Kann die FP-9 tatsächlich Moskau erreichen?

Rein rechnerisch erscheint das möglich. Die von Fire Point angegebene Reichweite von 855 Kilometern würde ausreichen, um Moskau von Teilen der ukrainischen Grenze aus zu erreichen. Auch Sankt Petersburg liege innerhalb der Reichweite, sagte Shtilerman.

Ob die Rakete diese Leistungsdaten tatsächlich erreicht, muss sich allerdings erst noch zeigen. Bislang wurden weder erfolgreiche Flugtests noch unabhängige technische Nachweise veröffentlicht.

Hinzu kommt, dass die tatsächliche Einsatzreichweite unter Kriegsbedingungen von zahlreichen Faktoren abhängt – etwa vom Abschussort, der Flugbahn oder der Nutzlast.

Warum muss Russland die Entwicklung ernst nehmen?

Sollte die FP-9 die angekündigten Leistungsdaten erreichen, würde sie der Ukraine erstmals eine eigene ballistische Langstreckenfähigkeit verschaffen. Dadurch wäre es möglich, Ziele tief im russischen Hinterland schneller als bisher anzugreifen.

Dazu könnten militärische Hauptquartiere, Logistikzentren, Munitions-, Öllager oder Einrichtungen der Rüstungsindustrie gehören. Auch die politische Signalwirkung wäre erheblich: Erstmals könnte eine vollständig in der Ukraine entwickelte ballistische Rakete die russische Hauptstadt erreichen.

Gerade die hohe Geschwindigkeit würde die Vorwarnzeit verkürzen. Das unterscheidet ballistische Raketen von Marschflugkörpern und Drohnen, deren Anflug häufig deutlich länger dauert.

Ein brennendes Öllager in Russland (Archivbild).Vergrößern des BildesEin brennendes Öllager in Russland (Archivbild): Immer wieder trifft die Ukraine schon jetzt Teile der Infrastruktur.

Ist Moskau schutzlos?

Nein. Russland verfügt über eines der weltweit dichtesten Systeme zur Raketenabwehr. Satellitenbilder deuten zudem darauf hin, dass Russland die Luftverteidigung rund um Moskau zuletzt weiter ausgebaut hat. Wie erfolgreich diese Systeme gegen moderne ballistische Raketen tatsächlich sind, ist unklar.

Ein junges Unternehmen mit großen Ambitionen

Fire Point wurde erst 2022 gegründet und hat sich nach eigenen Angaben innerhalb weniger Jahre von einem kleinen Start-up zu einem Unternehmen mit rund 6.000 Beschäftigten entwickelt.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs produziert das Unternehmen inzwischen mehr als die Hälfte der ukrainischen Langstreckendrohnen. Neben der FP-9 entwickelt Fire Point den Marschflugkörper FP-5 Flamingo sowie mit Freyja ein eigenes Raketenabwehrsystem, das als kostengünstigere Alternative zum US-System Patriot gedacht ist.

Auch deutsche Unternehmen sind inzwischen beteiligt: Diehl und Hensoldt haben Kooperationen mit Fire Point vereinbart.