In der DU-Art-Galerie von Gerhard Losemann und seiner Ehefrau Rita Ehrig wird ein wichtiges Kapitel der lokalen Kunstgeschichte nacherzählt. Das geschieht nicht mit Worten, sondern mit Ausstellungen, bei denen man viel über die Kunstszene der Region lernen kann. Darüber hinaus kommt man immer wieder ins Staunen über die hohe Qualität der Arbeiten, die in Duisburg und Umgebung entstanden sind. Ein schöner Anlass für die aktuelle Schau in der DU-Art-Galerie ist der bevorstehende 70. Geburtstag der Duisburger Sezession im kommenden Jahr.

Die Ausstellung mit dem Titel „Linie – Raum“ ist ein tolles Präludium zur großen Jubiläumsausstellung, die für 2027 in der cubus-Kunsthalle geplant ist. In der DU-Art-Galerie werden jetzt Werke von Kaete Augusti-Steinkamp (1895 bis 1970) zusammen mit den Arbeiten von Magdalena Bitniok, Iwona Rozbiewska und Agnieszka Zofia Smuda gezeigt.

Kaete Augusti-Steinkamp ist Gründungsmitglied der Duisburger Sezession, die drei anderen Künstlerinnen gehören erst seit jüngerer Zeit dieser Duisburger Künstlervereinigung an, die aus einem Streit hervorging, der heute allerdings vergessen ist. 1957 wollten sich die Künstlerinnen und Künstler, die nicht mehr gegenständlich arbeiten wollten, von den „figurativen“ Mitgliedern des Duisburger Künstlerbundes absetzen. Diese „nonfigurativen“ Künstlerinnen und Künstler schlossen sich zum „Neuen Duisburger Künstlerbund“ zusammen, der sich kurze Zeit später – ziemlich kämpferisch – in „Duisburger Sezession“ umbenannte.

Kaete Augusti-Steinkamp darf man sich dabei als Vorkämpferin vorstellen. Sie stammt aus der angesehenen Familie Steinkamp, die 1851 den gleichnamigen Kinderbuch-Verlag gegründet hatte. Kaete absolvierte Studien in Düsseldorf, Berlin und München. Anschließend arbeitete sie ausschließlich als freie Künstlerin. Den für die damalige Zeit unüblichen Doppelnamen kann man als Zeichen ihres Selbstbewusstseins deuten. Wer jetzt ihre abstrakten Bilder in der DU-Art-Galerie sieht, wird zweifellos eine künstlerische Verwandtschaft mit den Werken von Wilhelm Wiacker (1914 bis 1977) erkennen, der ebenfalls ein Gründungsmitglied der Sezession war und einen kaum zu überschätzenden Einfluss in der Duisburger Kunstszene in den 60er und 70er Jahren hatte. Wie jetzt beim Pressegespräch zu erfahren war, war Wiacker ein Schwiegersohn von Kaete Augsti-Steinkamp. In dem Fall macht Tratsch durchaus Sinn.

Magdalena Bitniok, Iwona Rozbiewska und Agnieszka Zofia Smuda kann man als Urenkelinnen von Kaete Augusti-Steinkamp vorstellen, die zeigen, wie vielfältig das Spektrum der nonfigurativen Kunst sein kann. Magdalena Bitniok arbeitet zu einem mit dem Medium der Fotografie, die aber nicht zum Abbilden der Wirklichkeit, so wie sie uns normalerweise erscheint, genutzt wird, vielmehr gestaltet sie mit der Kamera Strukturen im Grenzbereich von Natur und Technik, die das Auge erfreuen. Zarter als ein Windspiel muten zwei unterschwellig ironische Arbeiten an, bei denen Haarbüschel auf schneeweißem Untergrund mit einem Nagel so locker verzwirbelt sind, dass ein Luftzug gefährlich werden kann.

Iwona Rozbiewska beschreibt ihren Arbeitsansatz selber sehr treffend: „Ich gestalte, baue, schneide, schraube und klebe.“ Sie nutzt dabei verschiedene Materialien. Ihr Werk ist sehr vielseitig. Ein besonderer Hingucker ist in der DU-Art-Galerie eine Skulptur aus Seilen und Kabeln, die bewusst mitten in den Raum gestellt wurde, so dass man um sie herumgehen kann.

Agnieszka Zofia Smuda ist eine Meisterin der eleganten Strichführung. In ihren schwarzweißen oder blauweißen Tuschezeichnungen gelingt ihr das Kunststück, Ruhe und Dynamik zugleich zu vermitteln. Ihre Werke sind wunderschön.