In ihrer Finanznot greift die Stadt Solingen zu einem drastischen Mittel: Ab Montag, 20. Juli, gilt ein Einstellungsstopp. Das heißt, bis voraussichtlich mindestens Ende des Jahres werden in der Verwaltung – bis auf wenige Ausnahmen – Stellen ausschließlich durch Umschichtungen beim bestehenden Personal besetzt. Dies teilte die Stadt am Mittwoch (15. Juli 2026) mit.

Der Einstellungsstopp gilt laut Stadt für vakante und freiwerdende Stellen. Laufende Stellenausschreibungen und Auswahlverfahren seien nicht betroffen. „In einzelnen, besonders begründeten Fällen sind Ausnahmen möglich – zum Beispiel, wenn die öffentliche Sicherheit infrage steht, gesetzliche Verpflichtungen vorliegen oder bei erheblichen Auswirkungen auf Pflichtaufgaben“, heißt es in der Pressemitteilung.

Was der Einstellungsstopp für die personelle Erneuerung der Stadt bedeutet, wird an einer Zahl ersichtlich: Jährlich verzeichnet die Verwaltung bisher im Schnitt 250 Einstellungen. Nun soll „intern priorisiert und umorganisiert“ werden.

Solingen ist trotz Übernahme von knapp 319 Millionen Euro Altschulden durch das Land hochverschuldet. Jährlich kommen neue Schulden hinzu. Für das Jahr 2026 wird ein Defizit von rund 98,4 Millionen Euro erwartet. Die Stadt wird voraussichtlich neue Kassenkredite in Höhe von 100 Millionen Euro aufnehmen müssen.

Die Personalkosten der Stadt sind zwischen 2016 und 2025 um insgesamt 85 Millionen Euro gestiegen und werden sich bis Ende 2026 um weitere 13,4 Millionen Euro erhöhen.

Ziel ist es laut Stadt, „die Entwicklung der Personalkosten nachhaltig zu steuern, den städtischen Haushalt zu stabilisieren und gleichzeitig die Service-Qualität für die Bürgerinnen und Bürger zu sichern“. Oberbürgermeister Daniel Flemm (CDU) wird mit den Worten zitiert: „Die Verwaltung steht vor der Herausforderung, trotz überschuldeter Haushaltslage handlungsfähig zu bleiben und ihre Dienstleistungen für die Solingerinnen und Solinger auf einem hohen Niveau zu erhalten. Diese Situation erfordert schwierige Entscheidungen in allen Bereichen. Der vorübergehende externe Einstellungsstopp ist ein notwendiger Schritt, um den finanziellen Handlungsspielraum der Stadt zu sichern und die Personalausgaben verantwortungsvoll und vorausschauend zu lenken. Gleichzeitig nutzen wir diese Phase, um interne Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung zu fördern.“