Im Nachbarland schlägt die Nachricht hohe Wellen – immerhin genießen die Geschäfte Kultstatus. Vorerst sind die Märkte aber weiter geöffnet. Am Donnerstagmittag ging in Siebengewald alles seinen gewohnten Gang, wie ein Besuch unserer Redaktion offenbarte. Trotz Hitze waren viele Kunden in den klimatisierten Gängen unterwegs, Deutsch war die Verkehrssprache.
Nun wird auf beiden Seiten der Grenze mit Spannung erwartet, welchen Weg der eingesetzte Insolvenzverwalter für „2 Brüder“ einschlägt. Die Unternehmensleitung hat jedenfalls klargemacht, dass man auf einen Neustart hofft – und die Belegschaft zügig Klarheit über die Zukunft bekommen soll.
Sanierungsverfahren war nicht erfolgreich
Eigentlich war „2 Brüder“ in den vergangenen Jahren auf Wachstumskurs. Die große Filiale in Venlo wurde kurz vor der Pandemie umgebaut, zwischenzeitlich versuchte man es mit einem Pop-up-Store in der Grenzstadt Enschede. Im Jahr 2020 expandierte „2 Brüder“ dann durch die Übernahme von „H&P Siebengewald“ in Richtung deutsche Grenze bei Goch, 2024 folgte „Backus am Grenzübergang“ in Venlo.
Klar ist nun: Der Plan, die Kette über ein sogenanntes WHOA-Verfahren zu sanieren, war zumindest vorerst erfolglos. Dieses Instrument des niederländischen Finanzamts richtet sich an Unternehmen, die nachweislich lebensfähig sind – wenn nur die Corona-Schulden vom Tisch wären. „Während der Corona-Pandemie haben wir riesige Schulden aufgebaut. Die meisten Unternehmen haben damals ihre Ausfälle vom Staat kompensiert bekommen“, sagte Rehe im vergangenen Jahr im Gespräch mit unserer Redaktion.
Beliebte Anlaufstelle für typisch niederländische Lebensmittel
Die „2 Brüder“ hätten sich aber in einer besonderen Situation befunden: Für die Beantragung von Corona-Hilfen habe man die Umsatzzahlen der beiden Geschäftsjahre vor der Pandemie nachweisen müssen. Allerdings wurde der Markt 2019 umfassend umgebaut, es gab also praktisch keinen Umsatz. „Deshalb haben wir keine Unterstützung erhalten. So sind die Regeln – aber für uns war das sehr schmerzhaft“, sagte der Geschäftsführer.
Rehe zeigte sich jedoch zuversichtlich, die Märkte auf Kurs bringen zu können. „Die Geschäfte in Siebengewald und Venlo haben Zukunft. Zumal wir vor der Pandemie im großen Stil in die Läden investiert haben. Nun müssen wir nur dafür sorgen, die Corona-Schulden hinter uns zu lassen“, sagte Rehe. Man sei unabhängig geprüft worden und habe alle Tests bestanden. „Die Zukunft ist also sicher“, sagte der Niederländer.
Zum Hintergrund: „2 Brüder“ ist seit über 65 Jahren eine Institution in Venlo, die vor allem Kunden aus dem deutschen Grenzgebiet anzieht. Kaffee, Käse, Stroopwafels oder Drop – viele Besucher aus Deutschland decken sich dort mit typisch niederländischen Lebensmitteln ein.
Märkte sind ganz auf deutsche Kunden eingestellt
Rehe sagte denn auch: „Wir sind mit unseren Märkten komplett auf deutsche Kundschaft eingestellt. Das merkt man schon im Eingangsbereich. Alle unsere Mitarbeiter sprechen Deutsch, die Auszeichnung der Waren und der Preise erfolgt ebenfalls auf Deutsch.“ Der Geschäftsführer machte aber auch darauf aufmerksam, dass etwa der in den Niederlanden 2023 eingeführte Pfand auf Getränkedosen Umsatz gekostet habe.
Wie eng die grenzüberschreitende Verbindung ist, zeigte sich auch im Jahr 2011: Zum 50. Firmen-Jubiläum von „2 Brüder“ wurde mitten im Venloer Stadtzentrum ein Kunstwerk von Arno Coenen installiert. Auf ihm stehen der deutsche Adler und der niederländische Löwe brüderlich nebeneinander.