Stand: 17.07.2026 10:14 Uhr
Schulen können bei großer Hitze den Unterricht verkürzen, für Kitas gibt es kein klassisches Hitzefrei. Sie müssen ihren Betreuungsauftrag erfüllen und gleichzeitig Kinder und Beschäftigte schützen.
Wenn die Temperaturen steigen, geraten viele Kitas an ihre Grenzen. „Wir haben versucht, das Außengelände mit Sonnensegeln und Sonnenschirmen zu schützen. Aber so zentrale Bereiche wie die Rutsche und die Schaukel, die sind eben mitten in der Sonne und sind ab einer gewissen Uhrzeit einfach nicht mehr nutzbar“, sagt Tim Arndt-Sinner, Geschäftsführer einer privaten Kita in der Wedemark (Region Hannover).

Alte Gebäude sind unzureichend gedämmt
Das Hauptgebäude der Kita stammt aus den 1960er Jahren. Aus Sicht der pädagogischen Leiterin Maike Wolter-Peeksen ist eine Sanierung unumgänglich. „Wir brauchen andere Dämmungen, vernünftige Fenster. Damit geht es los.“ Zwar habe die Region Hannover Sonnenschirme mitfinanziert, dafür sei man dankbar, „aber langfristig steht und fällt es mit dem Gebäude“, so Wolter-Peeksen.
Kein Hitzefrei – Träger haben aber Schutzpflicht
Anders als vielfach angenommen, gibt es weder für Schulen noch für Kitas eine gesetzlich festgelegte Temperatur, ab der es automatisch Hitzefrei gilt. Dafür gibt es laut Niedersächsischem Kultusministerium hauptsächlich zwei Gründe: Die Gebäude und ihre Möglichkeiten zu kühlen unterscheiden sich landesweit extrem. Der zweite Grund ist der gesetzliche Betreuungsauftrag. Kinder können nicht einfach nach Hause geschickt werden, solange ihre Betreuung nicht anderweitig sichergestellt ist.
Kitas müssen Tagesablauf anpassen
Deshalb sind Kindertagesstätten dazu angehalten, zunächst andere Maßnahmen zu ergreifen. Wie etwa zusätzliche Getränke, Aufenthalte im Schatten, veränderte Tagesabläufe oder angepasste Betreuungszeiten. Nach Angaben des Kultusministeriums liegt die Verantwortung für Kitas aber nicht beim Land, sondern bei den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe. In Niedersachsen sind das in der Regel die Landkreise und kreisfreien Städte.
Kommunen und Träger fordern mehr Unterstützung
Die Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen kostet. „Ich glaube, die Kommunen sind am Rande dessen, was sie leisten können. Das Geld muss aus anderen Mitteln kommen und die Kita-Träger haben es definitiv nicht“, sagt Arndt-Sinner, der auch Vorsitzender des Niedersächsischen Kita-Bundes ist. Das Kultusministerium verweist auf rund 251 Millionen Euro aus den Sonderschulden des Bundes für Infrastruktur und Klimaschutz, die an die Kommunen fließen sollen.

Das zeigt die Halbjahresbilanz des ARD-Wetterkompetenzzentrums. Schon kommende Woche soll die nächste Hitzewelle anstehen.
Bundesweit Rückstand bei Investitionen
Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund hält das für nicht ausreichend. Dem „stehen bundesweit kommunale Investitionsrückstände von rund 216 Milliarden Euro gegenüber“. Zudem hatten die Kommunen in den vergangenen Jahren bundesweit „ein Defizit von fast 60 Milliarden Euro“. Kommunen könnten die nötigen Investitionen deshalb sicher nicht stemmen, so Trips.
Viele Einrichtungen sehen sich nicht ausreichend vorbereitet
Günstige Lösungen wie Sonnenschirme helfen bei Hitzewellen wie vor zwei Wochen nicht weiter, meint Kita-Geschäftsführer Tim Arndt-Sinner. „Wir hatten 38,5 Grad im Schatten. Und das war Ende Juni. Wir sind am Anfang des Sommers.“ Die Kinder kämen teilweise schon übermüdet in die Kita, weil sie die Nacht nicht gut geschlafen hätten. „Da gibt es auch Eltern, die haben eine Dachgeschosswohnung und haben selbst Probleme, ihre Räumlichkeiten runterzukühlen.“ Er ist sich sicher, das Thema Hitze wird Kitas in den nächsten Jahren weiter umtreiben.
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