Fragen & Antworten
Standdatum: 18. Juli 2026.
Autorinnen und Autoren:
Verena Patel
Audio
Kalte Handtücher oder Kühlpacks im Nacken können helfen, den Körper zu kühlen.
Bild: Imago | photothek
Audio-Ende
Besonders für kranke und alte Menschen können hohe Temperaturen gefährlich werden. Was die Bremer Krankenhäuser für den Hitzeschutz unternehmen – und woran es hapert.
buten un binnen bei Google bevorzugen
Viel trinken, Sonnenschutz auftragen und langsam machen: Viele Tipps für den Umgang mit Hitze beziehen sich auf Menschen, die mobil und grundsätzlich gesund sind. Wer im Krankenhaus liegt, hat es da schwerer und ist auf Hilfe von außen angewiesen. Hitze kann geschwächte Personen zusätzlich belasten. Wir blicken darauf, wie die Kliniken im Land Bremen auf hohe Temperaturen vorbereitet sind.
Welche Möglichkeiten von Hitzeschutz nutzen die Krankenhäuser?
Im Bremer St.-Joseph-Stift war die Belastung während der Hitzewelle deutlich zu spüren, teilt Pressesprecherin Silke Meiners mit: „Die Räumlichkeiten haben sich spürbar aufgeheizt, sowohl in Aufenthaltsräumen und Stützpunkten als auch in den Patientenzimmern.“ Der hauseigene Hitzeschutzplan sieht beispielsweise Lüften in den kühleren Stunden vor, das Abdunkeln von Räumen, die besondere Beobachtung hitzeempfindlicher Patientinnen und Patienten und die Sicherstellung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, auch kalte Handtücher kämen zum Einsatz.
Ähnlich sieht es in den Krankenhäusern der Gesundheit Nord (Geno) aus. Dort werden an heißen Tagen außerdem zusätzliche Getränke und Kühlpacks angeboten, die Patienten sich in den Nacken oder aufs Handgelenk legen können, teilt Sprecherin Karen Matiszick mit. Im Diako Krankenhaus sind laut Sprecherin Nastasja-Klara Nadolska sämtliche Fenster der Patientenzimmer mit einer Wärmeschutzfolie ausgestattet. Während der Hitzewelle im Juni 2026 seien auch Ventilatoren aufgestellt worden.
Ventilatoren aufzustellen, war in den meisten Zimmern möglich. Ausnahmen bestanden beispielsweise bei Patientinnen und Patienten mit offenen Wunden, da der Einsatz von Ventilatoren in diesen Fällen aus hygienischen Gründen nicht zulässig ist.
Diako-Sprecherin Nastasja-Klara Nadolska
Dazu kommen bauliche Maßnahmen: Am Bettenhaus des St.-Joseph-Stift wurde vor einigen Jahren die Fassade gedämmt, mit dreifachverglasten Fenstern und einer neuen Lüftungsanlage ausgestattet. Im Klinikum Bremerhaven Reinkenheide ist das Bettenhaus, in dem sich die Patientenzimmer befinden, beschattet.
Bei den Neubauten am Klinikum Bremen-Mitte ist ein relativ geringer Fensteranteil vorgesehen, sodass die Sonneneinstrahlung reduziert wird. Es sei überall ein automatisierter, außenliegender Sonnenschutz vorgesehen. Eine Dachbegrünung ist laut Geno-Sprecherin Matiszick in Teilen des Krankenhauses bereits vorhanden und wird auch für die neuen Gebäude geprüft. In den kommenden Jahren sollen auf einigen Stationen Kühldecken in den Patientenzimmern verbaut werden, zum Beispiel auf der Palliativstation.
Welche Bereiche von Krankenhäusern verfügen über Klimaanlagen?
Eine Abfrage von buten un binnen unter den Bremer Kliniken ergab, dass diese zum Teil mit Klimaanlagen ausgestattet sind. Die regulären Patientenzimmer verfügen allerdings nicht darüber. In den Kliniken der Gesundheit Nord (Geno) wird die Luft im Operationssaal, auf den Intensivstationen und auf den Stationen mit besonders geschwächten Patienten wie Krebspatienten mit Stammzellentherapie oder Frühgeborenen gekühlt.
Im Diako Krankenhaus verfügen die Zentrale Notaufnahme, die Intensivstation, die Intermediate-Care-Station – also die Überwachungsstation zwischen Normal- und Intensivstation – und das Labor sowie die Technikräume über eine Klimaanlage. Die Operationsräume werden über eine Zentrallüftung klimatisiert, teilt das Krankenhaus mit. Klimatisierte Lüftungsanlagen gibt es im Rotes-Kreuz-Krankenhaus unter anderem auf der Intermediate-Care-Station, im OP und in der Notaufnahme, auch auf der Intensivstation wird die Luft gekühlt.
Ähnlich ist es am St.-Joseph-Stift, wo der OP, die Intensivstation und die Intermediate-Care-Unit klimatisiert sind. Im Klinikum Bremerhaven Reinkenheide sind die Intensivstation, die Frühgeborenen- und Neugeborenenstation, die Dialyse, alle Röntgenabteilungen und alle Operationssäle mit Klimaanlagen ausgestattet. Im Ameos Klinikum Bremerhaven sind die „besonders sensiblen Bereiche“ klimatisiert.
Information zum Thema
Hitzeschutzpläne für Kliniken
Bis Ende 2027 sollen Hitzeschutzpläne für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Bremen und Bremerhaven erstellt werden. Dies ist Teil des Hitzeaktionsplans, wie das Bremer Gesundheitsressort mitteilt. Dabei solle ein gemeinsamer Leitfaden für den Umgang mit Hitzeereignissen erarbeitet werden.
Zudem gibt es bereits die Bundesempfehlung Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser, die verschiedene kurz- bis langfristige Maßnahmen vorsieht, vom angepassten Speiseplan bis zur Fassadenbegrünung, Ausstattung der Fenster mit Hitzeschutzfolien und kühlenden Vorhängen.
Ende der Information zum Thema
Wie viel Geld braucht es für den Hitzeschutz in Krankenhäusern?
„Haupthindernis für einen deutlich verbesserten Hitzeschutz im Krankenhaus sind fehlende finanzielle Mittel“, sagt Judith Borsch, Geschäftsführerin der Bremer Krankenhausgesellschaft, auf Anfrage von buten un binnen. Handlungsbedarf gebe es bei der finanziellen Förderung von Baumaßnahmen für zusätzliche Verschattung, Kühlung, Dämmung und energetische Sanierung.
Borsch verweist auf ein Förderprogramm des Landes aus dem Jahr 2022. „Die Kliniken im Land Bremen hatten zu diesen Fördermitteln Investitionsbedarfe in Höhe von 130 Millionen Euro angemeldet, die das Land umsetzen wollte.“ Doch dann kam die Schuldenbremse dazwischen: Die zugesagten Mittel seien daher nur im geringen Umfang von 14,8 Millionen Euro gewährt worden.
Über den Bund sollte es gezielte Fördermaßnahmen für klimaresiliente Krankenhäuser geben. Dann könnten effektive und schützende Maßnahmen im großen Umfang realisiert werden.
Judith Borsch, Geschäftsführerin der Bremer Krankenhausgesellschaft
Was fordern Patientenschützer?
Der Bremer Patientenschützer Reinhard Leopold spricht sich dafür aus, dass die Temperatur in allen Räumen von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erfasst wird und eine Temperaturgrenze festgelegt wird, ähnlich wie es in den Arbeitsstättenvorschriften der Fall ist. Demnach soll es in Arbeitsräumen nicht wärmer als 26 Grad Celsius sein. „Es fehlt ein Richtwert, der auch rechtlich eingefordert werden kann“, sagt Leopold. Die Pflicht der Einrichtungsträger zur Sicherstellung eines angemessenen Raumklimas, wie es in der Bauverordnung zum Bremischen Wohn- und Betreuungsgesetz heißt, sei zu unkonkret.
Laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz seien Klima-Solaranlagen eine wirksame Lösung. „Bei Neubauten darf die Raumtemperatur 25 Grad nicht überschreiten. Das kann aber nur gelingen, wenn die Schutzvorkehrungen in jedem Bundesland baurechtlich verankert werden“, lässt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, auf Anfrage mitteilen. Brysch fordert außerdem ein Hitzestopp-Investitionsprogramm in Höhe von 30 Milliarden Euro für die 1.600 Krankenhäuser und 12.000 Pflegeeinrichtungen deutschlandweit.
Statt sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben, müssen Bund, Länder und Kommunen jetzt gemeinsam handeln.
Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz
Mehr zur Hitze in Bremen:
Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
butenunbinnen.de, Dein Audio-Update, 17. Juli 2026, 11 Uhr
