Schon einige Minuten bevor die Buden und Fahrgeschäfte auf der Rheinkirmes am Freitagnachmittag öffnen sollten, strömten die ersten Besucher auf die Festwiese. Sie konnten es offenbar kaum erwarten, dass eines der meistbesuchten Volksfeste Deutschlands wieder beginnt. Als es dann um 14 Uhr so weit war und die größte Kirmes am Rhein in ihre diesjährige Saison startete, waren bereits Hunderte Besucher auf dem Gelände. Und viele von ihnen steuerten vor allem eine Neuheit an: den „Invader“. Der hatte dann aber ausgerechnet Startprobleme. Später lief er dann an – so ist das manchmal.

Das ein oder andere Kreischen war trotzdem schon zu hören, schließlich sind mehrere Fahrgeschäfte für Adrenalin-Junkies dabei. Aber auch für Kinder und Familien ist wie immer einiges geboten, das nutzten manche bereits am Freitagnachmittag. Schließlich ist der Rummel zum Auftakt noch nicht so voll, wie er in den kommenden Tagen sicher häufig werden wird. Rund vier Millionen Besucher erwarten die Veranstalter während der zehntägigen Kirmes.

Die offizielle Eröffnung folgte dann etwas später: Um 16.30 Uhr wurde die Rheinkirmes von den St. Sebastianus Schützen von 1316 dann auch noch offiziell für die Besucher freigegeben. Begrüßt wurden die Gäste von Schützen-Chef Andreas-Paul Stieber und Oberbürgermeister Stephan Keller. Begleitet von Marschmusik zogen die Schützen gemeinsam mit einigen Schaustellern über die Festwiese.

Dafür hatte sich einiges an Lokalprominenz eingefunden: neben dem Oberbürgermeister und seiner Partnerin Meike Folkerts auch Vertreter aus Politik und Stadtgesellschaft. Die Bürgermeister Fabian Zachel (SPD), Clara Gerlach (Grüne) und Josef Hinkel (CDU) gehörten dazu, die Europaparlamentarierin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Jarzombek (CDU). Unter anderem waren auch Schausteller-Chef Oliver Wilmering, Schausteller Oscar Bruch, Jonges-Baas Reinhold Hahlhege, Füchschen-Chef Peter König und Schumacher-Chefin Thea Ungermann dabei.

Im Schützenzelt folgte dann der Fahneneinlauf der Vereinsregimenter sowie einiger Schaustellerverbände. Den Empfang im Festzelt konnte wohl vor allem der Schützen-Chef kaum abwarten. Ihm wurde die neue Schützenchefkette überreicht – und auf die hat er lange warten müssen. Vor zwei Jahren wurde die Kette im Schützenzelt geklaut. Bereits Anfang des Jahres präsentierte er den Entwurf der neuen Kette, nun kann Stieber sie wieder tragen. „So eine Kette kauft man nicht mal eben neu“, sagte Oberbürgermeister Stephan Keller, bevor er sie ihm feierlich überreichte. Die neue Kette stehe unter dem Motto „Gemeinsam für die Zukunft“, ergänzte Oberst Torsten Peters.

Mit dem Fassanstich erklärte auch der Oberbürgermeister die Rheinkirmes offiziell für eröffnet. „Eine Veranstaltung mit Millionenpublikum auf die Beine zu stellen, verdient Anerkennung. Es ist schön, zu sehen, dass das Brauchtum so lebendig und sichtbar ist“, sagte er.

Wie wichtig das Brauchtum auch für die Existenz der Rheinkirmes ist, machte Andreas-Paul Stieber deutlich. „Die Rheinkirmes ist nicht der Anlass für das Schützenfest, sondern unser Schützenfest ist der Anlass für die Rheinkirmes.“ Während der Kirmes wird auch der Namenstag des Heiligen Apollinaris, dem Schutzpatron von Düsseldorf, gefeiert. „Tradition heißt, zu wissen, wo man herkommt, zu verstehen, wo man steht, und mutig voranzugehen“, sagte Stieber.

Nach der offiziellen Eröffnung am späten Nachmittag füllte sich der Kirmesplatz immer mehr. Ein Freitagabend, noch immer Sonnenschein – perfekte Kirmesvoraussetzungen also. An zehn Tagen können Besucher auch einiges auf der Rheinkirmes entdecken. Da sind natürlich die Karussells, in jedem Jahr gibt es da ein paar Neuheiten. Dass eine von zwei erhofften Weltneuheiten in diesem Jahr doch nicht kommen konnte und die andere zum Auftakt streikte – sei es drum. Den Adrenalinschub werden jene, die danach suchen, aber auch auf anderen Attraktionen finden. Beispielsweise mit dem Karussell „Mondlift“, ebenfalls ein Neuzugang. Das ist ein Fahrgeschäft, bei dem Besucher Loopings ohne Schulterbügel fahren und nur durch die Fliehkraft in den Sitz gedrückt werden.

Die Vorfreude dürfte bei Kirmes-Fans seit Wochen gestiegen sein, schließlich konnten sie den Aufbau der großen Fahrgeschäfte Stück für Stück beobachten. Eines steht schon am ersten Tag des großen Volksfestes fest: Alle, die schon als Kind diese Kirmes besucht haben, werden das Kribbeln der Nostalgie spüren, sobald sie den ersten Schritt auf das Festgelände setzen. Der Duft nach gebrannten Mandeln, nach Zuckerwatte oder Bratwurst; die bunten Lichter an jeder Stelle, das Lachen der Kinder, das Leuchten der schwingenden und sausenden Karussells – das alles weckt Erinnerungen. Und es verspricht zumindest zehn Tage, in denen ein kleines bisschen Weltflucht möglich ist – und auch vollkommen in Ordnung.

Auf Skeptiker solcher Großveranstaltungen mag es ungewöhnlich wirken, dass ausgerechnet ein Zusammenkommen der ständigen Reize ein Zufluchtsort sein soll. Doch es ist ja nicht nur Nostalgie, die bei der Kirmes begeistern kann, es ist die Aufregung, das Erleben von Neuem. Und zu einem großen Teil auch Tradition. Davon bekommen einige Besucher vielleicht gar nicht so viel mit, aber in der größten Kirmes am Rhein steckt viel Ehrenamt und Brauchtum.

Doch ohnehin bietet die Kirmes mehr Möglichkeiten als den Besuch von einem Fahrgeschäft nach dem anderen. Man kann auf dem Festgelände durchaus auch eine kleine – und ereignisreiche – kulinarische Rundfahrt beginnen. Natürlich gibt es die Klassiker wie gebratene Champignons, Backfisch oder Langos. Doch wie wäre es einmal mit Kaiserschmarrn auf die Hand? Gibt es in diesem Jahr erstmals bei einem Gastronomen. Wem das nicht aufregend genug oder zu süß ist, könnte zu North Carolina Pulled Pork greifen, das sich laut der amerikanischen Kulinarik-Institution James Beard Foundation unter anderem durch seine essiglastige Soße auszeichnet.

Ein ganz eigener Anlaufpunkt für solche, die mit feinem Gaumen gesegnet sind – oder sich zumindest gerne so sehen – ist das Weinzelt. Das steht in diesem Jahr zum zweiten Mal auf dem Festgelände und ist damit geradezu rheinländisch traditionell auf dem besten Weg zum Brauchtum. Wer das Zelt sucht, wird nicht mehr in direkter Nähe des Riesenrads fündig, sondern am Rhein – mit toller Aussicht auf das Wasser und die Altstadt. Die Außenfläche wirkt noch mal ein ganzes Stück größer als im vergangenen Jahr.

Während das Weinzelt bereits einige Fans gewonnen hat, feiern andere Besucher lieber in den Zelten der Brauereien. Ob Schlüssel, Schlösser, Kürzer, Uerige oder Schumacher – die Hausbrauereien bringen ihr Flair ebenfalls auf das Kirmesgelände. Gut, es wird dort vielleicht noch etwas mehr gefeiert, mit bekannten Düsseldorfer Liveacts wie Porno al Forno und Fresh Music Live etwa. Und auch die St. Sebastianus Schützen wollen den Erfolg ihrer im vergangenen Jahr erstmals ausprobierten Konzerte auf dieses Jahr übertragen. Die ganz großen Namen wie Brings oder die Höhner fehlen in diesem Jahr zwar, trotzdem dürften etwa die Swinging Funfares, die aus dem Düsseldorfer Karneval bekannt sind, den Besuchern einheizen. Und sie haben den Vorteil, dass sie bei ihren Auftritten weniger Witze über das schlechte Bier in der anderen großen Stadt am Rhein beschwören.

Wie auch immer Sie dazu stehen, die Rheinkirmes wird Ihnen zehn Tage Programm bieten, ob Sie feiern, kreischen oder essen wollen. Die Drohnenshows werden wieder ein besonderes Highlight sein. Die erste unter dem Motto „Art in the Sky – Inspiriert von Düsseldorf“ am Dienstag, 21. Juli, um 22.30 Uhr. Die zweite Show folgt am Freitag, 24. Juli, unter dem Motto „Düsseldorf feiert“ unmittelbar vor dem Feuerwerk. Start ist dann um 22.15 Uhr.

Die Planungen für den Freitagabend dürften besonders intensiv gewesen sein. Bilder wie aus dem vergangenen Jahr sollen auf jeden Fall ausgeschlossen werden: das Unglück beim Feuerwerk, bei dem 19 Menschen teils schwer von Querschlägern verletzt wurden. Die Schützen haben nach langer Abwägung entschieden, wieder ein Feuerwerk zu zünden, die Sicherheitsvorkehrungen wurden deutlich erhöht.

Gerade an den Wochenenden und zu besonderen Veranstaltungen wie Feuerwerk und Drohnenshow wird es immer ganz schön voll auf dem Kirmesgelände. Deshalb sind vielleicht noch ein paar Hinweise zum Hinkommen zu dem zehntägigen Spektakel angebracht. Lassen Sie, so es irgend möglich ist, das Auto stehen. Sie ersparen nicht nur den Anwohnern eine Menge graue Haare – und dadurch auch den Schützen als Veranstalter, die sich dann mit Beschwerden herumschlagen müssen – sondern auch sich selbst. Es gibt kaum weniger vergnügliche Zeitvertreibe, als Ewigkeiten auf überfüllten Straßen herumzustehen, um dann keinen Parkplatz zu finden. Die Stadt dürfte rigoros gegen Falschparker im Umfeld vorgehen.

Bei allem Verständnis für wenig Interesse an überfüllten Stadtbahnen, vielleicht noch ein Tipp: Düsseldorf ist eine bemerkenswert schöne Stadt. Das lässt sich ganz besonders gut von der Rheinkniebrücke oder der Oberkasseler Brücke erkennen, wenn die Lichter der Kirmes vor dem Rheinturm oder der Altstadt auf der anderen Uferseite leuchten. Versuchen Sie es mal zu Fuß darüber, das rundet einen Kirmesbesuch ab. Und wer darauf keine Lust hat, für den steht ja auch noch die Kirmesfähre offen. Jetzt sollten wir nur noch die Daumen drücken, dass der Rheinpegel in den kommenden Tagen mitspielt. Denn zum Auftakt war der noch zu niedrig. „Wir müssen einen Bagger holen“, sagte Fährmann Hajo Schäfer. Dieser müsse noch eine ganze Menge wegbuddeln, bevor an ein Anlegen zu denken sei. Montag soll der Rheinpegel allerdings schon wieder steigen, auf 60 Zentimeter. Ob das reicht, ist unklar, aber bis dahin kann der Bagger ja eine Menge Sand bewegen.