Ob die Auswirkungen eines Italo-Einstiegs in den deutschen Fernverkehr für Wittenberge wirklich so gravierend wären wie von Crumbach prognostiziert, ist allerdings auch aus anderen Gründen fraglich. Aktuell hält tagsüber alle zwei Stunden ein ICE der Deutschen Bahn oder ein anderer Schnellzug. Zwischen Berlin und Hamburg fahren die Schnellzüge aber zeitweise mindestens halbstündlich, auch über Wittenberge.

Der Halt ist also schon heute eher die Ausnahme. Außerdem plant Italo laut Bundesnetzagentur derzeit nur einen Zweistundentakt zwischen München und Berlin. „Eine Durchbindung der Linie nach Hamburg ist zwar grundsätzlich geplant, aber nicht unbedingt im strengen Zweistundentakt“, heißt es in einem Schreiben der Behörde. Und: Bei der geplanten Aufteilung der Kapazitäten zwischen Bahn und ihrer Konkurrenz würde die Mehrzahl der Verbindungen weiterhin von der Deutschen Bahn betrieben.

Für Brandenburgs Verkehrsminister Crumbach wäre die Freigabe von Kapazitäten für Italo dennoch der zweite Schritt vor dem ersten. Verbindliche Stopps müssten vorher vereinbart werden, fordert er. Zum Beispiel durch Rahmenverträge. Im Nachhinein, wenn der Zuschlag einmal erteilt sei, seien solche Verhandlungen schwierig. „Dann haben wir keinen Einfluss mehr.“