Ein Wassersprenger bewässert ein Feld mit Kartoffeln in der Region Hannover.

Stand: 15.07.2026 15:28 Uhr

Mit dem „Masterplan Wasser“ will Niedersachsen auf die Folgen des Klimawandels reagieren. Am Mittwoch hat Umweltminister Christian Meyer (Grüne) die 66 Maßnahmen in Hannover vorgestellt.

Der „Masterplan Wasser“ greift nach Angaben des Umweltministeriums erstmals alle Aspekte des Wasserkreislaufs auf und soll unter anderem Kommunen vor Hochwasser und Starkregen schützen. Auch soll verhindert werden, dass Schadstoffe ins Wasser gelangen. Insgesamt gibt es 16 Schwerpunkte. Die drei zentralen Handlungsfelder sind den Angaben zufolge „Nachhaltiges Wassermanagement“, „Schutz vor Wasser“ und „Schad- und Nährstoffe reduzieren“.

Schwammstädte sollen Wasser speichern

Die Maßnahmen reichen vom Wassersparen und der Entsiegelung von Flächen für mehr Wasserrückhalt über Hochwasserschutz bis hin zur Schonung von Grundwasser und der Renaturierung von Gewässern und Auen. Städte sollen nach dem Schwammstadt-Prinzip wasserfreundlicher werden. Statt Regenwasser abzuleiten, soll es in der Stadt bleiben, heißt es vom Umweltministerium. Anstelle von Grundwasser sollen alternative Wasserquellen wie Kanalwasser, gereinigtes Abwasser und gespeichertes Regenwasser genutzt werden, um Felder zu bewässern.

Grundwasserstand auf sehr niedrigem Niveau

Durch den Klimawandel nehmen Wettextreme wie Starkregen, Hitze, Dürren oder Hochwasser zu. Erst im Juni gab es in Niedersachsen Temperaturen von bis zu 40 Grad. Laut Umweltministerium wurden an 48 von 49 Messstationen Höchstwerte verzeichnet. Zudem steigt die Waldbrandgefahr, während der Grundwasserspiegel sinkt. Aktuell ist der Grundwasserstand bei fast der Hälfte der Messstellen (48,4 Prozent) auf sehr niedrigem Niveau, wie es vom Umweltministerium heißt. 5,6 Prozent der Messpunkte wiesen sogar Rekordniedrigstände seit Messbeginn auf. Nur 3,7 Prozent verzeichneten ein sehr hohes oder hohes Grundwasserniveau.

Heiße Gewässer sorgen für Fischsterben

Parallel zur zunehmenden Wasserknappheit steigt laut Meyer den Prognosen zufolge der Wasserverbrauch in Haushalten, in der Industrie und in der Landwirtschaft beträchtlich. Die Gewässer würden immer trockener und heißer. Mögliche Folgen seien auch Fischsterben wie kürzlich im Steinhuder Meer und im Maschsee in Hannover.

Eine Gießkanne wird mit Wasser gefüllt.

Aufgrund der hohen Temperaturen ist in einigen Kommunen die Entnahme von Trinkwasser beschränkt – etwa zum Rasensprengen.

„Klimakrise ist auch eine Wasserkrise“

Einige Landkreise haben daher schon zum Wassersparen aufgerufen. Umweltminister Christian Meyer bezeichnetet die Klimakrise am Mittwoch daher auch als „Wasserkrise“. Mit dem „Masterplan Wasser“ wolle man auf die Herausforderungen für die Wasserwirtschaft durch den Klimawandel reagieren, so Meyer. Der Plan stelle die Weichen dafür, dass Menschen in Niedersachsen auch in Zukunft zuverlässig mit Wasser versorgt werden und vor Extremereignissen geschützt sind, betonte der Umweltminister.

120 Millionen Euro für Klimaanpassung

Mit der Erneuerung des Landesklimagesetzes verpflichtet Niedersachsen seine Landkreise und kreisfreien Städte zudem dazu, eine Klimaanpassungskonzept inklusive Hitze- und Starkregenplanung zu erstellen. Dem Umweltministerium zufolge plant das Land, die Kommunen mit dem Förderprogramm „Klima Kommunal Niedersachsen Invest (KliKoNI)“ mit 120 Millionen Euro zu unterstützen. 90 Millionen Euro stammen dabei aus dem Sondervermögen für „Infrastruktur und Klimaneutralität“ des Bundes. In den Hochwasser- und Küstenschutz sind dem Ministerium zufolge in 2026 bereits 42,5 Millionen Euro investiert worden. Auch das im Juni verabschiedete Landes-Wassergesetz soll den Gewässerschutz stärken.

NABU bemängelt fehlende Verbindlichkeit

Der Naturschutzbund NABU begrüßt das Rahmenkonzept des Masterplans – insbesondere zur Renaturierung. Allerdings fehle die Verbindlichkeit der Maßnahmen. Um diese auch umzusetzen, müsste Geld in die Hand genommen werden, betonte Lamin Neffati, Sprecher beim NABU Niedersachsen, im Gespräch mit dem NDR Niedersachsen. Es reiche nicht, zu hoffen, dass Menschen die Anreize zum Wassersparen wahrnehmen, so Neffati. Auch der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) ist noch skeptisch. Demnach wurden die Kommunen bei der Erarbeitung der Maßnahmen nicht ausreichend eingebunden. Es stelle sich angesichts der finanziellen Probleme vieler Städte und Gemeinden die Frage, wie die Maßnahmen finanziert und realisiert werden sollen, heißt es vom NSGB.

CDU fordert Klimaanlagen für Krankenhäuser

Die CDU–Fraktion im niedersächsischen Landtag kritisierte die Landesregierung. Diese versuche mit „einen ein Jahr alten Masterplan aus der Schublade, ohne Neues“ fünf Jahre nach der Ahrtal-Katastrophe positive Schlagzeilen zu produzieren, teilte der wasserpolitische Sprecher der Fraktion, Frank Schmädeke, am Mittwoch schriftlich mit. Er forderte die Regierungskoalition zum Handeln auf. Insbesondere vulnerablen Gruppen seien durch Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen allein nicht ausreichend geschützt, es seien auch technische Lösungen wie Klimaanlagen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erforderlich.

Eine Sonnenblume auf einem Feld in Sulingen im Landkreis Diepholz, während am Himmel dunkle Wolken ziehen.

Eine Unwetterwarnung gilt aktuell jedoch nicht. Ansonsten soll es heute überwiegend sonnig bleiben bis zu 32 Grad.

Ein Blitz ist hinter einem Feld bei einem Gewitter in Hülsen am Himmel zu sehen.

In Niedersachsen wurde am Montag erst recht kurzfristig gewarnt. Meteorologe Peter Schwarz ordnet ein, warum das so war.

Zahlreiche Blätter auf dem Boden nach Unwetter mit Hagel in Heidenau.

Kaputte Autos und Dächer: In Heidenau (Landkreis Harburg) hat das Unwetter am Montagabend besonders gewütet.

Ein Auto fährt bei starkem Regen durch eine überschwemmte Straße in Hannover.

Rund 2.300 Notrufe sind in der Nacht bei der Feuerwehr eingegangen. Vor allem die starken Regenfälle haben für Einsätze gesorgt.

Ein Schild weist auf Waldbrandgefahr hin.

Die Wälder in Niedersachsen sind aktuell sehr trocken. Hohe Temperaturen und fehlender Regen verschärfen die Lage.

Der Fluss Leine schlängelt sich durch in die Leinemasch in der Region Hannover (Themenbild: Masterplan Wasser)

Durch Schutzmaßnahmen soll in Niedersachsen auch künftig genügend sauberes Wasser für alle zur Verfügung stehen.

Die Wiesen am Fluss Aller bei Verden sind überflutet.

Laut einer Studie sind rund drei Prozent der Landesfläche Hochwasser-Risikogebiet. Besonders gefährdet: der Landkreis Celle.

Mohnblumen blühen bei Sonnenschein.

Das zeigt die Halbjahresbilanz des ARD-Wetterkompetenzzentrums. Schon kommende Woche soll die nächste Hitzewelle anstehen.