Ein paar kräftige Hände, ein Ruck – und schon kann die Straßenbahn ihre Fahrt fortsetzen: Ein Video aus Augsburg sorgte zuletzt im Netz für Aufsehen. Zu sehen war, wie drei junge Männer am Perlachberg ein Auto ein Stück Richtung Bordstein versetzten, damit eine Straßenbahn der Linie 1 Richtung Lechhausen wieder passieren konnte.
Intagram-Reel aus Augsburg wird millionenfach aufgerufen
Nach Angaben der Filmerin erreichte die Tram den Perlachberg am Montag gegen 17.40 Uhr. Als sie rund 20 Minuten später ihr Handy zückte, waren die Helfer bereits dabei, den Wagen zur Seite zu rücken. Bis Mittwochvormittag wurde das Instagram-Reel rund 1,5 Millionen Mal aufgerufen. Wegen eines im Video sichtbaren Kennzeichens nahm die Erstellerin den Clip nach eigenen Angaben inzwischen offline. Unserer Redaktion stellte sie das Video zur Verfügung.
Gefilmt hat die Szene die Augsburgerin Svitlana Russman aus einem Fenster heraus. Zu ihrem Video schrieb sie mit einem Augenzwinkern: „Auto blockiert die Straßenbahn, ein paar Jungs parken es kurzerhand um und eine Dame übernimmt die Einsatzleitung. Ganz normaler Tag in Augsburg.“
Mehr als 1000 Kommentare fanden sich unter dem Video. Während einige die spontane Hilfsbereitschaft lobten – die Lösung sei „manchmal so einfach“ –, diskutierten andere die Parksituation am Perlachberg. Ein Nutzer berichtete, er habe auf der Linie 1 solche Situationen häufiger erlebt, und plädierte für ein Parkverbot. Auch eine Userin, die nach eigenen Angaben die Straßenbahnfahrerin war, meldete sich zu Wort. Die Bahn sei im Feierabendverkehr gut besetzt gewesen, die Fahrgäste dennoch geduldig geblieben. „Das ist (leider) nicht immer der Fall“, schrieb sie.
Auto bremst Straßenbahn – Alltag in Augsburg
Dass parkende Fahrzeuge Busse und Straßenbahnen behindern, gehört für die Stadtwerke Augsburg tatsächlich zum Alltag. „Behinderungen im Gleisbereich haben wir eigentlich täglich, mitunter sogar mehrmals“, sagt Pressesprecher Jürgen Fergg. Meist seien die Probleme allerdings schnell behoben. Oft machten die Fahrerinnen und Fahrer mit der Klingel der Straßenbahn auf sich aufmerksam. Der Fahrzeughalter sei häufig nur kurz weggegangen und komme dann zurück, um das Auto wegzufahren.
Nur wenn sich der Halter nicht ausfindig machen lässt, werden Polizei und Abschleppdienst eingeschaltet. Das sei allerdings eher die Ausnahme. Bis der Halter ermittelt und ein Abschleppwagen organisiert sei, sei der Fahrer häufig ohnehin schon zurück. Das Abschleppen sei deshalb das letzte Mittel.
Perlachberg in Augsburg bleibt ein neuralgischer Punkt
Der Vorfall erinnert an ein Problem, das den Perlachberg schon lange begleitet. Der besonders enge Bereich wurde vor einigen Jahren umgebaut und der Gehweg verbreitert, um das Parken dort zu verhindern. Nach Angaben der Stadtwerke habe sich die Situation seitdem verbessert. Ganz vermeiden ließen sich Behinderungen aber nicht, so Fergg. Weitere neuralgische Punkte seien unter anderem der Hohe Weg im Bereich der Apotheke sowie die Stadtberger Straße auf Höhe der Haltestelle Bürgermeister-Bohl-Straße. Teils seien Parkflächen angepasst worden, um mehr Platz für die Straßenbahnen zu schaffen.
Nicht nur Straßenbahnen, auch Busse werden immer wieder ausgebremst – etwa wenn Fahrzeuge im Haltestellenbereich stehen. „Anders als Straßenbahnen können Busse Hindernisse allerdings oft umfahren“, sagt Fergg. Die ungewöhnliche Hilfsaktion vom Montag betrachtet er dennoch mit gemischten Gefühlen. Als er das Video sah, habe er zunächst gedacht: „Das ist eine witzige Aktion.“ Gleichzeitig rät er davon ab, ein solches Vorgehen nachzuahmen. Entsteht beim Bewegen eines fremden Autos ein Schaden, könnten die Tatkräftigen dafür haftbar gemacht werden.