Diesen Tag haben Marlon, Thees und ihre Bandkollegen seit Wochen herbeigesehnt. Mit den druckfrischen Zeugnissen in der Tasche und den Ferien vor Augen, rockten die B280s am Freitagnachmittag Benrath. Auf dem Marktplatz gehörten die Musiker um Sängerin Joelina zum Line-up aus Schülerbands und Rap-Acts, die für ordentlich Stimmung sorgten. Für Sängerin Joelina war es ihr Bühnendebüt mit den Jungs.

Klar, war sie ein bisschen aufgeregt, Lampenfieber vor dem ersten Live-Auftritt gehört schließlich dazu. Während des kleinen Sets sah man ihr das aber nicht an. Souverän schnappte sie sich das Mikro und legte los. Das Repertoire? Achtziger Mucke! Von „Westerland“ der Ärzte“ über „An Tagen wie diese“ von den Hosen bis zum Klassiker „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang zogen die fünf alle Register. Ganz nach Martins Geschmack: „Ich bin ein Kind der Achtziger, und die Kids da oben machen ihre Sache wirklich gut“, findet er. Martin war eher zufällig vorbeigekommen. „Ich habe heute etwas früher Feierabend und wollte noch schnell was einkaufen, da habe ich die Musik gehört und bin neugierig geworden“, erzählte der Benrather und wunderte sich dann, „warum die Teenies so auf unsere Musik stehen, die wir in ihrem Alter geliebt haben“. Die Frage beantwortet der 17-jährige Marlon gern: „Wir finden die 80er einfach ein tolles Jahrzehnt. Wir hören von unseren Eltern immer, da war so viel möglich“, erzählte er und wünschte sich: „Wenn wir durch die Zeit reisen könnten, würde ich gerne mal in den 80ern Station machen“.

Möglich gemacht wurde das Festival durch eine Kooperation aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Benrath, dem Evangelischen Kirchenkreis, dem Amtes für Soziales und Jugend und dem selbstverwalteten Jugend- und Kulturzentrums Haus Spilles. Nach dem gelungenen Auftakt des Formats im vergangenen Jahr in Wersten, war Benrath nun die zweite Station des Pop-up-Festivals, das ganz bewusst in die Stadtteile geht, die eher im Süden oder Norden liegen. „Da ist ja oft nicht ganz so viel los für junge Menschen, wie in der Innenstadt“, erläuterte Lara Harner vom Amt für Jugend und Soziales. „Deshalb suchen wir diese Orte auf, um ihnen dort einen Raum zu geben“, fuhr sie fort.

In Wersten lag der Fokus eher auf Sport. Als klar war, dass Benrath diesmal Schauplatz des Festivals sein würde, wünschten sich die Jugendlichen, dass sie Musik machen dürfen. Nach den B280s übernahm Rapper Champ das Mirko. „Seid ihr in Partystimmung?“, fragte er sein Publikum. „Yo!“ kam es vom Bühnenvorplatz, wo sich die ersten Zuhörer schon mal warm tanzten. Wer sein Zeugnis dabei hatte, bekam kostenlos Pizza und Mocktails aus Fruchtsäften oder mit Ginger Ale als Basis. An einem weiteren Stand konnten die Kids kreativ werden und sich im Siebdruck ausprobieren, so wie Vincent.

Der 18-Jährige hielt stolz ein Bild mit dem Schlossturm in den Händen, das von ihm stammte. „Mir gefällt das Format sehr gut, weil hier Nachwuchsbands eine Bühne bekommen“, sagte er mit Blick auf die Performances von Champ, den B280s, Gravity oder Mowgli & Janni. Um dabei zu sein, war er extra aus Gerresheim gekommen. „Bei uns ist auch nicht so wahnsinnig viel im Angebot für Jugendliche“, sagte er.

Wo das School’s-Out-Festival im nächsten Jahr Station machen wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Sicher aber ist, dass das Format als Impulsgeber gedacht ist. „Im Idealfall ist das, was wir in Wersten oder in Benrath angeboten haben, eine Art Startschuss für die Einrichtungen in den Stadtteilen weiterzumachen und sich zu vernetzen“, brachte Lara Harner die Idee hinter dem Wander-Festival auf den Punkt.