie so oft bei Forschungsprojekten, am Ende nur in irgendeiner Schublade landet. Man muss im Endeffekt genau diesen Zwischenschritt schaffen: Dass jemand sagt, wir brauchen jetzt 20 Stück davon, und ein Unternehmen bereit ist, sie zu verkaufen.

Gibt es bereits weitere Einsatzideen?

Eine große Überlegung ist, ob man das System nicht auch für Routinezwecke einbinden kann. Wir denken da zum Beispiel an Sanitätswachdienste auf Großveranstaltungen oder daran, im Rahmen der Flüchtlingsversorgung medizinische Hilfe auch im fremdsprachigen Bereich zu gewährleisten. Bis hin zu der Überlegung, ob man eine solche Kabine dort aufstellen könnte, wenn in einem Dorf plötzlich kein Hausarzt mehr verfügbar ist – um zumindest stundenweise an manchen Tagen eine hausärztliche Grundversorgung durch einen anderen Arzt zu gewährleisten.

Welche Software kommt zum Einsatz?

Als Basis für die Software nutzen wir „TeleDoc“, eine zertifizierte Videosprechstunde der Docs in Clouds TeleCare GmbH. Die medizinischen Geräte sind alle in die Software integriert und übertragen ihre Daten per Bluetooth. Im Use Case Parookaville und bei den Simulationsstudien war das sehr stabil. Es ist alles kabelgebunden oder per Bluetooth angeschlossen.

Das Ganze funktioniert als Webplattform. Ich kann es quasi überall auf der Welt nutzen und der Arzt kann sich dank Satellitenkommunikation aus der Ferne zuschalten. Zusätzlich habe ich die Möglichkeit, extern auch LAN anzuschließen – steht die Kabine beispielsweise an einem Katastrophenschutz-Leuchtturm, kann ich gegebenenfalls das lokale Internet nutzen.

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(mack)

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