Delivery Hero Firmenzentrale, Berlin.

Stand: 16.07.2026 • 15:03 Uhr

Es ist eine der größten Übernahmen in der europäischen Lieferbranche: Der US-Konzern Uber kauft den deutschen Essenslieferdienst Delivery Hero. Es geht um fast 13 Milliarden Euro.

Der US-Fahrdienst- und Lieferkonzern Uber und der deutsche Essenslieferdienst Delivery Hero haben sich auf eine Übernahme geeinigt. Das teilten beide Unternehmen mit. Dazu hat Uber den Aktionären des Berliner Unternehmens 41,50 Euro je Aktie angeboten.

Es geht damit um ein Transaktionsvolumen von rund 12,7 Milliarden Euro. Voraussetzung für die Übernahme war, dass Uber mindestens 50 Prozent plus eine Aktie von Delivery Hero übernimmt.

Großaktionär Prosus unterstützt Übernahme

Uber hatte sich bereits zuvor einen Anteil am deutschen Lieferdienst gesichert. Rund 25 Prozent der Aktien befinden sich nach Unternehmensangaben bereits in direktem Besitz des US-Konzerns. Weitere knapp zwölf Prozent kontrolliert Uber über Finanzinstrumente.

Unterstützung für die Übernahme kam vom Großaktionär Prosus. Der niederländische Technologieinvestor hält knapp 17 Prozent an Delivery Hero und hat zugesagt, seine Beteiligung an Uber abzugeben.

Delivery Hero hatte erst wenige Tage zuvor bestätigt, dass es Gespräche über eine mögliche Übernahme durch Uber gibt. Nun liegt das offizielle Angebot vor.

Aktie drehte mittags ins Plus

An der Börse wurden die Neuigkeiten zunächst mit leichten Kursverlusten quittiert. Später drehte der Kurs in die Gewinnzone. Um die Mittagszeit lag er mit 1,2 Prozent im Plus bei 38,65 Euro. Damit blieb er jedoch noch klar unter dem Preis von 41,50 Euro, den Uber für jedes Papier bietet.

Das könnte daran liegen, dass sich der Vollzug des Deals auch wegen Kartellfragen noch etwas hinziehen dürfte. Branchenexperte Giles Thorne vom Investmenthaus Jefferies sieht indes kaum Chancen, dass ein weiterer Bieter auftaucht, der den Preis nach oben treiben könnte.

Delivery Hero notiert im MDAX. Im April hatte das Papier noch weniger als 20 Euro gekostet.

Fusion zweier Lieferkonzerne

Mit der Übernahme rücken zwei große Anbieter im internationalen Liefergeschäft enger zusammen. Uber ist neben seinem Fahrdienstgeschäft auch im Bereich Essenslieferungen aktiv. Delivery Hero hat seinen Sitz in Berlin, ist aber seit dem Verkauf des Deutschland-Geschäfts an Just Eat Takeaway hierzulande operativ nicht mehr aktiv.

Das Unternehmen zählt allerdings wegen der starken Präsenz in Asien, Südeuropa, der Arabischen Halbinsel und Afrika zu den weltweit größten Essenslieferdiensten. Um Kartellprobleme zu vermeiden, gibt Delivery Hero sein Geschäft in 14 Ländern für 1,4 Milliarden Euro an den New Yorker Finanzinvestor SSW Partners ab. Betroffen sind Österreich, Chile, Zypern, die Tschechische Republik, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und die Türkei.

Keine Änderungen bei Belegschaft

Uber verpflichtet sich im Zuge des Kaufs dazu, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin beizubehalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der Belegschaft in der Bundeshauptstadt vorzunehmen.

Der US-Konzern habe überdies zugesagt, sich zu bemühen, bis 2031 zwei Milliarden Dollar in Deutschland zu investieren – mit Fokus auf den „Ausbau seiner lokalen Unternehmensbelegschaft, das Wachstum seines landesweiten Geschäfts sowie auf die Einführung von Angeboten im Bereich autonomes Fahren und Partnerschaften mit der deutschen Automobilindustrie“.

Uber lobt Team von Delivery Hero

„Das talentierte Team von Delivery Hero hat ein beeindruckendes Unternehmen aufgebaut – mit beliebten lokalen Marken und führenden Positionen in einigen der weltweit am schnellsten wachsenden Liefermärkten“, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Delivery Heros Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund räumte ein, dass der Berliner Konzern in seinem Geschäft zu kämpfen hatte. „Das Liefergeschäft ist hochkompetitiv und in hohem Maße von Skaleneffekten abhängig“, sagte sie. „Der Zusammenschluss mit einem starken Partner ist jetzt der richtige Schritt, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Fähigkeit zur Wertschöpfung für alle Stakeholder von Delivery Hero bestmöglich zu sichern.“

Für Lieferdienste ist es schwierig

Delivery Hero hat jahrelang unter dem Strich fast durchweg rote Zahlen geschrieben. Einen Überschuss fuhr der Konzern nur im Jahr 2019 ein. Da hatte er sein Deutschlandgeschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com (heute Just Eat Takeaway) verkauft und damit einen hohen Sondergewinn eingestrichen.

Stefan Riße von der Vermögensverwaltung Acatis sagte: „Das kann sich jeder ausrechnen, dass das schwer ist, damit Geld zu verdienen. Essenslieferung für 20 Euro und davon muss das Restaurant bezahlt werden, der Fahrer bezahlt werden und der Aktionär von Delivery Hero muss auch noch was übrig behalten.“

Aus Sicht von Uber sei der Deal interessant, weil Uber damit in Märkte komme, in denen das Unternehmen noch nicht stark vertreten ist. So könnten die Taxi-Fahrer von Uber in einer Leerlauf-Phase mit wenig Kundschaft Essen ausliefern. „Und Uber kann Synergien nutzen, die Delivery Hero eben nicht hat“, so Riße.