Eine echte Synthie-Pop-Legende macht in der Pfalz Station: Nik Kershaw kommt im September nach Wörth.

Das größte Konzertereignis der 1980er Jahre fand gleichzeitig auf zwei Kontinenten statt. „Live Aid“, ein von Bob Geldof und Midge Ure im Kampf gegen eine Hungersnot in Äthiopien initiiertes Spektakel, wurde am 13. Juli 1985 parallel im Londoner Wembley-Stadion und im John F. Kennedy Stadium in Philadelphia ausgetragen. Über einen Zeitraum von 16 Stunden traten damals die meisten Größen des Musikgeschäfts jener Zeit auf.

Schätzungsweise zwei Milliarden Menschen sahen in 150 Ländern dabei zu, wie sich etwa Paul McCartney, Queen, U2, David Bowie, Madonna, Elton John, Bob Dylan, Eric Clapton, Tina Turner, Mick Jagger, Led Zeppelin und The Who die Klinke in die Hand gaben – und staunten darüber, dass es Phil Collins schaffte, sogar an beiden Locations aufzutreten (und im Flugzeug noch Cher überredete, ebenfalls mitzumachen).

Texthänger bei »Live Aid«

Neben den ganzen Legenden waren natürlich auch viele Popstars der Stunde anwesend. Darunter der Brite Nik Kershaw. Der Musiker aus Bristol hatte 1984 mit „Wouldn’t It Be Good“ einen Riesenhit gelandet, im selben Jahr mit „The Riddle“ einen weiteren nachgeschoben. Kershaw war damals ein so heißes Eisen, dass die Plattenfirma ihn überredete, 1984 gleich zwei Alben auf den Markt zu bringen – für die damalige Zeit unüblich, zumal Kershaw auch alle Songs selbst schrieb. Klar also, dass einer wie er bei „Live Aid“ nicht fehlen durfte.

Es sei ein „furchteinflößender Tag“ gewesen, erinnerte sich der Mann mal im RHEINPFALZ-Interview. Die riesige Kulisse vor Ort, die unvorstellbare Masse an Menschen vor den Bildschirmen zu Hause. „Ich weiß gar nicht, wie mich meine Beine überhaupt auf die Bühne getragen haben. Ich stand neben mir vor Nervosität“, so Kershaw. Er habe da einen permanenten Begleiter, der manchmal auf seiner Schulter sitze und sage: Du bist Schrott. Seine innere negative Stimme. Sie melde sich immer zur falschen Zeit. „Wie bei ,Live Aid’. Der Auftritt verlief bis dahin recht gut, ich kam gut durchs Set“, so der Musiker. „Wouldn’t It Be Good“ sollte der letzte Song sein. „Ich war gerade dabei, mich etwas zu entspannen, als meine innere Stimme sagte: Du kennst den Text der nächsten Strophe nicht, wetten? Und tatsächlich kamen mir in diesem Fall die Worte nicht. Totale Panik bei mir natürlich, ich habe dann einfach Teile der ersten Strophe noch mal gesungen“, so Kershaw. Das habe damals keiner gemerkt, aber er wusste es eben und war total niedergeschlagen. „Nach vielen Jahren habe ich mich getraut, mir den Auftritt mal anzuschauen. Ich war verblüfft, dass man mir die Furcht nicht wirklich angesehen hat, mein Bluff funktioniert hat“, sagt Kershaw. Immerhin: Ein Trauma habe er von diesem Vorfall nicht davon getragen, auch wenn das Lampenfieber – Nik Kershaw ist mittlerweile 68 Jahre alt – nie verschwinde.

Nach seinem vierten Album verschwand Kershaw in den 1990er Jahren aus dem Rampenlicht, arbeitete stattdessen aus der zweiten Reihe heraus anderen Künstlern zu, indem er Songs für sie schrieb. Für Chesney Hawkes beispielsweise den Welthit „The One and Only“ (der unter anderem in den Filmen „Buddy’s Song“ und „Doc Hollywood“ verwendet wurde). Auch Boyzone, Elton John, The Hollies, Bonnie Tyler, Gary Barlow und Cliff Richard setzten auf seine Songwriter- oder Studiomusiker-Dienste.

In Semi-Rente

Ob es nochmal neue Musik von Kershaw geben wird? Fraglich. Die letzte EP erschien 2020, das letzte reguläre Album „Oxymoron“ kurz danach. Seither sieht sich Kershaw als „so halb in Rente“ an, wobei er immer noch regelmäßig auftritt. Dass die Fans dabei vor allem die Hits aus den 1980er Jahren erwarten, stört ihn mittlerweile nicht mehr. Kershaw: „Viele Leute verbinden mich mit dieser Dekade und den Songs, und das ist in Ordnung. Natürlich hatte auch ich mal eine Phase, in der mir das gegen den Strich ging. Aber irgendwann habe ich mir gedacht: Diese Songs haben mir alles ermöglicht und viel gegeben. Die Leute wollen mich immer noch sehen und hören, vor allem wegen dieser Lieder. Es gibt sogar Hardcore-Fans, die mir seither treu geblieben sind.“ Und die dürfen sich freuen, dass Kershaw auch 2026 wieder auf Tournee ist – und dabei unter anderem am 6. September in Wörth Station macht.

Termin

SWR4-Festival: Nik Kershaw – So 6.9., 19 Uhr, Festhalle, Wörth am Rhein; Tickets auf www.woerth.de oder über den SWR