Stand: 17.07.2026 21:05 Uhr
Um die gefährdeten VW-Werke in Niedersachsen zu retten, wird eine Option ins Spiel gebracht, die lange undenkbar schien: Volkswagen könnte in seinen Werken die Autos chinesischer Hersteller bauen. Wie stehen Experten und der Konzern dazu?
Es gebe intelligentere Lösungen als Werksschließungen, sagte Volkswagen-Chef Oliver Blume jüngst zu den Spekulationen und Berichten über das mögliche Aus der Produktionsstandorte in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Damit dürfte er auf offene Ohren beim Land Niedersachsen sowie beim Betriebsrat und bei Gewerkschaften gestoßen sein, die Werksschließungen mit aller Kraft verhindern wollen. Eine mögliche Lösung wäre es, künftig chinesische E-Autos in deutschen Volkswagenfabriken zu bauen. Kann das gelingen?
Alte Fabriken und hohe Arbeitskosten
„In einer Fabrik gibt es verschiedene Produktionslinien, die könnten schon auch unter zwei Herstellern aufgeteilt werden“, sagt Automobilexperte Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des Center of Automotive Management. Die Frage stelle sich hier aber eher, ob die chinesischen Hersteller überhaupt in deutschen Fabriken produzieren wollen. Schließlich gebe es in Deutschland relativ alte Fabriken und hohe Arbeitskosten, so Bratzel weiter. Der Automobilexperte geht daher davon aus, dass sich chinesische Hersteller eher günstigere Standorte, etwa in Ungarn, Portugal oder der Türkei, suchen.

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Qualitativ hohe Ähnlichkeit zwischen chinesischen und deutschen Autos
Qualitativ können chinesische E-Autos laut ADAC mit deutschen Fahrzeugen mithalten. Das würde eine Produktion in deutschen Werken erleichtern. „Die Fahrzeuge punkten mit hoher Verarbeitung, einer guten Standardausstattung und langen Garantiezeiten“, sagt ADAC-Sprecherin Alexandra Serjogin. „Die Fahrzeuge schneiden in Tests regelmäßig mit der Note ‚Gut‘ ab.“ Aus ihrer Sicht wäre es daher erst einmal egal, wo die Fahrzeuge produziert werden, solange Qualitäts- und Sicherheitsstandards eingehalten würden.
Preis und Qualität sind entscheidend
„Für mich zählen die Qualität und der Preis bei einem Auto. Dennoch sehe ich es kritisch, wenn immer mehr Fabriken in Deutschland an chinesische Hersteller verkauft werden“, sagt Dominik Fröhlich aus Garbsen in einer Umfrage dem NDR Niedersachsen. So sehen das auch viele andere Menschen. Bedenken gegenüber chinesischen Autoproduzenten auf der einen – Interesse an günstigen und qualitativ hochwertigen Fahrzeugen auf der anderen Seite. „Wenn chinesische Autos in deutschen Werken gebaut werden, zählen dann auch unsere Vorschriften und Normen?“, fragt beispielsweise Alina Heidelmeier aus Garbsen.

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Keine langfristige Lösung
Letztlich sieht auch Automobilexperte Bratzel in der Produktion chinesischer Autos in deutschen VW-Fabriken keine langfristige Lösung. Aus seiner Sicht bedarf es drastischer Maßnahmen, zu denen auch Werksschließungen gehören. Grundsätzlich müssten aber Lohnkosten in Deutschland gesenkt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, beispielsweise durch längere Wochenarbeitszeiten ohne Lohnausgleich oder die Streichung von Feiertagen, so Bratzel. All diese Themen werden sicherlich auch in der Chefetage und den Werkshallen von Volkswagen diskutiert werden. Eine schnelle und einfache Lösung, so viel dürfte klar sein, scheint aber nicht in Sicht.

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