Bielefeld-Brackwede. Die Freunde der Mühle Niemöller trauern um ihren ehemaligen Vorsitzenden, um einen großen Förderer der Wassermühle im Ortsteil Bielefeld-Quelle. Im Alter von 80 Jahren ist jetzt Karl-Heinz Stoßberg, von allen nur Carlo genannt, am 20. April verstorben.
Stoßberg ist am 22. Juli 1945 in Lingen an der Ems zur Welt gekommen. Später wurde Bielefeld-Brackwede seine Wahlheimat. Und als es darum ging, Niemöllers Mühle, die aus dem Jahr 1535 stammt, neues Leben einzuhauchen, war Carlo ganz vorne mit dabei.
1984 hatte eine Gruppe Queller Bürger die Idee, die Mühle vor dem endgültigen Verfall zu retten und einen Verein zu gründen. Die erste Renovierungsphase dauerte bis 1991, in dem Jahr wurde dann der „Verein der Freunde und Förderer der Mühle Niemöller in Quelle“ gegründet. Ziel war es, die Wassermühle wieder in Gang zu kriegen und dort auch wieder zu mahlen. Was bekanntlich auch gelungen ist.
Carlo Stoßberg organisierte, übernahm Verantwortung, wurde 2007 dann 2. Vorsitzender des Vereins. Im Jahr 2011 übernahm er von Horst Schaede den Vorsitz und lenkte den Verein bis 2019. Vor allem bei der Sponsorensuche hat er auf seine guten Kontakte zurückgreifen können. „Er hat den Verein hervorragend gemanagt“, sagt Wegbegleiter Hans Lagerquist, „besser ging es gar nicht.“ Stoßberg habe sich wirklich mit Herzblut für Quelle im Allgemeinen und für die Mühle im Besonderen eingesetzt. Seinem jungen Nachfolger an der Spitze des Vereins, Jesse Oppenhäuser, stand er noch zwei Jahre als Geschäftsführer mit seinem Wissen und Können zur Seite.
Carlo Stoßberg war groß darin, Sponsoren für die Mühle zu finden
Niemöllers Mühle in Bielefeld-Quelle war viele Jahre Carlo Stoßbergs zweites Zuhause. Er hat maßgeblich zur Wiederbelebung von Bielefelds einziger funktionierender Wassermühle beigetragen.
| © Susanne Lahr
Bei den Mühlentagen, zu denen Niemöllers Mühle regelmäßig zu einem beliebten Ausflugsziel wird, beantwortete Stoßberg gerne alle Fragen zur Technik der Mühle und zum Backhaus, in dem seit 2000 leckere Plattenkuchen und Schrotbrot gebacken werden. Auch dank Stoßbergs Engagement und unermüdlicher Sponsorensuche konnte 2009 das marode hölzerne Mühlrad durch eine nicht rostende Stahlkonstruktion ersetzt werden.
Zeitweise war Carlo Stoßberg auch als Redakteur für das „Queller Blatt“ des Heimatvereins tätig. Dass ihm das Schreiben lag, bewies der Verstorbene auch mit seinen Gedichten, die er zu Themen aus aller Welt verfasste und in eigenen Gedichtbänden zusammenfasste.
Zudem liebte der Informatikexperte die Natur und war sehr häufig mit der Kamera unterwegs, oft begleitet von seinen geliebten Border Terriern. Seine Bilder habe er nicht nur bei Ausstellungen in der Mühle gezeigt, sondern auch anderenorts, weiß Hans Lagerquist zu berichten. Außerdem habe Carlo jedes Computerproblem lösen können. KHS IT-Service hieß seine kleine Firma, die er vor Jahrzehnten gegründet hat. Zu Hause hat er sich mit viel Freude der Pflege seines kleinen insektenfreundlichen Gartens gewidmet.
Carlo Stoßbergs Trauerfeier findet im engsten Familienkreis statt. Er hinterlässt Ehefrau Andrea, drei Kinder und sechs Enkelkinder.
