Im Prozess um einen der spektakulärsten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte haben zwei der drei Angeklagten am Mittwoch vor dem Wuppertaler Landgericht Geständnisse abgelegt. Die 38 und 35 Jahre alten Männer ließen jeweils entsprechende Erklärungen von ihren Anwälten verlesen. Die Verteidiger des 60-jährigen Hauptangeklagten erklärten, dass ihr Mandant sich noch nicht zur Sache einlassen könne, weil man unter anderem mit der Höhe des Strafrahmens nicht einverstanden sei. Der Vorsitzende Richter Alexander Schräder hatte beim Prozessauftakt nach einem Rechtsgespräch gesagt, dass er bei einem vollumfänglichen Geständnis für den Hauptangeklagten eine Haftstrafe von sieben bis acht Jahren für angemessen halte.
Die drei Männer waren im vergangenen Oktober festgenommen worden. Ihnen werden Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz vorgeworfen. Auf die Spur gekommen war die Polizei ihnen über verdeckte Ermittler, die über einen Mittelsmann einen illegalen Waffenkauf einfädeln konnten. Bei den Durchsuchungen im Haus des Hauptangeklagten in Remscheid konnten die Beamten rund 300 scharfe Schusswaffen sicherstellen – davon 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, darunter Präzisionsgewehre, elf Revolver und 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten sowie fast 100.000 Schuss Munition. Allein die Verlesung der Funde dauerte beim Prozessauftakt rund eine Stunde.
Entdeckt wurden die Waffen in mehreren gut getarnten Räumen im Keller des Gebäudekomplexes. Hinter einem Tresor und hinter einer Vitrine befanden sich zwei Geheimtüren, in den Räumen dahinter wurden die illegalen Waffen gelagert. Außerdem fanden die Ermittler Hakenkreuz-Flaggen, SS-Uniformen und andere Relikte aus dem Nationalsozialismus sowie Dekorationswaffen oder unschädlich gemachte, sogenannte entmilitarisierte Waffen. In einem Raum stießen die Ermittler auch auf eine Art Werkbank und Werkzeug, mit dem alte, entmilitarisierte Waffen eventuell wieder schussfähig gemacht worden sein könnten. Dort lag eine Maschinenpistole. Der 60-Jährige ist ein gelernter Kfz-Mechaniker mit Kenntnissen als Büchsenmacher.
Der 38-jährige Angeklagte erklärte nun, mehrere Waffen, die er von dem Hauptangeklagten erhalten hatte, verkauft zu haben. Auch der 35-Jährige räumte seine Beteiligung an den Waffenverkäufen vollumfänglich ein. Er habe damit aus seinem Drogenkonsum entstandene Verbindlichkeiten begleichen wollen, sagte sein Verteidiger. Der 35-Jährige sei durch seine Drogensucht in kriminelle Kreise gerutscht und übernehme die volle Verantwortung für seine Taten. Mittlerweile nehme er aber keine Drogen mehr ein, wie sich durch Screenings belegen lasse, so sein Anwalt, zudem versuche er mithilfe seiner Familie in ein bürgerliches Leben zurückzukommen. Der 35-Jährige sitzt im Gegensatz zu den anderen Angeklagten nicht in Untersuchungshaft. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von zwei bis drei Jahren.
Der Hauptangeklagte machte am zweiten Verhandlungstag auch keine Angaben zu seiner Person. Im weiteren Verlauf des Verfahrens muss noch geklärt werden, ob er an Kunden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität Waffen verkauft hat. Der Hauptangeklagte hatte gegenüber den Ermittlern behauptet, ein Großteil der Waffen sei Teil seiner Privatsammlung, die er nicht verkaufen wollte. Er habe lediglich einzelne Exemplare weiterverkauft. Sein Verteidiger reichte diesbezüglich einen Antrag ein, einen Zeugen vorzuladen, der über die Herkunft der Waffen aufklären könne. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen vor Beginn des Prozesses gesagt, die Ermittler hätten einen Zeugen in Polen gefunden, der den umfangreichen Handel auch mit Kriegswaffen bestätigt habe. Diese seien an den Hauptangeklagten verkauft worden.
Beleuchtet werden soll im weiteren Verfahren auch das Verhältnis der drei Angeklagten untereinander. Dazu gab es bisher keine Angaben. Insgesamt sind bis zum 23. September zehn Verhandlungstage angesetzt.