Stand: 15.07.2026 21:58 Uhr
Ein Meilenstein für die neue Rader Hochbrücke: Nach über drei Jahren Bauzeit soll jetzt das verbindende Mittelstück für den ersten Teil des Baus eingehoben werden. Das Stahlteil soll an Stahlseilen nach oben gezogen werden.
Beim Neubau der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg geht es für die Konstrukteure in der Nacht zu Donnerstag weiter voran: Das verbindende Mittelteil des ersten Teilstücks wird eingehoben. Dabei handelt es sich um ein 118 Meter langes und 18,8 Meter breites Element aus Stahl mit rund 1.250 Tonnen Gewicht.
Mittelteil sechs Stunden nach oben gezogen
Das große Stahlelement wird an Stahlseilen – sogenannten Litzen – 50 Meter nach oben gezogen. Etwa sechs Stunden soll dies laut der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) dauern. Dabei kommen Schwerlastkräne zum Einsatz. Rund 100 Menschen arbeiten an dem Einhub mit. Dieser soll nachts stattfinden, weil sich das Stahlteil durch die Tageswärme um insgesamt bis zu zehn Zentimeter ausdehnen kann – nachts passt das Teil besser in die Lücke.
Schiffsverkehr für viele Stunden gestoppt
Auf den Straßenverkehr über die alte Brücke hat der Einhub nach Angaben der DEGES keine Auswirkungen. Aber der Schiffsverkehr im Nord-Ostsee-Kanal (NOK) wird für etwa 16 Stunden gestoppt – denn die Konstrukteure brauchen Platz. Bis 9 Uhr am Donnerstag soll die Sperrung dauern. Das geht aus einer Mitteilung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltungssystems hervor.
Ein Livestream der DEGES begleitet das Spektakel. So wird das Mittelstück eingesetzt:
Video:
Rader Hochbrücke: So wird das Mittelstück eingesetzt (1 Min)
Rückblick: Was passierte am Mittwoch?

Nachdem die Stahlseile angebracht sind, wird das Mittelteil nach oben gezogen. 50 Meter ist die Brücke an der Stelle hoch.
Die Arbeiten am Mittwochabend gingen gut voran. Auch das Wetter spielte mit. Der Ponton mit dem Mittelstück war sogar etwa eine halbe Stunde früher vor Ort. Etwa sechs Kilometer waren es vom Rendsburger Hafen. Zwei Seile pro Seite verankerten das Schwimmgefährt am Ufer – dann wurden die Litzen angebracht. Der Ponton wurde mit Schleppern bewegt.
Dienstag: Vorbereitungen im Rendsburger Hafen

Zwei jeweils 13-achsige Transporter trugen das gigantische Stahlteil.
Am Dienstag wurde das gewaltige Stahlteil im Rendsburger Hafen auf einen schwimmenden Ponton gefahren. Das Verladen erfolgte mit zwei SPMT-Schwertransportern (Self-Propelled Modular Transporter).
Erste Hälfte soll ab Ende des Jahres nutzbar sein
Die erste Hälfte des Bauwerks soll ab Ende des Jahres nutzbar sein. Das berichtet die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES), die den Neubau verantwortet.

In über 40 Metern Höhe werden die Pfeiler der neuen Rader Hochbrücke vollendet. Reporter Bastian Pöhls hat sich umgesehen.
Rader Hochbrücke liegt gut im Zeitplan

Auf einem schwimmenden Ponton wird das Stahlteil in Position gebracht.
Die Brücke liegt mit bislang etwas über drei Jahren Bauzeit gut im Zeitplan. Die DEGES spricht von einem Leuchtturmprojekt: Alle Beteiligten seien sehr glücklich damit, wie das Projekt bislang läuft, sagt DEGES-Sprecher Ulf Evert. Statischen Überprüfungen aus dem Jahr 2014 zufolge darf die alte Hochbrücke nur noch bis einschließlich 2026 genutzt werden – bis dahin muss sie durch das neue Bauwerk ersetzt sein.
Baustart der zweiten Brückenhälfte für 2028 geplant
Über den dreispurigen neuen Brückenteil soll laut Planung ab Ende des Jahres der Verkehr auf der A7 laufen, während die alte Brücke abgerissen wird – das Ausschreibungsverfahren dafür läuft aktuell. Wo sie jetzt noch steht, wird dann die zweite Hälfte der Brücke gebaut. Der Baustart ist für 2028 angesetzt, 2031 soll die Brücke dann komplett sein – eine durchgängige Finanzierung vorausgesetzt, heißt es von der DEGES.
Die Brücke spielt eine zentrale Rolle für den Verkehr nach Dänemark und Skandinavien, so die DEGES. Dafür sprechen auch die Zahlen: Nach den automatischen Straßenverkehrszählern der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) nutzten zur Zeit des Neubaubeginns im Jahr 2023 etwa 53.000 Kraftfahrzeuge an dieser Stelle die A7. Aktuelle Prognosen der DEGES gehen davon aus, dass es bis 2030 sogar 60.000 sein könnten.
Wissenswertes zur Rader Hochbrücke
- 1972 für Verkehr freigegeben
- Neubau 2013 beschlossen wegen Verschleiß an den Betonelementen
- Offizieller Baubeginn Neubau: April 2023
- Gesamtlänge des Bauwerks: 1.500 Meter
- Länge der gesamten Neubaumaßnahme: etwa 5,3 Kilometer
- Wegen des Ausbaus auf sechs Spuren per Gesetz notwendig: 6,9 Kilometer neue Lärm- und Windschutzwände entstehen
- Ein Projekt im Auftrag der Autobahn GmbH des Bundes
- Auftragswert für das erste Teilbauwerk: 307 Millionen Euro.
- Weitere Bauwerke der Maßnahme: Unterführung Wirtschaftsweg Dieksredder, Unterführung L42 Rendsburger Straße, Unterführung Gemeindestraße Rader Weg, Erweiterung der A7 zwischen der Anschlussstelle Büdelsdorf und dem Kreuz Rendsburg auf sechs Fahrstreifen

Der südliche Teil der Brücke ist bereits fertig. Am Dienstag wurde der nördliche Brückenabschnitt auf Pfeiler geschoben.

Ein Großprojekt ist die neue Rader Hochbrücke im Verlauf der A7. Sie soll mit dem Einhub des letzten Brückenelements geschlossen werden.

Die A7 wird in Richtung Norden hinter der Rader Hochbrücke gesperrt. Auch Tagesbaustellen sind geplant.

Wenn Container- und Kreuzfahrtschiffe durch Schleswig-Holstein gleiten, bieten sich spektakuläre Perspektiven.

Zentimeterweise wird das vorletzte Brückenstück in die Brückenmitte geschoben. Es drückt alle anderen Elemente in Richtung NOK.