„Das Wasser stand in diesem Besprechungsraum bis zu den Sitzflächen der Stühle“, erinnert sich Matthias Merbecks, Geschäftsführer des Volksvereins Mönchengladbach. Insgesamt wurden beim Hochwasser im September 2025 acht Räume sowie zahlreiche Maschinen und Inventar beschädigt. „Wir waren bei rund 600.000 Euro Schadenshöhe“, so Merbecks. Trotzdem blieb die Hilfe für die Menschen, die zu der gemeinnützigen Gesellschaft gegen Arbeitslosigkeit kommen, nicht lange aus.

„An den ersten beiden Tagen haben wir einige unserer Beschäftigten nach Hause schicken müssen. Aber dann haben wir es geschafft, alle wieder regulär arbeiten zu lassen“, sagt Merbecks. Das sei wichtig gewesen, denn die Arbeit beim Volksverein bedeute für die Menschen Struktur und Zugehörigkeit. Dass die Beschäftigten so schnell zurückkehren konnten, ist für Merbecks Ausdruck dessen, was den Volksverein ausmache: Verlässlichkeit. Deswegen stünde der Geschäftsbericht 2025 auch genau unter diesem Titel.

„Verlässlichkeit konnte man ebenso an der großen Unterstützung erkennen, die aus der Gesellschaft kam im vergangenen Jahr. Teilweise war das finanzielle Unterstützung, aber eben auch Zuspruch“, so Merbecks. Trotz der außergewöhnlichen Belastung schloss der Volksverein das vergangene Geschäftsjahr wirtschaftlich stabil ab und freut sich über einen Überschuss von knapp 10.000 Euro. Die Spendeneinnahmen stiegen auf etwa 400 000 Euro. Auch viele kleine Beiträge summierten sich: Über die in den Secondhandläden eingeführte Restgeldspende kamen rund 5500 Euro zusammen.

Im Mittelpunkt der Arbeit standen 2025 insgesamt 277 Männer und Frauen, die in den Beschäftigungsprojekten des Volksvereins tätig waren: in der Schreinerei, der Rapsölmühle, den Secondhandläden oder der Möbelhalle. Doch es ging längst nicht mehr nur um Arbeitslosigkeit. Sozialdienstleiterin Stefanie Neumann berichtet, dass viele Menschen auch unter Einsamkeit, Überforderung und den Folgen der zunehmenden Digitalisierung litten. Deshalb habe der Volksverein sein Bildungsangebot weiter ausgebaut: Von Digitalkursen bis hin zu Gesundheitsangeboten wie Yoga und Entspannungstraining.

Beim Volksverein gilt das Prinzip der offenen Tür. Menschen müssten nicht erst lange auf einen Termin warten, sondern könnten auch unkompliziert Unterstützung erhalten. Auf die kommenden Jahre blickt der Volksverein mit leichter Sorge. Der Markt für Altkleider, lange eine wichtige Einnahmequelle, sei nahezu eingebrochen. Gleichzeitig mussten Projekte wie die Pflege der Fahrradwege wegen ausbleibender Fördermittel eingestellt werden. Hinzu kämen steigende Personal- und Energiekosten. Trotzdem zeigt sich Merbecks zuversichtlich: „Irgendwie haben wir es immer geschafft.“