Der Name bleibt, aber sonst hat das neue „Lörick-Karree“ nichts mehr mit dem alten zu tun: Der 60-Jahre-Flachbau wurde schon im vergangenen Jahr abgerissen, seit zehn Monaten entsteht das neue Quartier an der Wickrather Straße. Am Mittwoch war schon Richtfest.
Auf dem Gelände des früheren Nahversorgungszentrums (ganz früher mal mit dem Supermarkt „Otto Mess“, zuletzt mit Arztpraxis und Apotheke) entsteht ein neues Mini-Viertel mit Wohnungen, Einzelhandel, Gastronomie, Gesundheits- und Dienstleistungsangeboten. Läuft alles weiter nach Plan, sollen die ersten Mieter und Gewerbetreibenden im Sommer 2027 einziehen.
Rund 80 Gäste, darunter einige aus Politik und Verwaltung, kamen auf die Baustelle, um gemeinsam mit dem Eigentümer und den Entwicklern auf den Fortschritt anzustoßen. Dass es flott vorwärtsgeht, freut aber jeden in der Gegend.
Denn mit dem Projekt erhält Lörick nach Jahren des Leerstands einzelner Ladenlokale und zahlreicher Verzögerungen wieder ein Stadtteilzentrum. Investor ist die Rheinland Versicherungsgruppe, die das Quartier langfristig im eigenen Bestand halten will.
„Wir denken nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten“, sagte Andreas Peters von der Rheinland-Versicherung. Die Macher wollen nicht nur in Beton investieren – sondern in das Leben im Stadtteil. Lörick habe sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt und biete gute Voraussetzungen für ein lebendiges Quartier, so Peters.
So entsteht im neuen Karree auch Wohnraum: 32 Mietwohnungen. 16 davon werden öffentlich gefördert. Die Wohnungen sind zwischen 30 und 80 Quadratmeter groß, barrierearm und ausschließlich zur Vermietung vorgesehen. Eigentumswohnungen wird es laut Peters nicht geben.
Im Erdgeschoss sind Flächen für einen Supermarkt, Gastronomie sowie weitere Dienstleister geplant. Nach Angaben des Investors laufen derzeit Gespräche mit verschiedenen Lebensmittelhändlern. Auch für eine Gastronomie wird noch ein Betreiber gesucht, die soll aber nur bis 22 Uhr offen haben: mit Frühstück, Mittagstisch, Kaffee und Kuchen und einem Glas Wein am Abend.
„Wir wünschen uns ein Angebot, das den Stadtteil belebt“, betonte Stefanie Becker, die künftige Quartiersleiterin. Für viele ältere Menschen aus der Gegend wichtig: Es soll auch Arzt- oder Therapiepraxen und eine Apotheke geben.
„Wir möchten ein Quartier der kurzen Wege entwickeln, das langfristig funktioniert und viel Lebens- und Aufenthaltsqualität bietet“, sagte Katrin Grumme, Geschäftsführerin der EGCP Projektentwicklungsgesellschaft. Bei der Auswahl der Gewerbemieter will der Investor bewusst sorgfältig vorgehen. „Die Nutzungen müssen zum Quartier passen“, hieß es. Ziel sei ein ausgewogener Mix, der den Stadtteil dauerhaft stärke.
Das Bauvorhaben hat eine lange Vorgeschichte. Der Projektentwickler Andreas Eisele erinnerte daran, dass er das alte Lörick-Karree bereits 2013 übernommen hatte. Es folgten ein Architektenwettbewerb, das Bebauungsplanverfahren und mehrere Jahre der Genehmigungsplanung. Steigende Baukosten und veränderte Finanzierungsbedingungen hätten das Projekt zusätzlich erschwert. Erst mit dem Einstieg der Rheinland Versicherungsgruppe sei die Realisierung möglich geworden.
Bezirksbürgermeister Tim Weill (CDU) sprach von einem Projekt von großer Bedeutung für den Stadtteil. Über viele Jahre hätten Politik und Bürgerschaft darauf gewartet, dass das Areal neu entwickelt werde. „Für viele Menschen ist das ein emotionales Projekt. Umso größer ist jetzt die Freude, dass es sichtbar vorangeht.“
Auch Kai Seibel vom Bürgerverein Lörick zeigte sich glücklich über den Fortschritt: „Die Menschen im Stadtteil freuen sich darauf, wenn das neue Karree fertig ist und sie hier wieder einkaufen gehen können.“ Und: „Sie freuen sich auch darauf, dass sie hier Menschen treffen, mit denen sie ins Gespräch kommen können.“ Deshalb sei es auch wichtig, dass eine gute Gastronomie ins Karree komme.
Die Vermarktung der Gewerbeflächen läuft bereits. Für die Wohnungen beginnt sie erst zu einem späteren Zeitpunkt. Im Rohbau konnte man gestern aber schon spüren: Hier entsteht etwas, das den Stadtteil noch mal weit nach vorne bringt.