Ein Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg hat die Erwähnung seines Großvaters durch den Kabarettisten Uwe Steimle auf einer AfD-Veranstaltung scharf kritisiert. „Ich bin sprachlos. Das ist Geschichtsklitterung par excellence“, sagte Karl Graf von Stauffenberg der „Bild“. Sein Großvater habe versucht, „Recht, Ordnung und Freiheit wiederherzustellen“ – und nun das. „Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen – es ist ganz grauenhaft.“

Steimle soll über Amtsinhaber Friedrich Merz (CDU) auf der Veranstaltung in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt gesagt haben: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“ Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte im Juli 1944 einen Anschlag auf Adolf Hitler durchgeführt. Das Attentat schlug fehl, Stauffenberg wurde von den Nazis hingerichtet.

Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe er, einem Bericht des „Spiegels“ zufolge, als „das Merkel“ bezeichnet und mit Blick auf ihr Kanzlerporträt gesagt: „Warum hat sie sich im Stehen malen lassen? Weil sie ahnt, sie wird bald sitzen.“ Dem Magazin zufolge sagte der Kabarettist weiter: „Im Moment hängt sie erst mal und wenn alle Stränge reißen oder der Nagel bricht, dann stellen wir sie an die Wand. Uns wird schon was einfallen.“

Der Auftritt beschäftigt auch die örtliche Staatsanwaltschaft. Man habe ein Verfahren nach Paragraf 126 des Strafgesetzbuchs eingeleitet, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit Informationen des „Spiegels“. Dabei geht es um die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

AfD-Spitzen singen die DDR-Hymne

Schon bevor bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt, sorgte die Veranstaltung für Aufsehen: AfD-Co-Chef Tino Chrupalla und der sachsen-anhaltische Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sangen dort mit mehreren Hundert Menschen gemeinsam die DDR-Hymne.

14.07.2026, Sachsen-Anhalt, Dessau-Roßlau: Ulrich Siegmund (l, AfD), Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. September, und Tino Chrupalla (AFD), Bundesvorsitzender, umarmen sich auf einer Veranstaltung der AfD Sachsen-Anhalt. Foto: Jan Woitas/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Ulrich Siegmund (l.,), AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, und AfD-Chef Tino Chrupalla

© dpa/Jan Woitas

Zum Ende der Podiumsdiskussion sollte eigentlich die deutsche Nationalhymne gesungen werden, Steimle stimmte stattdessen jedoch das Lied „Auferstanden aus Ruinen“ an.

Chrupalla und Siegmund lächelten und sangen teilweise gemeinsam mit den Besuchern die DDR-Hymne. Im Anschluss daran wurde auch noch die deutsche Nationalhymne gesungen.

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Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) kritisierte das Singen der DDR-Hymne scharf. „Ich finde das extrem befremdlich“, sagte Frei am Mittwoch im Sender Welt TV. Es gelte insbesondere dann, „wenn das von politischen Repräsentanten gemacht wird, die damit ja ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden möchten“.

Lesermeinungen zum Artikel

Als Ostdeutscher bekommt man da echt Fremdschämen. Also klar, gab es gute Aspekte im DDR System. […]. Nur steht diese Partei für nichts davon. Sich mit absurdem DDR- oder Ostpatriotismus zu schmücken, ist echt absurd. Aber klar, Ewiggestrige und die sogenannten Verlierer der Wende und deren Nachkommen erreicht man damit natürlich. Es wird sich zeigen, dass es wirtschaftlich für ostdeutsche Bundesländer mit dieser Partei schneller abwärts geht, als sie glauben. Mehr Wegzug, weniger Angebote und somit immer weniger Menschen, die dort arbeiten.“

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Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt. Chrupalla, Siegmund und Steimle hatten bei der Podiumsdiskussion in Dessau-Roßlau über das Thema Frieden debattiert. (dpa/AFP/Tsp)