Poser, die nach erfolgreichem Training stolz die Muskeln spielen lassen und das Ganze filmisch oder fotografisch festhalten, sind eine Trope. Die sozialen Medien sind jedenfalls voll von entsprechenden Inhalten.
Man sollte Verständnis haben für die Produzenten ebendieser, ein bisschen zumindest: Wozu zig schweißtreibende Einheiten Squats, Dips und Lunges vollziehen, wenn sich das Ganze nicht in irgendeiner Form zu Content verarbeiten lässt? Das Problem: Dieser muss auch erstellt werden – und das passiert meist am Ort des Geschehens selbst, im Fitnessstudio.
Ich wurde fristlos gekündigt – einfach nur aus dem Grund, weil eine andere Frau neidisch auf mich war.
Edda Pilz, Berliner Influencerin
Doch während die einen sich in einem öffentlichen Raum wähnen, den sie für ihr Geschäftsmodell nutzen, fühlen sich andere beobachtet und in ihrer Privatsphäre verletzt. Das hatte nun Konsequenzen für die Berliner Influencerin Edda Pilz: Nach vier Jahren Mitgliedschaft kündigte die Fitnesskette John Reed ihr Mitte der Woche fristlos und sprach ein Hausverbot aus. Pilz, die vor allem aus unterschiedlichen Reality-TV-Formaten bekannt ist, machte den Vorgang anschließend öffentlich und zeigte wenig Verständnis.
Die Berlinerin Edda Pilz ist 25 Jahre alt und vor allem aus Reality-TV-Formaten bekannt.
© IMAGO/Tai Ngo
Ihren über eine halbe Million Followern erklärte sie in einem Video auf Instagram: „Willkommen in Deutschland, wo du aus Neid von einer anderen Frau fristlos im Gym gekündigt wirst, weil sie getriggert von deinen Spiegelbildern war.“ Sie habe regelmäßig Spiegelbilder oder Trainingsvideos aufgenommen und sich dafür – wenn nötig – sogar Drehgenehmigungen eingeholt. Zudem habe sie darauf geachtet, möglichst keine anderen Trainierenden zu filmen.
In einem weiteren Video liest Pilz das Kündigungsschreiben vor, das sie von John Reed erhalten haben soll. In diesem stehe, dass sie sich mehrfach der Aufforderung einer Mitarbeit widersetzt haben soll, das Fotografieren im Spiegel zu unterlassen. Sollte sie sich in Zukunft Zugang zu einem Studio der Kette verschaffen, liest Pilz weiter vor, drohe ihr eine Strafe von 250.000 Euro.
John Reed erklärte gegenüber RTL: „Sie hat mehrfach gegen unsere Hausordnung verstoßen und wurde im Vorfeld bereits abgemahnt.“ Welche konkreten Verstöße zur Kündigung geführt hätten, teilte die Fitnessstudio-Kette auf Tagesspiegel-Anfrage bisher nicht mit.
Filmen im Studio, ein globales Problem
Pilz bestreitet wiederum, bewusst gegen Regeln verstoßen zu haben. Gleichzeitig räumte sie ein, bereits zuvor eine Abmahnung erhalten zu haben – diese habe sich nach ihrer Darstellung allerdings nicht auf Filmaufnahmen, sondern darauf bezogen, dass sie auf Socken durch den Studioflur zu einem Pilates-Kurs gelaufen sei.
In Berlin ist Pilz ein mehr oder weniger prominenter Einzelfall, der jedoch tatsächliche Spannungen sichtbar macht. Zahlreiche Diskussionen in internationalen Fitness-Foren zeigen das. Unter anderem im Internetforum Reddit berichten Nutzer immer wieder von Unbehagen gegenüber umfangreichen Kamera-Set-ups in ihren Studios.
Das Handy war so aufgestellt, dass die Toiletten sowie die Dusche im Bild waren. Ich musste auch quer durchs Bild laufen, um zu meinem Spind zu gelangen.
Reddit-Nutzer
„Können wir Stative und das Filmen im Fitnessstudio endlich verbieten?“, fragte hier ein Nutzer bereits im vergangenen Jahr in einem Thread. Währenddessen berichtet ein anderer unter der Frage „Filmen in der Umkleide – was hättet ihr gemacht?“: „In der Umkleide habe ich zwei junge Männer vorgefunden, welche vor einem Tripod posierten und ein Video drehten (…). Das Handy war so aufgestellt, dass die Toiletten sowie die Dusche im Bild waren. Ich musste auch quer durchs Bild laufen, um zu meinem Spind zu gelangen.“
Die rechtliche Lage ist klar
Die rechtliche Lage ist vergleichsweise klar: Ein Fitnessstudio ist zwar öffentlich zugänglich, bleibt aber ein privater Raum. Der Betreiber kann daher über sein Hausrecht festlegen, ob und unter welchen Bedingungen fotografiert oder gefilmt werden darf. Entsprechende Regeln können Teil der Hausordnung oder des Mitgliedsvertrags sein.
Vor allem bei regelmäßiger Content-Produktion für soziale Netzwerke kann ein Studio verlangen, dass vorher eine Genehmigung eingeholt wird. Denn professionelle oder kommerzielle Aufnahmen gehen über private Erinnerungsfotos hinaus und stellen eine Nutzung der Räumlichkeiten für eigene Zwecke dar. Zusätzlich müssen die Persönlichkeitsrechte anderer Mitglieder gewahrt werden.
Mehr zum ThemaTipps vom Promi-Trainer „Wenn es so einfach wäre, hätte jeder einen Sixpack“ Ins Fitnessstudio oder einen Joint rauchen? Was in der Pause erlaubt ist – und was nicht Brandenburg Fitnessstudio am Bahnsteig
Für den Fall Edda Pilz bedeutet das: Entscheidend ist nicht allein, ob sie im Studio gefilmt hat, sondern ob sie dabei gegen konkrete Regeln von John Reed verstoßen hat. Für alle anderen, die sich von den filmenden „Gym“-Kollegen gestört fühlen, gilt: Ein Blick in die Hausordnung kann sich lohnen. Wer keine Rücksicht nimmt, fliegt raus.