Deutlich mehr Mikroplastik bei Menschen mit Herzinfarkt

Die Analyse der Blutproben zeigt, dass deutlich mehr Menschen mit einem schweren Herzinfarkt Mikroplastikpartikel im Blut haben (84 %), als Menschen mit einer chronischen koronaren Herzkrankheit (40 %) und gesunde Menschen (31,8 %). Bei Menschen mit einem schweren Herzinfarkt war zudem die Mikroplastikkonzentration signifikant höher als bei den anderen Gruppen.

„Auch die Konzentration des Nano- und Mikroplastiks war bei den Herzinfarktpatienten signifikant höher“, erklären die Forscher.

Die Wissenschaftler haben zudem unterschiedliche Entzündungsmarker im Blut der Herzkranzgefäße (Koronararterien) bestimmt und entdeckt, dass im Blut der Herzinfarktpatienten deutlich mehr Entzündungsbotenstoffe wie Interleukin-6 vorkommen. Laut den Forschern um Paolisso ist es somit wahrscheinlich, dass Mikroplastik die Blutgefäße schädigt und das Risiko für Herzkrankheiten erhöht.

„Dies stützt einen möglichen Zusammenhang zwischen der Mikroplastikbelastung und einem lokal proentzündlichen Milieu bei Patienten mit obstruktiver koronarer Herzkrankheit“, so die Wissenschaftler.

Andreas Daiber, Professor für Molekulare Kardiologie an der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU), der nicht an der Studie mitgearbeitet hat, teilt die Schlussfolgerungen der italienischen Wissenschaftler.

„Obwohl erhebliche Unsicherheiten bleiben, deutet das Zusammenspiel epidemiologischer, klinischer und mechanistischer Belege darauf hin, dass die Mikroplastikbelastung einen bislang unterschätzten Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten darstellen könnte“, erläutert Daiber.

Hohe Feinstaubbelastung scheint Mikroplastikaufnahme zu fördern

Die Studie hat zudem untersucht, welche Faktoren die Mikroplastikaufnahme fördern. Dabei haben die Forscher entdeckt, dass die meisten Patienten mit hohen Mikroplastikwerten im Blut der Koronararterien in Gegenden mit einer hohen Feinstaubbelastung leben. Die Feinstaubwerte an ihrem Wohnort lagen mindestens ein Jahr über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (15 µg/m³).

Es besteht zudem eine starke Korrelation zwischen Rauchen und erhöhten Mikroplastikwerten. Es scheint also so zu sein, dass Rauchen die Mikroplastikaufnahme fördern könnte, wahrscheinlich durch einen indirekten Mechanismus. Es ist in der Medizin seit Langem bekannt, dass Zigarettenrauchen die Schleimhautbarriere in den Atemwegen schwächt. Dadurch könnte auch Mikroplastik aus der Luft leichter über die Lunge in den Blutkreislauf gelangen. Die Luftverschmutzung durch Feinstaub könnte auf eine ähnliche Art die Mikroplastikaufnahme fördern.

„Interessanterweise wurde bei allen Herzinfarktpatienten mit Raucher-Vorgeschichte Plastikpartikel nachgewiesen, aber bei keinem der nichtrauchenden Kontrollen“, so die Forscher.

Laut den Wissenschaftlern verdeutlicht die Studie, dass Mikroplastik eine immer größere Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellt, vor allem, wenn eine hohe Mikroplastikkontamination gemeinsam mit Risikofaktoren wie Feinstaub und Rauchen auftritt und sich so die gesundheitsschädlichen Effekte gegenseitig verstärken.

Quellen:

Studie im European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehag447



15. Juli 2026

– Robert Klatt