Fast 1400 Besucher waren am Mittwochabend zum Chorkonzert in die Historische Stadthalle gekommen. Beim gemeinsamen Konzert von Sinfonieorchester Wuppertal (SOW), Kurrende und Mädchenkurrende erlebten sie einen grandiosen Saisonabschluss. Und eine Premiere: Das Sinfonieorchester hatte erstmals die Kurrenden zu einem seiner Chorkonzerte eingeladen. Mit Dorothee Mields (Sopran), Bettina Ranch (Alt), Florian Sievers (Tenor) und Thomas Laske (Bariton) konnten hochkarätige Solisten gewonnen werden.
Zu Beginn des Konzerts erklang die Unheil verkündende Ouvertüre zur Oper Don Giovanni. Unter dem achtsamen Dirigat von Lukas Baumann gelang dem SOW die Balance zwischen rasantem Tempo, trügerischer Ruhe und expressiver Kraft. In nur sieben Minuten wurde die Dramatik der Oper erzählt.
Weit weg von Mozart bewegte sich das zweite Werk, das Konzert für Orgel, Streicher und Pauke g-Moll von Francis Poulenc (1899-1963). Es erklang in einer expressiven Tonsprache, mal aufbrausend und gewaltig, mal leise und zurückgenommen. Jens-Peter Enk versuchte, an der großen Sauer-Orgel die Palette der Emotionen darzustellen. Das gelang zumeist, geriet aber an manchen Stellen zu vehement und für Zuhörer, die „Mozart“ erwartet hatten, irritierend.
Nach der Pause standen 75 Sänger der Wuppertaler Kurrende und knapp 40 Sängerinnen der Elberfelder Mädchenkurrende auf der Chorempore und präsentierten mit äußerst wohlklingenden jungen Stimmen das Requiem d-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Es zählt zu seinen größten Meisterwerken, blieb jedoch unvollendet, da der Komponist vor der Fertigstellung starb. So wurde Mozarts Requiem zu seiner eigenen Totenmesse und zur Quelle vieler Mythen. Im Spielfilm „Amadeus“ von Milos Forman zieht sich das Requiem wie ein eindrucksvoller roter Faden durch den Soundtrack.
Grandioser Saisonabschluss für Beteiligte und Besucher
Unter dem zugewandten, akzentuierten Dirigat von Baumann, dem Leiter der Wuppertaler Kurrende, sangen beide Chöre makellos und mit großer Ausdruckskraft. Der Chorgesang sorgte durchgängig für größten Hörgenuss. Die vier Solisten gestalteten Mozarts Werk klar und authentisch, ohne Pathos, mit glaubhaften Emotionen und in deutlicher Diktion. Die renommierte Barockspezialistin Dorothee Mields sang mit glockenhellem, klangschönen Sopran, Bettina Ranch überzeugte mit samtig warm timbriertem, farbenreichen Mezzo, Florian Sievers mit klarem, klangschönen Tenor. Thomas Laske begeisterte die Zuhörer mit seinem wohltönenden, warmen Bass-Bariton. Die Quartette erklangen in größter Schönheit und Harmonie. Mädchen- und Knabensoprane sangen mit eindrucksvoller Lieblichkeit. Zarte Streicherklänge leiteten das dramatische „Lacrimosa“ ein, das die gut vorbereiteten Chöre äußerst ergreifend vortrugen. Nach dem „Lacrimosa“ setzte der Dirigent eine Pause – hier brach Mozarts Komposition komplett ab. Auch andere Teile des Requiems blieben nur Fragment.
Franz Xaver Süssmayr, ein Schüler Mozarts, vollendete das Sakralwerk im Auftrag von Mozarts Witwe Constanze. Das Sinfonieorchester erzeugte transparenten Mozartklang, ließ Hoffnung, Hoffnungslosigkeit und die Endlichkeit des menschlichen Lebens gleichermaßen deutlich spüren. Das Requiem trägt alle Emotionen in sich, denen ein Mensch angesichts des Todes begegnet: Angst, Wut, Verzweiflung Traurigkeit, Trost. Es war beeindruckend, wie gut es den Kurrendanern – die jüngsten erst zehn Jahre alt – gelang, dies zu vermitteln. Nachdem der letzte Ton verklungen war, hielt das Publikum ergriffen inne. Dann brandete riesengroßer, nicht enden wollender Beifall auf für einen grandiosen Saisonabschluss für die Beteiligten und die Besucher.
Die Kurrende wurde 1924 vom damals 27-jährigen Erich vom Baur gegründet. Das erste Konzert gab der Knabenchor bereits 1924 in der Elberfelder Stadthalle. Heute zählt die Wuppertaler Kurrende zu den renommiertesten Knabenchören des Landes.