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Berlin – Sie trägt Lederjacke statt Glitzerkleid, schreit ihre Gefühle heraus, statt sie glattzubügeln, und singt über Zweifel, Liebe und das Leben, wie es wirklich ist: Mit Songs wie „Bang Bang (Mein Herz schlägt krass für dich)“, „Der Himmel ist eine Kneipe“ oder „So jung und so dumm“ hat sich Deine Cousine (39, bürgerlich Ina Bredehorn) in den vergangenen Monaten zu einem der spannendsten Phänomene der deutschen Musik entwickelt.

Ihre Konzerte sind ausverkauft, die Fans feiern jede Zeile. Nicht, weil sie perfekt sein will. Sondern weil sie Ecken und Kanten zeigt. Sie ist laut, ehrlich, humorvoll, manchmal rotzig – aber immer authentisch. Sie singt nicht über eine Hochglanzwelt, sondern über das echte Leben. Gerade deshalb fühlen sich viele Frauen von ihr verstanden.

Dabei steht Deine Cousine in einer langen Tradition. Fast jede Generation hatte ihre Sängerin, die mehr war als ein Popstar. Hatte Frauen, die Rollenbilder infrage stellten, provozierten und ihrer Zeit ein Stück voraus waren.

Die 50er: Caterina ValenteCaterina Valente zu Beginn ihrer Weltkarriere. Sie starb 2024 in der Schweiz

Caterina Valente zu Beginn ihrer Weltkarriere. Sie starb 2024 in der Schweiz

Foto: imago/United Archives

Während Deutschland noch vom Nachkriegsalltag geprägt war, brachte Caterina Valente (†93) internationales Flair auf die Bühne. Mit Hits wie „Ganz Paris träumt von der Liebe“ wurde sie zum ersten weiblichen Weltstar aus Deutschland. Elegant, selbstbewusst und unabhängig. Für viele Frauen damals ein völlig neues Vorbild.

Die 60er: Wencke MyhreWencke Myhre bei einem TV-Auftritt in den 1960er-Jahren. Sie begeisterte mit Schlagfertigkeit und einem komödiantischen Talent

Wencke Myhre bei einem TV-Auftritt in den 1960er-Jahren. Sie begeisterte mit Schlagfertigkeit und einem komödiantischen Talent

Foto: INTERFOTO

Mit „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ oder „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“ spielte Wencke Myhre (79) mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit. Locker, schlagfertig und selbstironisch zeigte sie, dass Frauen auch frech sein dürfen.

Die 70er: Nina HagenNina Hagen (damals 22) Anfang 1978 in Amsterdam. Ende 1976 wurde sie von der damaligen DDR ausgebürgert, weil sie sich mit Liedermacher und Systemkritiker Wolf Biermann solidarisiert hatte

Nina Hagen (damals 22) Anfang 1978 in Amsterdam. Ende 1976 wurde sie von der damaligen DDR ausgebürgert, weil sie sich mit Liedermacher und Systemkritiker Wolf Biermann solidarisiert hatte

Foto: Redferns

Dann kam Nina Hagen (71) – schrill, laut und kompromisslos. Mit Songs wie „TV-Glotzer“ oder „Unbeschreiblich weiblich“ sprengte sie jede Konvention und wurde zur Ikone des deutschen Punk.

Die 80er: NenaNena (damals 22) gelang im August 1982 mit ihrem Auftritt in der Sendung „Musikladen“ der Durchbruch

Nena (damals 22) gelang im August 1982 mit ihrem Auftritt in der Sendung „Musikladen“ der Durchbruch

Foto: ullstein bild

Fransige Kurzhaarfrisur, Lederjacke, Minirock. Nena (66) schrieb mit „99 Luftballons“ nicht nur Musikgeschichte, sondern prägte auch den Look einer Generation.

Die 90er: Luci van OrgSelbstbewusst: die Berlinerin Luci van Org (damals 22) im März 1994 beim BILD-Shooting

Selbstbewusst: die Berlinerin Luci van Org (damals 22) im März 1994 beim BILD-Shooting

Foto: picture alliance/Fryderyk Gabowicz

Als Luci van Org (54) 1993 mit ihrer Band Lucilectric „Mädchen“ veröffentlichte, sprach plötzlich eine Frau offen über Lust, Flirten und Selbstbestimmung. Provokant, verspielt und ihrer Zeit voraus.

Die 2000er: Jennifer WeistJennifer Weist (39) ließ sich mit 13 und mit Erlaubnis ihrer Mutter ihr erstes Tattoo stechen – ein „Arschgeweih“

Jennifer Weist (39) ließ sich mit 13 und mit Erlaubnis ihrer Mutter ihr erstes Tattoo stechen – ein „Arschgeweih“

Foto: picture alliance/HERBERT P. OCZERET/APA/picturedesk.com

Mit der Band Jennifer Rostock brachte Jennifer Weist (39) Punk und Haltung zusammen. Ob als Frontfrau oder solo – sie singt über Sexismus, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Laut, unbequem und ohne Angst vor Gegenwind.

Die 2010er: Sarah ConnorSarah Connor (46) ist mit mehr als 8 Mio. verkauften Tonträgern eine der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen

Sarah Connor (46) ist mit mehr als 8 Mio. verkauften Tonträgern eine der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen

Foto: action press

Mit „Wie schön du bist“, „Vincent“ und „Bye Bye“ erfand sich Sarah Connor (46) neu. Statt auf Perfektion setzte sie auf Ehrlichkeit und zeigte, dass Haltung nicht laut sein muss, um etwas zu bewegen.

Die 2020er: Shirin DavidDie Netflix-Doku „Barbara - Becoming Shirin David“ erzählt die Geschichte der Rapperin (31)

Die Netflix-Doku „Barbara – Becoming Shirin David“ erzählt die Geschichte der Rapperin (31)

Foto: Netflix

Mit Rap-Hits wie „Gib ihm“, „Lieben wir“ oder „Bauch Beine Po“ machte Shirin David (31) Themen wie Geld, Macht und Sexualität selbstverständlich. Aus weiblicher Perspektive und mit großem Selbstbewusstsein.

Deine Cousine feiert jetzt das UnperfekteDeine Cousine hat vor ihrer Musikkarriere eine Ausbildung als Industriemechanikerin abgeschlossen

Deine Cousine hat vor ihrer Musikkarriere eine Ausbildung als Industriemechanikerin abgeschlossen

Foto: IMAGO/Carsten Thesing

Jetzt kommt Deine Cousine. Sie wirkt wie die rockige Antwort auf eine Zeit, in der vieles perfekt erscheint. Ihre Texte erzählen vom Scheitern wie vom Aufstehen. Sie nimmt sich selbst nicht wichtiger als ihr Publikum, feiert das Unperfekte und zeigt, dass Stärke nichts mit Makellosigkeit zu tun hat.

Jede Generation hatte ihre Rebellin. Caterina Valente brachte Glamour, Wencke Myhre Witz, Nina Hagen Provokation, Nena Natürlichkeit, Lucilectric Frechheit, Jennifer Weist Haltung, Sarah Connor Ehrlichkeit und Shirin David Selbstbewusstsein. Die Stimme der Gegenwart trägt Lederjacke, Gitarre und den Namen Deine Cousine.