Das Asphalt-Festival sei ein Stadtfestival, eines, das die Kunst zu den Menschen und die Menschen zur Kunst bringen und beides miteinander verbinden soll. Diese Feststellung ist Bojan Vuletić und Christof Seeger-Zurmühlen, den künstlerischen Leitern des Festivals, sehr wichtig. Sie betonen es an diesem Vormittag mehr als einmal, vielleicht auch, weil man sich zur Vorstellung des Festival-Programms an einem neuen Ort zusammengefunden hat. Und weil dieser Ort so perfekt wirkt. Hohe Decken, freiliegende Backsteinwände, Fabrik-Flair: Die Halle 12 auf dem Gelände der Alten Farbwerke in Düsseldorf-Flingern strahlt diese besondere urbane Coolness aus, die man mit einem Kunstfestival verbinden möchte.
Es handele sich bei der Halle 12 um eine Art „Schaltzentrale“ des Festivals, erklären Vuletić und Seeger-Zurmühlen, auch würden hier natürlich Veranstaltungen stattfinden. Aber es sei nicht das „Zentrum“ des Festivals. Auch dieses Jahr ist es Konzept und Überzeugung des zum 14. Mal stattfindenden Kunstfestivals, an den verschiedenen Spielstätten in der Stadt Orte der Begegnung zu schaffen, an denen Menschen zusammenkommen, Kunst erleben, reden, tanzen, feiern. Die schlechte Nachricht dabei: Es gibt so viel an so vielen Orten zu erleben, dass man zwangsläufig etwas verpasst. Die gute: Es gibt so viel an so vielen Orten zu erleben, dass das nicht schlimm ist. Es gibt ja genug Kunst für alle. Eine kleine Auswahl zum Lustmachen, nach Spielorten sortiert.
Als „Skandal“ bezeichnet Bojan Vuletić die Tatsache, dass der Düsseldorfer Künstler Laurenz Berges noch nie eine Einzelausstellung in seiner Heimatstadt gegeben hat. Insofern löst das Asphalt Festival hier stellvertretend für die Stadt ein, was einem der letzten Meisterschüler von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie schon längst hätte zuteilwerden sollen. Die Werke der Ausstellung „Verschwinden“ dokumentieren verlassene Orte, die sich durch die deutliche Abwesenheit von Menschen gleichsam aufzulösen scheinen. Der Künstler verzichtet dabei auf jede Inszenierung und künstliches Licht. Die Vernissage ist bereits am 10. Juli, gewissermaßen als Prolog des Asphalt-Festivals. Danach wird die Ausstellung bis zum Ende des Festivals an allen Tagen außer montags zu sehen sein.
Für alle, die noch nie dort waren: Anders als der Name vermuten lässt, handele es sich beim KIT (kurz für „Kunst im Tunnel“) um einen Raum, der gerade für intime Konzerterlebnisse geeignet sei, sagt Bojan Vuletić. Eines der spannendsten Beispiele dafür bietet sicher das Konzert von Pulse & Tilo Weber am 31. Juli, bei dem der Schlagzeuger und Komponist Weber das unkonventionelle Zusammenspiel mit einem Streichquartett gewählt hat.
Mannesmannufer 1b, 40213 Düsseldorf
Schauspielhaus (D’haus)
Florentina Holzinger. Ihre Stücke sind exzessive Bühnenspektakel, sie selbst ist ein Superstar und ihre Performance, die am 15. und 16. Juli auf der Bühne im Großen Haus des Schauspielhauses stattfinden wird, schon jetzt ein Hit. Die Inszenierung der Wiener Choreografin, die derzeit mit ihrer spektakulären Kunst die Biennale in Venedig in Ekstase versetzt, heißt „A Year without Summer“ und thematisiert vor dem Hintergrund einer im Jahr 1918 stattgefundenen Naturkatastrophe in Indonesien die Vergänglichkeit des Lebens, die Sehnsucht nach dem ewigen Leben und die Bedrohung der menschlichen Existenz durch KI und Robotik. Dass die Altersempfehlung „18+“ lautet, wird die Aufmerksamkeit für das Event nur steigern. An Karten für die Düsseldorfer Inszenierung kommt man allerdings nur noch mit Glück: Offiziell sind beide Vorstellungen bereits ausverkauft.
Zum Glück ist Holzingers Stück nicht das Einzige, das es im D’haus im Rahmen des Festivals zu sehen gibt: In „Three Times Left is Right“ geht das Studio Julian Hetzel aus Utrecht am 17. und 18. Juli im Kleinen Haus der Frage nach, wie eine Familie funktionieren kann, wenn die Ehepartner politisch völlig gegensätzliche Ansichten haben.
Das Stück „Tanzende Idioten“ von Kultregisseur Thorsten Lensing feierte im Januar seine Uraufführung in Berlin und ist am 18. und 19. Juli in Düsseldorf sehen.
Gustaf-Gründgens-Platz 1, 40211 Düsseldorf
Seebühne am Schwanenspiegel
Auf der Asphalt-Homepage wird die französische Band OZMA ganz schlicht mit „Modern Jazz“ angekündigt, doch wer einmal gehört hat, was die fünf Musiker da auf der Bühne fabrizieren, der weiß, dass das deutlich untertrieben ist. Als eine „Mischung aus John Coltrane, Rage Against the Machine und Daft Punk“, beschreibt Bojan Vuletić die Musik, und tatsächlich kommt das der Sache ziemlich nah.
Der Auftritt von OZMA ist nur eines von vielen Konzerten, die diesen Sommer auf der Seebühne stattfinden. Unter anderem gibt es außerdem Jazz-Soul des Londoner Musikers Reuben James (23. Juli) und betörenden Indie-Soul-Folk von Hausmane (20.Juli) zu erleben.
Am 22. Juli wiederum könnte das Publikum den Beginn einer beeindruckenden Karriere miterleben: Charlotte Colace wurde in Frankreich geboren, wuchs in Kuba auf und lebt jetzt in Berlin. Sie sieht ein bisschen aus wie Alicia Keys, und ihre Stimme erinnert an Amy Winehouse. Aus dieser Mischung macht die junge Künstlerin eine individuelle, kraftvolle, sinnliche Musik, die man so schnell nicht mehr vergisst.
Wasserstraße, 40213 Düsseldorf
Das Tanzstück „Simple“ der argentinischen Choreografin Ayelen Parolin ist eine der Veranstaltungen, die am neuen Asphalt-Spielort in der Halle 12 der Alten Farbwerke zu sehen sein werden. Der Name ist insofern Programm, als dass die Performance ohne ein Element auskommt, das man eigentlich als unabdingbar für das Genre halten würde: die Musik. „Simple“ soll eine Hommage an „Summerspace“ von Merce Cunningham sein, das Tanzstück, das 1958 radikal mit traditionellen Vorstellungen von Choreografie brach. Das klingt kompliziert, ist aber, so verspricht Co-Festivalleiter Christof Seeger-Zurmühlen, vor allem urkomisch. Aufführungen sind am 1. und 2. August.
Ronsdorfer Straße 74, 40233 Düsseldorf
Und dann bewegt sich das Festival auch noch: Das Theaterkollektiv Pièrre.Vers verwandelt den Roman „Tage aus Glas“ der Autorin und Rheinische-Post-Redakteurin Dorothee Krings in einen performativen Spaziergang über das Gelände der ehemaligen Glashütte in Gerresheim, dem Ort, an dem die Romanvorlage spielt, und verknüpft die Thematik mit aktuellen Fragen von Klassen- und Besitzverhältnissen (20. bis 22. Juli und 24. bis 28. Juli).
Für alle, die lieber gefahren werden als zu Fuß zu gehen: Für das Performancestück „Taxi Drivers“ bewegt sich ein Taxifahrer mit so viel Publikum, wie legalerweise ins Auto passt, durch Düsseldorf und zu Orten, die man normalerweise eher nicht besucht. Entstehen soll dabei eine Auseinandersetzung mit den (Angst-)Räumen der Stadt und der steigenden sozialen Ungleichheit. (23. Juli, 26. Juli bis 2. August).