Für Matthias und Christoph Hilgers war es keine Heldentat – es war das Selbstverständlichste der Welt. Jetzt wurden die beiden Neusser Feuerwehrmänner von Regierungspräsident Thomas Schürmann für ihren Einsatz im vergangenen Dezember ausgezeichnet. Gemeinsam mit fünf weiteren Retterinnen und Rettern aus dem Regierungsbezirk empfingen sie die Ehrung in einer Feierstunde im Schlösschen der Bezirksregierung Düsseldorf.
Es war der Abend des 11. Dezember, kurz nach 19 Uhr, als Christoph Hilgers vom Garten aus einen ungewöhnlichen Schein im Fenster seiner Nachbarin bemerkte. Ein Adventsgesteck hatte Feuer gefangen, weitere Möbelstücke brannten bereits. Der 59-Jährige zögerte nicht: Mit einem Vorschlaghammer schlug er die Scheibe ein, rief seinen Sohn Matthias zur Hilfe und brachte die bettlägerige 90-jährige Bewohnerin mit dem Rollstuhl durch die Balkontür ins Freie. Matthias, 30 Jahre alt und noch in Hausschlappen, löschte die Flammen – und beide retteten anschließend eine weitere Frau aus der bereits verrauchten Wohnung im Obergeschoss. Als die Feuerwehr eintraf, brannte es längst nicht mehr.
Was die beiden Männer auszeichnet, ist nicht nur ihr Mut – sondern ihre Profession. Matthias Hilgers ist hauptberuflich bei der Werkfeuerwehr von Alunorf tätig und engagiert sich ehrenamtlich im Löschzug Hoisten, wo auch sein Vater aktiv ist. Sie wussten, was zu tun war. Und sie taten es. „Das ist Berufsehre“, sagt Matthias Hilgers. Mehr Worte braucht er dafür nicht.
Bei der Feierstunde in Düsseldorf standen Vater und Sohn Seite an Seite mit fünf weiteren Menschen, die in ganz anderen Situationen ähnlich reagiert hatten. Fynn Peters hatte im Juni vergangenen Jahres ein 16 Monate altes Kind vor dem Ertrinken im Spoykanal gerettet. Ebenfalls im vergangenen Juni waren Soheib Benhamza und Murat Yel mit zwei Freunden in ihrem Tretboot auf der Ruhr unterwegs, als sie Hilferufe von der Schlossbrücke in Mülheim hörten – zwei Menschen hatten sich ins Wasser gestürzt. Sie retteten beide, doch die Frau starb später im Krankenhaus. Hannah Schlage und Enrico Paterno leisteten im vergangenen September in einer Essener Schule Erste Hilfe an einer mit einem Messer lebensgefährlich verletzten Lehrerin – obwohl der Täter zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefasst war.
„Sie alle haben in einem entscheidenden Moment nicht weggeschaut, sondern gehandelt“, sagte Schürmann. „Sie haben Mut bewiesen, Verantwortung übernommen und Menschen in größter Not geholfen. Diese Selbstlosigkeit verdient höchsten Respekt und Anerkennung.“