Die umstrittene Leihmutterschaft soll in Deutschland verboten bleiben. Die CDU habe einen entsprechenden Parteitagsbeschluss, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. »Die geltende Rechtslage in Deutschland soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist.«

Das Thema wird neu debattiert, weil Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke bekannt gegeben haben, ein Kind bekommen zu haben. Die Bild-Zeitung berichtete, dass das Kind von einer Leihmutter in den USA auf die Welt gebracht wurde. Spahns Büro bestätigte dies der dpa.

In der Vergangenheit hatte Spahn sich mehrfach kritisch zur Leihmutterschaft geäußert. 2015 sagte er als damaliger gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem Magazin GQ: »Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.« Als Bundesgesundheitsminister wies er im Jahr 2020 die Forderung der FDP nach einer teilweisen Legalisierung der Leihmutterschaft zurück.

Kritik an Spahn aus CDU-Nachwuchsorganisation

Die CDU beschloss beim Parteitag im Februar: »Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft
– auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin zu
verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu
verhindern.«

Die Nachwuchsorganisation des CDU-Arbeitnehmerflügels, Junge CDA, kritisierte Spahn. Über menschliches Leben könne nicht mit Geld verfügt werden, heißt es in einem Post auf Instagram. Schwangerschaft dürfe nicht Gegenstand eines Marktes werden, deshalb sei Leihmutterschaft abzulehnen. Wenn die CDU Leihmutterschaft als Gesetzgeber verbiete, »dann sollte dieser Maßstab auch für
ihre führenden Repräsentanten gelten«. Der Familie und dem Kind wünsche man »jedes Glück dieser Welt«, aber es gehe um Glaubwürdigkeit. Politische Integrität zeige sich gerade
dann, »wenn ethische Grundsätze auch dann gelten, wenn sie den eigenen
Lebensweg betreffen«. Namentlich erwähnt wird Spahn in dem Post nicht.

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Auch der Theologe und Ethiker Peter Dabrock, früherer Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, kritisierte Spahn. »Ich finde bedenklich, wenn einer der mächtigsten Menschen der Republik sich in diese rechtliche Grauzone begibt«, sagte Dabrock der Nachrichtenagentur epd. Dieses Verhalten sei »schwierig, selbst wenn man wie ich eine gewisse Offenheit für das Thema Leihmutterschaft hat«. Es sei in diesem Fall »offensichtlich«, dass es um soziale und
finanzielle Fragen gehe. »In Kalifornien eingegangene Elternschaften
werden beispielsweise in Deutschland ohne Probleme anerkannt«, sagte er.
Sie kosteten deutlich mehr als in der Ukraine vermittelte
Leihmutterschaften, wo es entsprechende Rechtsabkommen nicht gebe. »Es geht hier also nicht nur um das Verständnis für ungewollt kinderlose
und homosexuelle Paare, sondern auch die Frage, wer sich das leisten
kann«, sagte Dabrock.

Transparenzhinweis: Peter Dabrock schreibt gelegentlich als Auto für die ZEIT. Seine Texte finden Sie hier

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